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Der 'genialisch-energische Geist



Albano

Schon in den frühen T;to«-Entwürfen aus der ersten Hälfte der neunziger Jahre bezeichnet Jean Paul den Protagonisten des geplanten Romans als 'Genie" und als dessen wichtigsten Zug 'Kraft" . Er hat später Friedrich Heinrich Jacobi gegenüber erklärt, dessen Roman Allwill, der die Lebensproblematik des Genies behandelt, sei ihm die wichtigste Anregung für den Titan gewesen:
'Die Stelle im Alwil, wo Du von [der] poetischen Auflösung in lauter unmoralische Atonie durch lauter Reflexion sprichst, gab mir die erste Idee des Titans" .
      Welchen Gang die Geschichte des Romans nehmen sollte, blieb in der Zeit der Pläne und Entwürfe lange offen. Immerhin war deutlich, daß eine psychologisch-moralische Entwicklung zu schildern war. Als Goethes Wilhelm Meister erschien, konnte Jean Paul nicht umhin, dieses Werk aus der Perspektive seines eigenen T;ta«-Projekts zu betrachten. Es erstaunt nicht, daß er an der Schwäche und Durchschnittlichkeit des Goetheschen Romanhelden Anstoß nahm. In einer Notiz aus der Zeit der Beendigung des Titan heißt es:
'Bei dem Meister besteht das Kunstwerk bloß in der durchgehenden Gesinnung Goethes. Hart' er aber den Helden etc. zu einem Goethe [darübergeschrieben: oder Jarno etc.] gemacht: welch ein Werk!" .
      Der Text des Titan rückt gleich zu Anfang das ungewöhnliche Format des Helden ins Licht, seine reiche Begabung, seine große Gesinnung, seinen flammenden Ehrgeiz. Der Erzähler betont, Albano lege 'an alles antediluvianische Riesenellen" und er zeige einen 'Hang zu übermäßigen Menschen": 'Er las die Lobreden auf jeden großen Menschen mit Wollust als wären sie auf ihn" . 'Größe und Unsterblichkeit" sind die Ideen, die ihn beherrschen . Augusti und Schoppe, die Albano als Erzieher beigegeben sind, konstatieren bei ihrem Zögling eine fast beunruhigende Fülle der inneren Kräfte .
      Der Reichtum an Empfindungen und träumerisch in die Zukunft greifenden Ambitionen ist bei Albano nicht mit Willensschwäche und gefühligem Selbstgenuß verbunden. Der Erzähler betont in nachdrücklichen Wendungen die Fähigkeit Albanos, sich selbst zu disziplinieren und konkrete Aufgaben ins Auge zu fassen:
'In ihm wohnte ein mächtiger Wille, der blos zur Dienerschaft der Triebe sagte: es werde! Ein solcher ist nicht der Stoizismus, welcher blos über innere Missethäter oder Hämlinge oder Kriegsgefangene oder Kinder gebeut, sondern es ist ]ener genialisch-energische Geist, der die gesunden Wilden unsers Busens dingt und bändigt [...]" .
     

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