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Gedichte aus sieben jahrhunderten interpretationen

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Kurzes Unwetter - Karl Krolow



Die Wolkenpferde ins Licht sich stürzen. Es qualmt die Erde von starken Würzen.
      5 Die schweren Leiber den Himmel fegen. Sturm ist ihr Treiber, schlägt Staub und Regenaufs schwarze Wasser. 10 Die Gräser sausen. Die Beerenprasser befällt ein Grausen.

      Ahorne biegen sich in den Lüften. 15 Wildblumen fliegen mit fremden Düften.
      Es fahren Flammen verzückt im Strauche. Weg stürzt zusammen. 20 Mit gelbem Bauchedrehn sich die Blätter wie angesogen. -Schon ist das Wetter vorbeigezogen.
      Ein Naturgedicht moderner Prägung, die Naturerfahrung und Naturbildlichkeit sind sowohl real-material wie bildlich-symbolisch; chiffrierte und hermetische Züge fehlen dieser für Krolows lyrischen Stil typischen Darstellungsweise ebenso wie besonders auffallende Bi ldungen. Allerdings oszilliert der lyrische Vortrag zwischen ironisch-heiterem und rhetorisch gesteigertem, Syntax, Rhythmus und Vers einbeziehenden raschem und analog zum Thema »vorwärtspeitschendem« Darstellungsstil. Jede Strophe akzentuiert eine Phase, eine Situation innerhalb des Vorgangs von Anbrechen und Vorbeiziehen des Unwetters. Dieses selbst wird nicht als bedrohlich oder zerstörerisch empfunden und dargestellt, sondern ganz aus einer die Bewegungen geradezu fröhlich nachvollziehenden Perspektive. Dem entsprichtdie rasch ausgreifende Sprachgestik, die »Vollmundigkeit« der Bilder und Motive: Wolkenpferde / Treiber — Flammen, dann die Verben der raschen Bewegung wie sich stürzen, fegen, schlagen, sausen, fliegen, fahren, zusammenstürzen, sich drehn — vorbeiziehen. Die angesprochene Korrespondenz von Gehalt / Thema — »kurzes / Unwetter« — und lyrischer Wiedergabe bewährt sich auch in der Strophen- und Reimbildung: zweihebige, kurze Verse, Zeilen- und Strophenenjambement, inversiver Satzbau, Tendenz zu elliptischem Stil . Von Str. 1 über Str. 2 , Str. 3/4 bis Str. 6

V.

1/2 — eine rasch ablaufende Bewegung, skandiert in Einzelphasen; pointenhaft, steigernd die beiden Abschlußverse: »Schon ist das Wetter / vorbeigezogen.« Von daher bietet sich das Gedicht gut für Vortragsübungen an, ebenso ist es geeignet für Gedichtvergleiche , aber auch, um lyrische Bild-Erfahrungen zu machen. Lebt doch dieses Gedicht ganz von seiner ironisch-pathetischen und zugleich realistisch erfahrbaren Vorstellungs- und Bilderwelt. Lautmalerei und Rhythmik wären als weitere besonders deutlich belegbare ästhetische Elemente zu nennen, während eine literar-historisch wertende Einschätzung dieser Art von Natur- und Landschaftsdarstellung — bzw. der Tradition dieses lyrischen Sprechens — nur unter Einbeziehung weiterer Gedichte Krolows sinnvoll erscheint.
     

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