Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Gedichte aus sieben jahrhunderten interpretationen

Index
» Gedichte aus sieben jahrhunderten interpretationen
» Sommerliches Gebet - Rudolf Hagelstange

Sommerliches Gebet - Rudolf Hagelstange



Methodisch bietet sich zur Erschließung des fünfstrophigen Gedichts — im Sinne wechselseitiger Erhellung — sowohl der Vergleich mit dem Vaterunser an wie mit anderen Sommergedichten. Aus dem lyrischen Werk Hagelstanges wäre zu denken an: »Veroneser Sommernacht« , »Indian Summer« . Die religiöse Thematik und religiös-lyrische Inbrunst findet sich bereits in dem Gedichtband, der Hagelstanges Ruhm und Stellung innerhalb der Nachkriegsliteratur begründete, den »Venezianischen Sonetten«, angelegt; und auch später nimmt Hagelstange diese Ausdrucksform immer wieder auf, z. B. in dem großen Gedicht »Lied der Jahre« oder der erschütternden Klage und Anklage zugleich »Leben in der Hürde« . Im »Sommerlichen Gebet« eröffnet jeweils der Appell, der bittende Gestus die vier Strophen, wobei in einer jeden ein anderer Bezugsraum, ein anderer Inhalt der Bitte erscheint: zunächst Ernte, ganz konkret naturhaft, Felder und Wiesen, dann Vieh und Herden; hier wird der religiöse Bezug schon deutlicher ; im Folgenden Wind, Sonne, Regen, die Elemente; in Strophe vier dann die Menschenwelt; wiederum, in der Nähe zum metaphorischen Sprechen des Vaterunsers, die metaphorisch-symbolische Bedeutung der Inhalte der Bitte: »Straße«, »Wiesenland und Stein«. Die letzte Strophe, abgesetzt formal durch die Zeileninversion , gestaltet das Motiv des Schutzes, »Hut und Heil«, im religiösen Zitat aus , beschwört die Ãœbereinstimmung von menschlichem und göttlichem Willen.

      Das Gedicht ist getragen von einem Glauben an die Einwirkung eines tätigen und schützenden Gottes, spricht zwar nicht direkt, aber in Umschreibungen von der Gnade Gottes. Mag auch die Naturwirklichkeit des Gedichts, soweit sie nicht symbolisch erscheint, heute als tradiert und klischeehaft anmuten, so läßt sich doch auch für unsere heutige Welt das Moment der Besorgtheit, der Verantwortung, herauslesen. In der Strophen- wie Versstruktur ist das Gedicht schlicht, die Wort-gebung biblisch-historisierend , entsprechend der religiösen Botschaft und des religiösen Sprachgestus.

 Tags:
Sommerliches  Gebet  -  Rudolf  Hagelstange    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com