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Lateinische Dichtung zur Zeit der Sachsenkaiser



Den Karolingern gebührt das Verdienst, die Dichtung in deutscher Sprache gefördert zu haben. Die Sachsenkaiser geben dem Latein den Vorzug. Das Christianisierungswerk war inzwischen vollendet, somit fühlten sich die Geistlichen der Ottonenzeit der bisherigen Aufgabe, die Heilige Schrift volkstümlich zu machen, enthoben. Sie durften wieder weltaufgeschlossen sein, Freude an der heimischen Wirklichkeit empfinden, an den alten Heldenliedern, Sagen, Märchen und Schwänken. Deutsches Fühlen und Denken in lateinischer Sprache, das jjt ein untrügliches Kennzeichen für die Dichtung zur Zeit der Sachsenkaiser.

     
Um 925 schrieb der St. Gallener Mönch Ekkehard i. das Waltharilied, das eine alte deutsche Sage neu erstehen ließ.
      Walther von Aquitanien und die burgundische Königstochter Hildegund werden am Hofe Attilas als Geiseln festgehalten. Nach längerer Gefangenschaft gelingt die Flucht. In einem Engpaß des Wasgenwaldes treffen Walther und Hildegund auf den Frankenkönig Günther und dessen Mannen. Walther muß heftige Kämpfe bestehen, aus denen er schließlich siegreich als Held hervorgeht. Das Ende ist versöhnlich: Mit reichen Schätzen aus dem Hunnenland kehrt Walther in seine Heimat zurück, vermählt sich mit Hildegund und wird nach dem Tode seines Vaters König über das Westgotenland.
      Um 960 versuchte eine sächsische Adelige, die Nonne Hrotsvitha von Gandersheim, nach dem Vorbild des lateinischen Dichters Terenz Dramen in lateinischer Prosa zu schaffen. Terenz hatte die Ausschreitungen sittlich zweifelhafter Frauen vorgeführt. Hrotsvitha wollte die unerschütterliche Tugend christlicher Jungfrauen verherrlichen. So entstanden sechs Dialoge, dererr Thema der Kampf zwischen Laster und Tugend, der Sieg christlichen Märtyrertums über die Versuchungen der Welt ist. Da Hrotsvitha jedes dramatische Talent abging, fehlt diesen Dramen die Klarheit des Aufbaus und die Kraft der Steigerung.
      Ein überraschendes Zeugnis weltoffener Dichtung ist der um 1030 von einem unbekannten Mönch des bayerischen Klosters Tegernsee in lateinischen Hexametern verfaßte Ruodlieb. Es ist der erste selbständige deutsche Ritterroman. Märchenhafte Züge, Humor und Phantasie beleben die Handlung, die das Leben jener Tage in seiner Wirklichkeit vor Augen stellt.
      Der lieH-Ruodlieb verläßt seine Mutter und zieht in die Fremde, um Ruhm und Schätze zu erwerben. Beim Abschied wählt er statt des Goldes zwölf Weisheits-lehrcn, die er in einer Folge von Abenteuern erprobt. Drei seiner Grundsätze dürften der Erwähnung wert sein: Halte die Frau in Ehren, handle nie im Jähzorn, streite nicht mit großen Herren.
     

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