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EuropÄische lyrik im zwanzigsten jahrhundert

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T. S. Eliot



In der Poetik Mallarmes, zuletzt auch Valerys war der Begriff des Fragments von großer Bedeutung geworden. Er meint die höchstmögliche künstlerische Vergegenwärtigung des Unsichtbaren im Sichtbaren, die, eben durch ihren fragmentarischen Charakter, die Ãoberlegenheit des Unsichtbaren und die Unzulänglichkeit des Sichtbaren anzeigt. Der Fragmentarismus ist ein Merkmal der modernen Lyrik geblieben. Insbesondere zeigt er sich in einem Verfahren, das der realen Welt Bruchstücke entnimmt, sie in sich selbst wohl vielfältig durcharbeitet, aber doch dafür sorgt, daß ihre Bruchflächen nicht aufeinander passen. In solchen Dichtungen erscheint die reale Welt durchzogen von einem wirren Geäder schwerer Risse - und ist nicht mehr real.
      Das führt uns zu T. S. Eliot. Die Deutungen, die sein lyrisches Werk durch die Kritik erfahren hat, gehen bis zur Unvereinbarkeit auseinander. Nur in einer Hinsicht herrscht Ãobereinstimmung: daß dieses von Absonderlichkeiten erfüllte Werk eine Bannkraft ausübt dank seines . Es ist ein unvergeßlicher, obwohl keineswegs harmonischer Mischklang aus vielen Tönen. Die Sprache durchläuft, immer unberechenbar, die verschiedensten Moduln tionen: trockener Bericht, Schwermut, Betrachtung, flötenartige Melodie, zuweilen auch Pathos und dann wieder Ironie, Sarkasmus, lässiger Konversationston. Diese Polyphonie bindet jedes seiner langen Gedichte mehr, als die geistige oder seelische Situation das tut, die ihnen zugrunde liegt - so tief zugrunde liegt, daß noch niemand hat sagen können, worin sie eigentlich besteht. Wohl lassen sich einzelne Themen erkennen, wie etwa: Verwaisung des Menschen in der Wüste der Großstadt,

Vergänglichkeit, Reflexionen über die Rolle der Zeit, über das Fremdwerden der Welt. Aber solche Themen wehen mehr durch die Dichtungen hindurch, als daß sie sie tragen. Tragend ist das, was Eliot selbst die künstlerische Emotion nennt und als etwas durchaus Unpersönliches verstanden wissen will. Sie spannt sich ins Hohe und Niedere, , wie zwei Verse in Ash-Wednesday sagen. Die Emotion drängt in die gegenständliche Entsprechunge d. h. in Bilder, menschliche und dingliche Vorgänge. Aber welche Bilder und Vorgänge? Eliot bemerkt einmal, die Wesenszüge der Gegenwart seien Unbeständigkeit und extreme Gegensätzlichkeit. Eben diese sind aber auch die Wesenszüge seiner dichterischen Technik. Zugestandenermaßen paßt sie sich der modernen Zivilisation an, die mit ihren Kompliziertheiten, Widersprüchen und nervösen Empfindungen eine Dichtung verlangt, die umfassend ist, aber nur andeutend und indirekt spricht und daher notwendigerweise schwierigwird.
      Am Anfang von The Waste Land steht der Vers:

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