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Die germanische Dichtung vor der Völkerwanderungszeit



Über die Dichtung unserer Vorfahren, der Germanen, wissen wir nur wenig; ihre Spuren verschwinden, wie sie selbst, im Dunkel der Geschidite. Erst in der Völkerwanderungszeit, als die meisten der germanischen Stämme ihre ursprünglichen Wbhnplätze verließen und sich in kämpfereichen Wanderzügen neue eroberten, sprechen Gesdiichtsquellen der Römer und der Goten zum ersten Male auch von germanischer Dichtung. So berichtet der römische Geschichtsschreiber Tacitus in seiner Germania von Liedern und Gesängen, in denen die Germanen ihren Gott Tuisto, dessen Sohn Mannus und den Gott Donar feierten. Den Wortlaut der Gesänge überlieferte er der Nachwelt nicht. Wir dürfen aber annehmen, daß bei den Germanen, wie bei allen alten Völkern, die Religion , also die Verehrung und Anrufung der Götter, der eigentliche Ursprung der Diditung gewesen ist. Aus der Götterverehrung entwickelte sich die Heldenverehrung. So verherrlichten die Germanen außerhalb des Gottesdienstes bei festlichen Anlässen die Ruhmestaten ihrer Edlen und Stammesfürsten. Doch Gottesdienst und feierliche Volksversammlung boten nicht die einzige Gelegenheit, Gedanken in Worte und in dichterisdie Form zu kleiden. Wer die Fähigkeit dazu besaß, konnte seine Lebensweisheit in Sprüche fassen oder im Kreise der Zuhörer durch kleine Rätsel die Aufmerksamkeit auf sich lenken und zur Unterhaltung beitragen. Gelegenheitsdichtung dieser Art stellt das Rätsel vom Schnee und der Sonne dar:
Flog Vogel federlos, saß auf Baum blattlos, Kam Frau fußlos, fing ihn handlos, Briet ihn feuerlos, fraß ihn mundlos.
      Interessant an diesem Rätsel ist nicht nur der Inhalt, sondern die für die gesamte germanische Dichtung typische Form. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man, daß ein Reim die wichtigsten Wörter innerhalb einer Verszeile in auffallender Weise zusammenbindet, freilich nicht der uns gewohnte Reim, sondern lediglich der gleiche Anlaut bei den Wörtern, die den Sinn des Verses enthalten. Weil die Germanen ihre Buchstabenzeichen - die Runen - in der Regel in Buchenstäbe ritzten, pflegt man bei gleichlautendem Anlaut vom Stabreim zu sprechen.
      Da die Runen mit den Buchenstäben vermoderten, blieb unsere Kenntnis dieser Schrift beschränkt auf die wenigen Fundstücke, die in Stein oder Metall geritzte Zeichen tragen.

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