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Die ersten Einflüsse des Christentums



Als sich im Weltreich der Römer unter Kaiser Konstantin das Christentum siegreich durchsetzte, begann eine neue Zeit, die ihr Gepräge vornehmlich von der neuen Religion des Christentums empfing.
      Atta unsar thu in himinam, weihnai namo thein.qwimai thiudinassus theins. wairthai wilja theins, swe in himinajah ana ai'rthai.hlaif unsarana thana sinteinan gif uns himma daga,jah aflet uns thatei skulans sijaima. swäswe jah weis afletamthaim skulam unsaraim.jah ni briggais uns in fraistubnjai, ak läusei uns af thamma ubilin.unte theina ist thiudangardi, jah mahts, jah wulthus in aivins. Amen.
      Vater unser, du in Himmeln, geweiht werde dein Name dein, eskomme Herrschaft dein, eswerde Wille dein wie im Himmel auch auf Erden.
      Brot unseres dieses fortwährende gibt uns diesem Tage.
      Und ablasse uns das, was wir schuldig sind, sowie auch wir ablassendenen, die uns schuldig sind.
      Und nicht bringest uns in Versuchung; sondern löse uns ab von dem Ãobel,denn dein ist das Reich und die Macht und Glanz in Ewigkeit. Amen.
      So klingt uns das Vaterunser entgegen aus dem ältesten uns erhaltenen Sprachdenkmal des germanischen Christentums, aus der Bibelübersetzung des westgotischen Bischofs Wulfila , der als Sohn einer griechischen Mutter und eines gotischen Vaters um 313 n. Chr. geboren und 343 Bischof der Goten wurde. Für sein großes Werk erfand Wulfila die gotische Schrift, geschaffen aus germanischen Runen unter Benutzung des griechischen und lateinischen Alphabets.
      Von der Ãobertragung besitzen wir nur noch Bruchstüdce. Von den noch erhaltenen Handschriften ist die schönste und vollständigste der sog. Codex argenteus , heute im Besitz der Universitätsbibliothek in Upsala, Schweden.
      An die Stelle des germanisdien Zauberspruches treten christliche Segenssprüche. Die bekanntesten sind der Lorscher Bienensegen , der Straßburger Blutsegen und der Weingartener Reisesegen mit den wohl noch in die germanische Zeit zurückreichenden Schlußversen:

Dir nach ich sehe, dir nach ich sende
Mit meinen fünf Fingern fünfundzwanzig Engel.
      Gott mit Gesundheit heim dich sende!
Offen sei dir das Siegestor, offen sei dir das Segeltor!
Verschlossen sei dir das Wogentor, verschlossen sei dir das Waffentor!
In der Geschichte des deutschen Volkes hat kein Vorgang tiefere Spuren hinterlassen als die Bekehrung zum Christentum. Der neue Glaube fand nur zögernd Eingang. Diesseits und Jenseits, Sünde, Erlösung, Gnade, diese Worte bedeuteten für den Germanen eine neue Welt, in der er sich nur langsam und oft mit heftigem Widerstreben zurechtfand.
      Das Christentum kam nicht nur als Träger eines neuen Glaubens, sondern zugleich als Mittler der Antike. Viele Werke aus dem Schrifttum der griechisch-römischen Kultur wurden erst mit dem Vordringen des Christentums in Deutschland bekannt. Da die deutsche Literatur noch nicht zu ähnlich schöpferischen Leistungen fähig war, beschränkte sie sich auf Ãobersetzungen und Nachdichtungen.
      Wer die Ãoberlieferungen des christlichen Glaubens und die Schätze der Antike erschließen wollte, mußte die lateinische Sprache beherrschen. Das war im frühen Mittelalter fast ausschließlich dem Klerus vorbehalten. So ist es verständlich, daß die neue Dichtung in den Händen der Mönche und Geistlichen lag, die des Lateins kundig und durch gründliche Studien mit dem christlichen und antiken Bildungsgut vertraut waren. Als Kulturzentren der Zeit verdienen besonders die Klöster St. Gallen, Fulda und Reichenau Beachtung.
      Drei Epochen folgen in der Dichtung der Geistlichen aufeinander. In der ersten Epoche benutzten die Kleriker die Dichtung, um das Heidentum zu bekämpfen; in der zweiten - Zeit der Sachsenkaiser - erscheinen weltliche, teilweise sogar ausgesprochen deutsche Stoffe in lateinischer Umhüllung ; in der dritten Epoche - 1050-1180 - wirkt die von Kloster Cluny ausgehende asketische Bewegung auf die Dichtung ein; daneben aber entwickelt sich im 12. Jahrhundert eine neue Kunstform höfischer Prägung: das Epos.
     

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