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EuropÄische lyrik im zwanzigsten jahrhundert

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Alogische Dichtung



Ã"ußerster Gegenpol zu dieser Dichtung aus dem Erbe Mallarmes ist die Dichtung des Alogischen, der somnambulen, halluzinatorischen Inhalte, die aus dem Halbbewußten und Unbewußten stammen -oder stammen wollen. Sie beruft sich gerne auf Rimbaud und Lau-treamont, aber auch auf den Okkultismus, die Alchimie und die Kabbala. Alogische Dichtung will Traumdichtung sein. Traum bedeutet hierbei nun im psychologischen Sinne den Schlaftraum oder den künstlich hervorgerufenen Wachtraum. Dies zum Unterschied vom poetischen Traum, der, insbesondere nach modernem romanischem Sprachgebrauch, die kreative Phantasie bezeichnet. Die Grenze zwischen beiden Traumvermögen ist fließend, vor allem in deren künstlerischem Niederschlag. Es ist die Grenze zwischen einem psychologischen und einem ästhetischen Prinzip. Doch treffen sich beide Prinzipien in der Rechtfertigung der wirklich-keitsentbundenen Subjektivität und in der Erklärung, daß der Mensch kraft seiner Traumvermögen der Herr der Welt ist.

      Alogisches Dichten macht sich, wie das intellektuelle, die irreale Bildphantasie zunutze. Jedoch ist es diejenige, die ihre Inhalte passiv aus den Tiefenschichten des Schlaf- oder Wachtraums empfängt, ohne sie zu ordnen. Gegen den Menschen gerichtet, sofern er cerebrales Untier> ist , setzt sie ihn mit der Macht gleich, die in seinen vorpersönlichen, anonymen Untergründen waltet. Er wird nicht entmächtigt. Seine Macht wird nur anders begründet. Bezeichnend, daß ein Theoretiker alogischer Dichtung rühmend von der spricht . Das Gewicht der Formel liegt auf ; daß hier aber das Walten und Waltenlassen der alogischen Tiefenschichten sein will, macht die Diktatur um so gewalttätiger. Man sah das schon bei Rimbaud. Inzwischen hatten die Lehren von Freud und C. G. Jung eingewirkt. Letzterer deutet Dichtung aus dem Impuls dunkler , für die der Dichter nur Medium ist, das die Materialien des kollektiven Unbewußten durch sich hindurchströmen läßt; Gestaltung ist Nebensache. Das hat seine Folge bei den Surrealisten gehabt.
      Deren unmittelbarer Vorläufer ist Apollinaire. Von ihm stammt auch der Name . 1908 schrieb er eine Prosadichtung Onirocritique. Der Titel versachlicht den Begriff des Traums zu einem wissenschaftlichen Fachausdruck, vermutlich in Anlehnung an das aus der Spätantike erhal-tene Traumbuch des Artemidoros . Einige Stellen des Textes seien nachgesprochen; gemäß seinem Charakter kann ihre Auswahl ebenso beliebig sein wie das, was wir weglassen.

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