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Auf dem Wege zur Klassik



Schon im 'Don Carlos" hatte sich Schiller von Sturm und Drang gelöst. Ja, er nahm mit diesem Drama recht eigentlich Abschied von der Dichtung auf Jahre hinaus. Seine Geschichtsvorlesungen nahmen ihn ganz in Anspruch. Das für ihn entscheidende Bildungserlebnis aber wurde die Philosophie Kants.
      Schillers großes, sein ganzes Lebenswerk durchziehendes Problem war jener innere Zwiespalt im Menschen, den er bald als tierische und geistige Natur, bald als Natur und Vernunft, bald als Sinnlichkeit und Idee, bald als Stoff und Form bezeichnet.
      Kants Lehre von der inneren Freiheit des Menschen brachte ihm endgültige Klärung. Was ihm Kant jedoch nicht geben konnte, war die Aussöhnung jenes Gegensatzes von Trieb und Geist in einer Harmonie, wie sie dem Geiste des klassischen Humanitätsgedankens entsprach. Um sie mußte Schiller selbständig ringen und hat es auch getan. Er kam zu der Erkenntnis, daß der Mensch dann zu wahrer Freiheit und sittlicher Würde aufsteige, wenn es ihm gelinge, den Einklang zwischen Pflicht und Neigung, Sinnlichkeit und Geist selbst herzustellen. Die Fähigkeit zur Harmonisierung dieser Pole zeichnet die 'Schöne Seele" aus. Aufgabe der Dichtung aber ist es, die edle Gesinnung des innerlich freigewordenen Menschen in formvollendeter Sprache aufzuzeigen. In eigenen philosophischen Schriften hat Schiller seine Lehre vom harmonischen Menschentum niedergelegt:
1793 erschien die Schrift 'Ãober Anmut und Würde", im gleichen Jahre noch 'Vom Erhabenen", 1794/95 folgten die Briefe 'Ãober die ästhetische Erziehung des Menschen". In der Abhandlung 'Ãober naive und sentimentalische Dichtung" versucht schließlich Schiller unter dem Eindruck von Kants Lehre sich über den Charakter seiner eigenen Dichtung im Rahmen der geistesgeschichtlichen Entwicklung klarzuwerden. Damit war der Gedankenkreis geschlossen, aus dem heraus Schiller erneut an sein dichterisches Schaffen gehen konnte.
     

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