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Gedichte aus sieben jahrhunderten interpretationen

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Bewaffneter Friede - Wilhelm Busch



Ganz unverhofft, an einem Hügel, Sind sich begegnet Fuchs und Igel.
      Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht! Kennst du des Königs Ordre nicht? 5 Ist nicht der Friede längst verkündigt, Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, Der immer noch gerüstet geht? Im Namen seiner Majestät Geh her und übergib dein Fell.

      10 Der Igel sprach: Nur nicht so schnell. Laß dir erst deine Zähne brechen, Dann wollen wir uns weiter sprechen!
Und allsogleich macht er sich rund, Schließt seinen dichten Stachelbund 15 Und trotzt getrost der ganzen Welt, Bewaffnet, doch als Friedensheld.
      Das Fabelgedicht entstammt dem bekannten Band »Zu guter Letzt« von 1904; eine andre und nicht minder makaber-problematische Wendung erhält das Zusammentreffen von Fuchs und Igel in der Bildgeschichte »Der unverschämte Igel« . Aus dem Vergleich beider Texte/Bildgeschichten wird auch die Pointe unserer Fabel deutlicher.

      Vorschläge zur Behandlung:
1. Schritt/methodische Inszenierung: Umschreiben des Gedichts in eine Prosa-Fabel, um die Komposition rascher zu erfassen; Vorlesen und Besprechen, stilistische Varianten diskutieren.
      2. Schritt/methodische Inszenierung: Sinngemäßes Lesen: es soll der Unterschied der Sprech- und Redeform deutlich herausgehört werden:
A) der berichtende Erzählstil
B) Befehlston des Fuchses in zwei sprachlichen Formen: direkter Befehl/Ausruf; rhetorische Frage/Appell ; bereits hier zeigt sich, daß es sich nicht — wie die Schüler gerne einwenden — um einen Dialog handelt, sondern eine Kampfansage, einen Wettkampf mit Worten: wichtig die Berufung des Fuchses auf eine höhere Instanz/Autorität und die Wiederaufnahme des Leitbegriffs »Friede«; etwas schwerer ist die Verwendung des Verbs »sündigen« zu erklären: Der Verstoß gegen die Ordre wird als ein Verstoß gegen eine »höhere Ordnung«, ein sittliches Vergehen bezeichnet.
     
Gegenrede des Igels ; er bedient sich zwar auch der appellierenden Befehlsrede, doch erscheint sie — nicht nur aufgrund der lakonischen Kürze — verminderter, zugleich selbstbewußter . 3. Schritt/methodische Inszenierung: Textdiskussion, ausgehend vom Titel , Betrachtung der Quintessenz und Pointe; Hilfsfrage/Impuls: Wohin führt eine solche Haltung bzw. wohin hat sie uns geführt? Soll eine Seite abrüsten? Läßt sich heute / in der modernen Zeit noch ein Unterschied zwischen sog. Verteidigungs- und sog. Angriffswaffen machen? Wie wertet ihr in diesem Zusammenhang die Formulierung: »Und trotzt getrost der ganzen Welt«?

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Bewaffneter  Friede  -  Wilhelm  Busch    





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