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Gedichte aus sieben jahrhunderten interpretationen

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Columbus - Georg Heym



12. Oktober 1

   Nicht mehr die Salzluft, nicht die öden Meere, Drauf Winde stürmen hin mit schwarzem Schall. Nicht mehr der großen Horizonte Leere, Draus langsam kroch des runden Mondes Ball.
      Schon fliegen große Vögel auf den Wassern

Mit wunderbarem Fittich blau beschwingt. Und weiße Riesenschwäne mit dem blassern Gefieder sanft, das süß wie Harfen klingt.
      Schon tauchen andre Sterne auf in Chören, Die stumm wie Fische an dem Himmel ziehn. 10 Die müden Schiffer schlafen, die betören Die Winde, schwer von brennendem Jasmin.
      Am Bugspriet vorne träumt der Genueser

In Nacht hinaus, wo ihm zu Füßen blähn
Im grünen Wasser Blumen, dünn wie Gläser,

   Und tief im Grund die weißen Orchideen.
      Im Nachtgewölke spiegeln große Städte, Fern, weit, in goldnen Himmeln wolkenlos, Und wie ein Traum versunkner Abendröte Die goldnen Tempeldächer Mexikos.

   Das Wolkenspiel versinkt im Meer. Doch ferne Zittert ein Licht im Wasser weiß empor. Ein kleines Feuer, zart gleich einem Sterne. Dort schlummert noch in Frieden Salvador.
      Hinweise zur methodischen Behandlung
1. Um sich eine Hinfuhrung zu ersparen, könnte man Heyms Gedicht nach der Besprechung relevanter Columbus-Briefe behandeln.
      2. Nach dem Vortrag und freien Äußerungen der Schüler behutsames Hinführen zu den beiden wesentlichen Aussagen:

A) Das bestandene »Abenteuer«
— Die niederdrückende Öde des weiten Meeres .

     
— Die hoffnungsfroh stimmenden Anzeichen des nahen Landes .
      — Die genauen Beziehungen .
      B) Das zukünftig zu Erwartende
Die Vision des Columbus: das die Zukunft bestimmende, noch ferne Aufkommen der großen Städte einerseits und die untergehenden goldenen Tempeldächer Mexikos andererseits; vgl. dazu die Verfluchung der Städte, die Heym in vielen seiner Gedichte ausspricht; vgl. auch das »noch« in Vers VI, 4, der Friede wird Salvador nicht lange erhalten bleiben. 3. Betrachtung der Form:
— Der Versuch, durch einfach aneinandergereihte Bilder nicht nur Erscheinungen, sondern auch Deutungen zu geben;
— die einfache Syntax, die manchmal dem natürlichen Sprechton nahekommt ;
— die gewalttätige Monotonie in der Metrik und im Strophenbau .
     

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