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EuropÄische lyrik im zwanzigsten jahrhundert

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Paul Valery



Ãober das Verhältnis der Dichtung zur Eigenmacht der Sprache hat am gründlichsten wohl Valery nachgedacht, in klärender Fortführung von Ideen Mallarmes. Dichten, so lautet einer seiner oft geäußerten Gedanken, heißt, in die Urschichten der Sprache dringen, wo sie einst Zauber- und Bannformeln hergab und immer wieder hergeben kann. Dichten heißt weiterhin, die Kombinationen zwischen wechselnden Bedeutungszonen und ebenso wechselnden Klangwirkungen so lange versuchen, bis die eine Kombination geglückt ist, die die Notwendigkeit einer mathematischen Formel hat. Valery weiß, daß der Leidtragende solchen Dichtens der ist. Von jedem Gedicht gilt, daß es hat, nämlich keinen, der allein es ausschöpfen könnte. Valerys eigene Lyrik verhält sich so, daß sie mehrere Deutungen erlaubt. Ein Gedicht wie Les Pas scheint eine zarte Liebesszene zu meinen; ausschließlich als solche wirkt es in der Ãobersetzung Rilkes. Doch spricht es in Wendungen, die anderes durchschimmern lassen, nämlich eine geistige Szene des Dichtens selber, für welches das Erwarten der Muse segensreicher ist als ihre Ankunft. Beide Deutungen sind da, keine von ihnen darf isoliert werden, weil das Gedicht sonst um das Zwielicht gebracht wäre, in das es kunstvoll eingetaucht wurde.
      Dem Denken Valerys liegt ein entschiedener Erkenntnisnihilismus zugrunde. Das kann hier nur gestreift werden. Weil keine Erkenntnis möglich ist, erhält die dichterische Sprache volle Freiheit, ihre Schöpfungen in das Nichts zu projizieren. Valery nennt solche Schöpfungen und definiert: Das Wort aber

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