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EuropÄische lyrik im zwanzigsten jahrhundert

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Jorge Guillen



Von hier aus führt eine Brücke zu dem Spanier Jorge Guillen. Seine Poesie steht im Strahlbereich Mallarmes und Valerys. Letzteren hat er übersetzt, auch persönlich verkehrte er mit ihm. In seinen früheren Jahren bekannte er sich ausdrücklich zur poesie pure [, wie er hinzufügte; 330, S. 328); später distanzierte er sich von ihr {395, S. 244). Aber diese beiden Haltungen bedeuten weder Widersprüche noch Entwicklung; sie zeigen lediglich die schwankenden Grenzen jenes Begriffs. Unter den Lebenden ist er der reifste und konsequenteste Dichter intellektueller Lyrik. Die meisten seiner Gedichte sind Glieder eines einheitlichen Werks, des 1


  
   erstmals erschienenen, seither mehrfach erweiterten, 1950 in endgültiger Fassung vorgelegten Cäntico . Es hat eine architektonische Gesamtanlage wie Baudelaires Fleurs du Mal, mit einer zahlenkompositorischen Ordnung von beinahe DANTEScher Strenge. Guillens Dichtung ist, in ihrem weitesten Umfang, lyrische Onto-logie und ontologisch begründete Poetik. Sie schwebt zwischen den einfachsten Erscheinungen und den härtesten Abstraktionen. Ihre Dunkelheit, für deren Begründung sie selber sorgt , macht sie zum Schwierigsten, was man in zeitgenössischer Lyrik lesen kann. Kein persönliches Ich spricht aus ihr. Ihr Subjekt sind die ; das erinnert an Mallarmes «absoluten Blick>. Die geistigen Augen lösen sich vom Lebensstoff, um Spiegel der Weltfülle und des durch die Weltfülle hindurchscheinenden reinen Seins-gefüges zu werden. Ein ruhiger, doch menschenfremder Jubel durchzieht das Werk. Es ist der intellektuelle Jubel einer Schaukraft, die in den Dingen die Stille ihrer Urformen wahrnimmt und die sich mächtig weiß, allem Seienden das bleibende geistige Sein im Wort zu geben.
Man hat Guillen den genannt und damit sein Verhältnis zum transzendenten Sein kennzeichnen wollen. Doch ist seine Lyrik weniger Aussage über das Sein selber -das würde sie als Lyrik unmöglich machen. Vielmehr ist sie Bewegung: Bewegung zum Sein hin, Bewegung aus dem Verworrenen in die Helle, aus der Unruhe in die Ruhe. Licht, als die makellose Erscheinung des Seins, ist ihr Gipfelwert; die lichthaltigsten Gedichte sind auch die formal genauesten. , heißt ein Vers. Aber das eigentliche Ereignis dieser Dichtung ist die Lichtwerdung, die

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