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Stilles Reifen (I787-I794)



Im Sommer 1787 verließ Schiller Dresden und begab sich nach Weimar, das ihn mächtig anzog. Hier ließ er zunächst die dichterische Arbeit ruhen und versenkte sich ganz in das Studium der Geschichte. "Mein Leben geht jetzt einen höchst ruhigen, aber dabei sehr tätigen Gang. Jeder Tag hat für mich zwölf arbeitsvolle Stunden, und sehr oft noch einige mehr", schreibt er an seinen Freund Körner, Die erste Frucht seiner historischen Studien war die 1788 veröffentlichte "Geschichte des Abfalls der Niederlande". Auf Betreiben Goethes erhielt Schiller daraufhin eine freilich kärglich besoldete Professur für Geschichte an der Universität Jena und eröffnete im Mai 1789 seine Vorlesungen mit der Antrittsrede: "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?" 1790 vermählte er sich mit Charlotte von Lengefeld, mit der er eine überaus glückliche Ehe führte. Das Glück jener Zeit spricht aus seinen Briefen, so wenn er seinem Freunde Huber schreibt: "Mit jedem Tage verjüngt sich dieses Gefühl der Freude in meinem Herzen, und die glückliche Existenz eines holden lieben Wesens um mich her, dessen ganze Glückseligkeit sich in die meinige verliert, verbreitet ein sanftes Licht übermein Dasein." Die gehobene Stimmung aber kam in einer doppelten Arbeitsfreudigkeit zum Ausdruck. Aus seinen geschichtlichen Studien ging in Jena die "Geschichte des Dreißigjährigen Krieges" hervor. Das große und entscheidende Erlebnis der ersten Jenaer Jahre jedoch, Goethes Aufenthalt in Italien vergleichbar, war die eindringende Beschäftigung mit der Philosophie Kants. Wie Goethe die Urformen aus den Erscheinungen der Natur ergründen wollte, so rang jetzt Schiller um die Erkenntnis des wahren Wesens des Menschen und fand es in der Idee der sittlichen Freiheit, der sittlichen Selbstbestimmung: "Es ist gewiß von keinem sterblichen Menschen ein größeres Wort noch gesprochen worden als dieses Kantische: Bestimme dich aus dir selbst!" Unter dem Eindruck von Kants Lehre entstand eine Reihe philosophischer Schriften Schillers, die durchweg das Problem "Sittlichkeit und Kunst" behandeln: "Über Anmut und Würde" , "Vom Erhabenen" , "Über die, ästhetische Erziehung des Menschen" , durch den Aufsatz "Über das Erhabene" ergänzt, und "Über naive und sentimentalische Dichtung" . Das Übermaß an Arbeit brachte Schiller eine schwere Erkrankung. Auf einer Reise nach Erfurt zog er sich eine starke Erkältung zu, die nach vorübergehender Besserung als schwere Lungenentzündung ausbrach und ihn dem Tode nahe brachte. Seine volle Gesundheit hat er danach nie mehr zurückgewonnen.
     

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Stilles  Reifen  (I787-I794)    


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