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EuropÄische lyrik im zwanzigsten jahrhundert

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Diktatorische Phantasie



nennt Hofmannsthal diese Dichter. Das führt uns erneut zu einem Begriff, den wir anläßlich Rimbauds gebrauchten: diktatorische Phantasie. Denn auch im Dichten des 20. Jahrhunderts ist sie der Ursprung all solcher Veränderungen und Zerstörungen der realen Welt. Sie ist es so sehr, daß ihre Erzeugnisse nur heuristisch, nicht aber im abschließenden Erkennen an der Wirklichkeit und an der menschlichen Normallage gemessen werden dürfen. Wohl hat die Lyrik schon immer den Unterschied zwischen und verwischt, hat ihre Stoffe der Macht des dichten-den Geistes unterworfen. Modern aber ist, daß die aus kreativer Phantasie und eigenmächtiger Sprache entsprungene Welt Feindin der realen Welt ist. Jener BAUDELAiRESche Satz, wonach die Phantasie mit dem Zerlegen und Deformieren beginnt und mit der Neufügung kraft eigener Gesetze fortfährt, bestätigt sich nicht nur in der dichterischen Praxis des 20. Jahrhunderts, sondern auch in den Aussagen der Dichter selbst - und der bildenden Künstler. Auffallend, daß dabei stets aggressive oder negative Wendungen laut werden. Garcia Lorca dichtet über Jimenez: Ortega y Gasset bemerkt: . Diego nennt die Poesie Erschaffung dessen, was wir nie sehen werden. Proust schreibt: . Picasso nennt das Malen ein Blin-denhandiverk und meint damit die Freiheit der Kunst von jeder gegenständlichen Rücksicht. Die seit dem endenden 18. Jahrhundert angebahnte Macht der Phantasie ist im 20. Jahrhundert nahezu endgültig geworden. Auch die Lyrik wurde zur Sprache einer fast ausschließlich von der Phantasie erschaffenen, die Wirklichkeit überspringenden oder vernichtenden Welt.

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