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Gedichte aus sieben jahrhunderten interpretationen

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Er ist's - Eduard Mörike



Frühling läßt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte; Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land. 5 Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen. - Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!
Nachdem der Text laut gelesen und den Schülern erste Gelegenheit zu spontanen Ã"ußerungen gegeben worden ist, sollte sich das anschließende Unterrichtsgespräch an der Leitfrage »Wie äußert sich der nahende Frühling im Gedicht?« orientieren. Entsprechende Ergebnisse, die erfahrungsgemäß ohne zusätzliche Hilfsfragen erarbeitet werden können, werden dann ohne weitere Kommentierung durch den Lehrer an der Tafel graphisch so festgehalten, daß die Schüler in einem weiteren Schritt Prägnanz und Sinndichte des Textes relativ selbständig erkennen können:blaues Band flattert
Düfte streifen Land Harfenton von fern Frühling

Veilchen träumen
Ãober eine Interpretation dieses Tafelbildes, unterstützt durch Hilfsfragen wie etwa »Wo macht sich der Frühling bemerkbar?« und »Wie kann der Frühling wahrgenommen werden?« können die Schüler dann ohne explizite Unterweisung durch den Lehrer das im Gedicht bereitgestellte komprimierte Sinnpotential aktualisieren und die im Text gestaltete Allgegenwärtigkeit des Frühlings erkennen, nämlich dessen räumliche Allgegenwärtigkeit und dessen umfassende sinnliche Wahrnehmbarkeit .
      Für eine systematische Erarbeitung von Regeln zum Verständnis anschaulicher Lyrik kann man also Schüler durch die Demonstration lyrischer Sinndichte motivieren, wie am Beispiel des Frühlingsgedichts gezeigt. Die Entscheidung für diese Vorgehensweise basierte auf folgenden Prämissen: Da anschauliche Lyrik aufgrund ihrer unmittelbaren Verständlichkeit ein Verstehen auch im Sinne alltagssprachlicher Kommunikationsgewohnheiten zuläßt, empfiehlt es sich, Schülern die zusätzlichen Sinndimensionen bewußt zu machen, die ein Gedicht dann entfaltet, wenn es anders als eine alltägliche Mitteilung gelesen wird, oder, anders ausgedrückt, Schüler zunächst gewissermaßen mit dem Ergebnis lyrischen Verstehens zu konfrontieren, um dann ausgehend von den intensivierten Leseerfahrungen nach deren Ursachen zu fragen. Initiieren lassen sich solche Leseerfahrungen, so wurde an Mörikes »Er ist's« gezeigt, durch Leitfragen, die die Aufmerksamkeit der Schüler auf die Textimmanenz selbst lenken, also auf die Einzelwörter und deren besondere Funktion innerhalb des vorliegenden sprachlichen Strukturzusammenhanges.
     

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Er  ist's  -  Eduard  Mörike    





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