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EuropÄische lyrik im zwanzigsten jahrhundert

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Vereinsamung und Angst



Musil hat in einem Nachlaßtext den Dichter definiert . Der Gedanke ist schon in der Romantik da, hat sie aber überlebt und ist ein moderner Gedanke geblieben, wie auch der andere von den verfemten Dichtern>. Seine grimassierende Gestalt erhielt er in der Prosaerzählung he poete assassine von Apollinaire; die allegorisch-absurde Handlung mündet in den Mord, den alle Länder an allen Dichtern begehen; dem umgebrachten Helden setzt ein Bildhauer . Von den Spätdichtungen Trakls konnte man zutreffend sagen, daß hier der einzelne nur noch im Verhältnis zu sich selber steht. Saint-John Perse betitelt ein umfangreiches Gedicht Exil , nennt darin seine ins Fremde hinausrufende Sprache . Es hat sich einigermaßen herumgesprochen, daß wir in einem leben. Der Engländer W. H. Auden hat ein Gedicht mit diesen Worten überschrieben . Bei den allseitigen Proklamationen der Angst ist viel modisches Gerede im Spiel. Angst bildet einen obligatorischen Bestand Jünglingspoesie, wie es früher der Mond und die Sehnsucht waren. Die besten und männlichsten Texte aber zeigen die Echtheit dieser Grunderfahrung.

      Goethe schrieb ein Gedicht . Es spricht vom lähmenden Bann des Fürchterlichen, der ungeheueren, reglosen Weite. Aber ein zweites Gedicht gehört dazu, : das Fürchterliche zieht ab, das ängstliche Band> löst sich, der Schiffer faßt Mut, und schon taucht in der Ferne das rettende Land auf. Solches Dichten duldete das Fürchterliche und die Angst nur als Ãobergang zu Helle und Hoffnung. Man wird in der modernen Lyrik kaum einen Text finden, der, wenn er in der Angst beginnt, sich ihr entwindet. Eine gewisse motivische Ã"hnlichkeit mit Goethe hat ein kurzes Gedicht von Ramon Jimenez, Mares: Fahrt auf einer Barke, die Barke stößt auf etwas - aber nichts folgt, nur Stille und Wellen sind da und ein , für das aber kein Wort zur Verfügung steht. Der Weg verläuft umgekehrt wie bei Goethe, von der Hoffnung in die Lähmung. Garcia Lorca hat auf das vorhin erwähnte Gedicht über den Schrei ein anderes folgen lassen, El silencio . Aber es löst die Unheimlichkeit jenes menschenlosen Schreis nicht auf, sondern erzeugt eine neue, diesmal des Schweigens, durch das
. Oftmals macht er das Schweigen zur lautlosen Anwesenheit der Angst. So in der Elegia del silencio, wo es genannt wird , denn es trägt mit sich. Dann wieder dichtet er von einer Art Ãoberangst. Unter seinen späteren Gedichten findet sich Panorama ciego de Nueva York, in freien Rhythmen und mit Inhalten, die nur wenig mit dem Titel zu tun haben. Wo ist der große, der absolute Schmerz? Nicht in den Riesenstädten mit ihrem Blut und Elend, nicht auf der , auch in der Stimme gibt es keinen Schmerz, sondern nur Zähne gibt es,

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