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Historischer Horizont
Unter den Formen der kurzen Prosa erfreut sich die Fabel im Zeitalter der Aufklärung besonderer Beliebtheit. Nahezu sämtliche Autoren der Epoche treten mit eigenen oder aus überlieferten Vorlagen erarbeiteten Mustern der Gattung hervor. Bodmer, Breitinger, Triller, Gleim, Geliert, Lessing und Hagedorn publizieren umfangreiche Sammlungen, die das zeitgenössische Interesse an der Fabel anschaulich demonstrieren; »daß so viele andere ihr Talent dahin wendeten«, urteilt Goethe in Dichtung und Wahrheit, »spricht für das Zutrauen, welches sich diese Gattung erworben hatte.« Das formprägende Modell des Genres bilden die kurzgefaßten, teils in Prosa, teils versifiziert überlieferten Fabeln von Äsop und Phädrus . Im Jahr 1718 hatte der Engländer John Hudson eine Neuedition der aus dem Ende des 13. Jahrhundert stammenden, von Maximos Planudes besorgten Sammlung der äsopischen Fabeln vorgelegt, deren Bestand jedoch, wie die kritische Philologie später feststellen konnte, als ungesichert gelten mußte, weil es sich um Abschriften und Exzerpte, nicht aber in originalem Wortlaut tradierte Texte handelte. 1741 legte der Geraer Gymnasialdirektor Johann Gottfried Hauptmann eine wiederum bearbeitete Fassung der Fabeln Äsops vor und machte sie auf diese Weise auch einem breiteren deutschen Publikum zugänglich.
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