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EUROPÄISCHE LYRIK IM ZWANZIGSTEN JAHRHUNDERT
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EUROPÄISCHE LYRIK IM ZWANZIGSTEN JAHRHUNDERT



Bemerkungen zur Methode
In Frankreich kam der lyrische Typus, der bis heute das zwanzigste J
ahrhundert beherrscht, in der zweiten Hälfte des neunzehnten zur Welt. Dieser Typus war vorgezeichnet seit Baudelaire, nachdem er vorgeahnt war seit dem Deutschen Novalis und dem Amerikaner Poe. Rimbaud und Mallarme hatten die äußer
Spanische Lyrik des 20. Jahrhunderts
Im folgenden werden wir häufig von spanischen Dichtungen zu sprechen haben. Das bedarf einer Rechtfertigung. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts blüht in Spanien im Gefolge des aus Nicaragua stammenden Rüben Dari'o eine Lyrik von solcher Fülle, Qualität und Originalität, daß die einheimischen Kritiker
Fest des Intellekts und Zusammenbruch des Intellekts
Gewiß wird man sich vor Vereinfachungen hüten müssen. Doch zeichnen sich im Gesamtbild zwei Richtungen ab und erlauben eine erste Orientierung. Es sind dieselben, die im vergangenen Jahrhundert von Rimbaud und Mallarme eingeschlagen worden waren. Grob bezeichnet, handelt es sich bei der einen um for
Zwei Reflexionen über die Lyrik: Apollinaire und Garcia Lorca
Seit Poe und Baudelaire entwickeln die Lyriker eine ihrem Werk ebenbürtige dichtungstheoretische Reflexion. Das geschieht nicht aus didaktischen Gründen. Vielmehr entspringt dies der modernen Überzeugung, daß das poetische Tun ein Abenteuer des operierenden und dabei sich selber zusehenden Geistes i
Der inkongruente Stil und die
Die Deutung eines modernen Gedichts sieht sich genötigt, sehr viel länger bei seiner Aussagetechnik zu verweilen als bei seinen Inhalten, Motiven, Themen. Das ist eine begreifliche Folge seiner Anlage. Goethe konnte dem Publikum die Gedichte eines Hebel und anderer durch Inhaltsberichte vermitteln.
Weiteres zur Neuen Sprache
Einige Eigentümlichkeiten jener müssen besprochen werden. Wir sind uns dabei der Richtigkeit einer Bemerkung bewußt, die R. Caillois zu Beginn seines Buches über Saint-John Perse schrieb (263): Die sowohl syntaktische wie auch semantische Schwierigkeit, die das moderne Gedicht bietet, scheint nach
Die Unbestimmtheitsfunktion der Determinanten
Hier mag eine in der modernen Lyrik sehr häufige stilistische Erscheinung erwähnt werden, die mit dem Grundzug der Verfremdung des Vertrauten zusammenhängt. Wir nennen sie die Unbestimmtheitsfunktion der Determinanten und meinen damit folgendes: Ein Gedicht von Benn, , endet mit dem Vers: . Normales
Apollon statt Dionysos
Moderne Lyrik ist eine kühle Angelegenheit geworden. Auch die Reflexion darüber wurde kühl. Man beurteilt sie mit technischer Kennerschaft. Dabei ist das durchaus mit dem Bewußtsein verbunden, daß Lyrik ein Geheimnis ist, ein dem kaum Sagbaren abgewonnener Grenzstreifen, ein Wunder und eine Gewalt.
