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Gedichte aus sieben jahrhunderten interpretationen

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Fröhlicher Regen - Georg Britting



Wie der Regen tropft, Regen tropft, An die Scheiben klopft! Jeder Strauch ist naß bezopft.

      Wie der Regen springt!
In den Blättern singt

Eine Silberuhr.

      Durch das Gras hin läuft,

Wie eine Schneckenspur,
Ein Streifen weiß beträuft.
      Das stürmische Wasser schießt

   In die Regentonne,
Daß die überfließt,

Und in breitem Schwall
Auf den Weg bekiest
Stürzt Fall um Fall.

   Und der Regenriese,
Der Blauhimmelhasser,

Silbertropfenprasser,
Niesend faßt er in der Bäume Mähnen,

Lustvoll schnaubend in dem herrlich vielen Wasser.

   Und er lacht mit fröhlich weißen Zähnen Und mit kugelrunden, nassen Freuden tränen.
      Die drei Gedichte werden ausgeteilt; die Schüler lesen alle drei still durch, entscheiden sich mit Texthinweisen oder ersten allgemeinen Eindrücken für dasjenige, das ihnen spontan am besten gefallen hat. Daß »Drachen« und »Fröhlicher Regen«-näher zusammengehören, wird vom Text her belegt: »lustig/fröhliche Bilder« — »man kann sich das so gut vorstellen« — »ich sehe den Drachen genau vor mir in der Luft fliegen / höre den Regen trommeln«. Der Vorschlag, jedem der Gedichte ein Sinnesorgan zuzuordnen, wird akzeptiert: visuelle Eindrücke für »Drachen«, akustische für »Fröhlicher Regen«; entsprechend die methodische Bearbeitung: die zentralen Bilder, Strophe für Strophe, malen , im nächsten Schritt von den konkreten Bildern zu den Bildvorstellungen/Metaphern und Vergleichen: »Geistertänze« , »schwere/prallföustige Bauerngärten« , »das goldhufige Roß« . Anschließend die wiederholte laute Lektüre/Vortrag, nun wird das zweite entscheidende Element »entdeckt«: die Laute/Lautstruktur des Gedichts: das »u« , »a« und »e«, dazu die Assonanzen und Alliterationen . Abschließend die Frage nach der Art, dem Typus dieses Herbstgedichtes : humorvoll-launig, kindgemäß, lebendiganschaulich. Dieses Gedicht sollte auswendig gelernt werden, da es geradezu zum gelungenen Vortrag anreizt.
      Mit dem Wort vom »Regenunmut« leiten wir über zu »Fröhlicher Regen«. Die Schüler sind jetzt in der Lage, die Verfahrensweise selbst vom Text her zu bestimmen: erarbeiten vom Vortrag her, Lautmalerei, Lautstruktur von dort zu den Bildern und bildlichen Wendungen, besonders den schönen sprachlichen »Augenblicksbildungen« »Regenriese«, »Blauhimmelhasser«, »Silbertropfenprasser«, abschließend Gedichtvergleich.
      Schrittfolge:
1. gestaltendes, rhythmisches Sprechen/Vortragen des Gedichts; Lautstruktur ;
2. Aufbau des Gedichts : Str. 1 , Strophe 2 , Strophe 3 ; Strophen- und Satzform; Reimwörter nennen und auf den Titel/das Thema des Gedichts beziehen;
3. Betrachtung des Schlußbildes, der »Regenriese«: Vergleiche und Bilder nennen ;
4. Produktive Leseweise: Umformen, weiterdichten, ausgestalten, beginnend auf der nominalen Ebene.

      Beispiele:
»Regentonne« — »Regenfaß«

»Regenriese« — »Wasserspeier«/»Rasensprenger«
»Blauhimmelhasser« — »Sonnenmeider«

»Silbertropfenprasser« — »Pfützenplan seh«u. ä.;
5. Lektüre im Vergleich: Elisabeth Borchers, eia wasser regnet schlaf/ Wiederholung BS

   Hans Georg Lenzen, Regen
Vera Ferra-Mikura, Regenschirme auch: Schlager »Regentropfen, die an mein Fenster klopfen«.
     
Eine stärker am Text orientierte Interpretation könnte neben den Nomen auch die verbalen Elemente, die die lebendige Macht des Regens anzeigen und bildlich umschreiben, herausheben: »tropfen / klopfen / springen / singen / laufen / schießen / überfließen / stürzen / naß bezopft / niesend fassen / lustvoll schnaubend«. Die Bedeutung des Titels, eventuell die Opposition zwischen Adjektiv und Nomen ausnutzend, ergibt sich erst mit Blick auf die »Gesamttönung« des Gedichts bzw. den sprachlichen Wiederaufnahmen, Wiederholungen und bildhaften Ersetzungen des Titelnomens »Regen«. Nähere literarhistorische Angaben zu Britting erscheinen nicht erforderlich; es genügt, wenn man ihn als modernen Lyriker/Autor anspricht und nach dem Lebensraum fragt, aus dem er seine poetische Anschauung bezieht. »Raubritter« — Unschwer das »anspruchsvollste« der drei Gedichte, das bereits eine gewisse Erfahrung mit lyrischen Texten voraussetzt, andererseits aber noch so anschaulich-konkret-naturhaft verbleibt, daß es in den Anfangsklassen ohne größere Probleme behandelt werden kann. Werden in den beiden anderen Gedichten, die beinahe Kinderlieder sind, vor allem das Gehör und die Augen, die Vorstellungswelt der Kinder angesprochen, so ist hier bereits die Fähigkeit des Umsetzens in die Bildsphäre angesprochen, auch wird ein gewisses Vorwissen aus der Biologie, Naturkunde und Geschichte vorausgesetzt.
      Diesmal sollte der Lehrer mit dem gezielten Vortrag einsetzen, die Schüler können still mitlesen. Nach der Frage, wie das Gedicht im Vergleich zu den beiden anderen auf die Schüler gewirkt hat, bietet sich der Einstieg über den metaphorischen Titel an . Im weiteren textnahen Gespräch können die Schüler sowohl ihre naturkundlichen Kenntnisse über den Hecht einbringen wie am Text ihre Fähigkeit und Fertigkeit des Zitierens und Belegens . Daran schließt sich die nähere Untersuchung der Struktur des Gedichts, beginnend mit der Frage nach der Achse b/w. dem Umschlagspunkt , dann der Bedeutung und Funktion der beiden Schlußzeilene, des Schlußbildes . Den Gehalt-Gestalt-Zusammenhang erschließt dann die Entdeckung der syntaktisch-grammatischen Phänomene Ruhe-Bewegung: »schaukelt«. Die Bedeutung dieses Kunstmittels der »Ausspartechnik« ergibt sich so ohne weitere Erklärung.
     

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Fröhlicher  Regen  -  Georg  Britting    





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