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Gedichte aus sieben jahrhunderten interpretationen

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Trost - Eugen Roth



Du weißt, daß hinter den Wäldern blau die großen Berge sind. Und heute nur ist der Himmel grau und die Erde blind.
      5 Du weißt, daß über den Wolken schwer die schönen Sterne stehn. Und heute ist aus dem goldenen Heer kein einziger zu sehn.
      Und warum glaubst du dann nicht auch, 10 daß uns die Wolke Weltnur heute als ein flüchtiger Hauch die Ewigkeit verstellt?

Wie im Titel des Gedichts angezeigt, ein auf Besinnung und Tröstung abgestimmtes, gehaltlich wie ästhetisch schlichtes, ja beinahe schon trivial anmutendes Gedicht: Lyrik als »Lebenshilfe«, die sich freilich der Anstrengung des zweifelnden oder auch nur schmerzlich bejahenden Denkens so wenig unterzieht wie sie auf anstehende, z. B. ökologische oder weltpolitische Probleme Antworten zu geben vermöchte. Formal ist das Gedicht sowohl als Selbstgespräch wie als Anrede an den je einzelnen, »Trost bedürftigen« Leser gerichtet, die Strophen sind nach dem Muster einer rhetorischen Argumentation angeordnet: 1 u. 2: Beispiele / Teilaspekte; 3: Schlußfolgerung / das Ganze.
      Solcherart Erbauungsliteratur und Besinnungslyrik ist weit verbreitet, durch Kalender, bestimmte, meist mit klassischer Musik verbundene Rundfunksendungen, nicht zuletzt begegnet man ihr im Poesiealbum. Eugen Roth, dessen »Ein-Mensch-Bücher« millionenfach verbreitet sind, galt besonders in den sechziger und siebziger Jahren als der Volksschriftsteller schlechthin. So unerheblich das Gedicht vom Ästhetischen her auch erscheinen mag. derlei Poesie hat ihre Leserschaft über alle Zeiten und Gefährdungen hinweg.
      Eine problemorientierte Interpretation könnte von der Semantik des Begriffs »Trost« ausgehen und nach der Funktion der lyrischen Selbstanrede fragen. Zur Wortebene: — »wissen« = Gewißheit/Erfahrung besitzen — »und« = aber Bedeutung der Adjektive Syntax: Wechsel zwischen »beweisführenden« Aussagesätzen und Frage . Vergleichstexte: Mörike, Gebet Carossa, Was einer ist, was einer war

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