Zwiefaches Verhältnis zur Modernität und zum literarischen Erbe
Seit Baudelaire hat die Lyrik sich der technisch-zivilisatorischen Modernität zugewandt. Es ist das Eigentümliche dieser Wendung geblieben, daß sie sowohl positiv als auch negativ verlaufen kann. Apollinaire verquickt die höchst reale Welt der Maschine mit den Traumbildern des Absurden. Die Maschine
Enthumanisierung
1925 erschien Ortega y Gassets Aufsatz über die Enthumanisierung der Kunst (La deshumanizaciön del arte). Der Titel ist zu einer seither oft gebrauchten Formel geworden. Er bildet ein Beispiel dafür, wie ein Beobachter moderner Kunst und Dichtung sich eines negativen Begriffs bedienen muß, ihn aber
Vereinsamung und Angst
Musil hat in einem Nachlaßtext den Dichter definiert . Der Gedanke ist schon in der Romantik da, hat sie aber überlebt und ist ein moderner Gedanke geblieben, wie auch der andere von den verfemten Dichtern>. Seine grimassierende Gestalt erhielt er in der Prosaerzählung he poete assassine (1916) von
Dunkelheit, , Ungaretti
Moderne Lyrik nötigt die Sprache zu der paradoxen Aufgabe, einen Sinn gleichzeitig auszusagen wie zu verbergen. Dunkelheit ist zum vorherrschenden ästhetischen Prinzip geworden. Sie ist es, die das Gedicht übermäßig absondert von der üblichen Mitteilungsfunktion der Sprache, um es in einer Schwebe z
Sprachmagie und Suggestion
Moderne Lyrik ist seit Rimbaud und Mallarme zunehmend Sprachmagie geworden. Was darunter zu verstehen ist, hatten wir in den früheren Kapiteln geschildert. In den Dichtungstheorien des 20. Jahrhunderts stellt sich auch immer wieder der Begriff der Suggestion ein, sobald die Frage der lyrischen Wirku
Paul Valery
Ãober das Verhältnis der Dichtung zur Eigenmacht der Sprache hat am gründlichsten wohl Valery nachgedacht, in klärender Fortführung von Ideen Mallarmes. Dichten, so lautet einer seiner oft geäußerten Gedanken, heißt, in die Urschichten der Sprache dringen, wo sie einst Zauber- und Bannformeln hergab
Jorge Guillen
Von hier aus führt eine Brücke zu dem Spanier Jorge Guillen. Seine Poesie steht im Strahlbereich Mallarmes und Valerys. Letzteren hat er übersetzt, auch persönlich verkehrte er mit ihm. In seinen früheren Jahren bekannte er sich ausdrücklich zur poesie pure [, wie er hinzufügte; 330, S. 328); später
Alogische Dichtung
Ã"ußerster Gegenpol zu dieser Dichtung aus dem Erbe Mallarmes ist die Dichtung des Alogischen, der somnambulen, halluzinatorischen Inhalte, die aus dem Halbbewußten und Unbewußten stammen -oder stammen wollen. Sie beruft sich gerne auf Rimbaud und Lau-treamont, aber auch auf den Okkultismus, die Alc
Garcia Lorca,
Hier darf Garcia Lorcas berühmte
Das Absurde; der
Moderne Traumdichtung neigt auch zum Absurden mit allen seinen Mißklängen. Schon Baudelaire hatte am Traum die Fähigkeit gerühmt, Absurdes zu erfinden, weil auch dieses ein Triumph der entbundenen Subjektivität sei. 1939 verlangte Eluard, wie einst Rimbaud, von der Dichtung
Realität
Noch einmal dürfen wir die Frage nach der Realität stellen, die wir bei Rimbaud gestellt hatten, und in der gleichen heuristischen Weise wie dort. Denn sie schärft den Blick für die Verfügungsgewalt, mit der Dichtung den Weltstoff verwandelt, zerstört oder ganz abweist. Für das dichterische und kün
T. S. Eliot
In der Poetik Mallarmes, zuletzt auch Valerys war der Begriff des Fragments von großer Bedeutung geworden. Er meint die höchstmögliche künstlerische Vergegenwärtigung des Unsichtbaren im Sichtbaren, die, eben durch ihren fragmentarischen Charakter, die Ãoberlegenheit des Unsichtbaren und die Unzulän
Saint-]ohn Verse
Wir hatten früher von der sinnlichen Irrealität Rimbauds gesprochen. Der Begriff scheint auch für die Dichtungen von Saint-John Perse tauglich. Sie sind inhaltlich kaum greifbar. Hymnen- oder psalmenähnliche Langverse überschütten den Leser wie kosmische Fluten; ihre Technik wie ihr Enthusiasmus eri
Diktatorische Phantasie
nennt Hofmannsthal diese Dichter. Das führt uns erneut zu einem Begriff, den wir anläßlich Rimbauds gebrauchten: diktatorische Phantasie. Denn auch im Dichten des 20. Jahrhunderts ist sie der Ursprung all solcher Veränderungen und Zerstörungen der realen Welt. Sie ist es so sehr, daß ihre Erzeugnis
Die Auswirkungen der diktatorischen Phantasie
Auch in der zeitgenössischen Lyrik, wie im Roman, zerfällt der Raum, verliert er seine Kohärenz und die normale Richtungsordnung seiner Dimensionen. Schiller hatte einst an einem Gedicht auszusetzen, daß es vom Saum der Berge und sofort danach von einer Talwiese spricht; nach realer Raumgliederung u
Einblendungstechnik und Metaphern
Bei Rimbaud war zum erstenmal ein Verfahren zu beobachten, das wir Einblendungstechnik nannten. Auch die Lyrik des 20. Jahrhunderts gebraucht es. In einem Spätgedicht von Rilke, , erklingen neben den auf die Tiere bezogenen - und schon sehr abstrahierenden - Worten ganz andere, wie: Ampelschein, Rau
Zusammenfassender Abschluß
Man sieht, wie sehr sich moderne Metaphorik zu allem fügt, was wir bisher beschrieben haben. Auch ihre Dissonanz. Mit diesem Begriff kehren wir zum Anfang unseres Buches zurück. Dort war ein Satz von Strawinsky über die Dissonanz zitiert worden. Schon 1914 forderten die Maler Marc und Kandinsky das

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