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Peter Bichsel Die Tochter



Methode: Die Behandlung der Erzählung kann im Wechsel von Plenums- und Gruppenarbeit erfolgen.
      1. Arbeitsphase: Zum Einstieg ist eine Plenumsdiskussion mit der Erörterung des ersten Absatzes geeignet, da hier schon für den Fortgang der Erzählung wesentliche inhaltliche Momente vorgegeben sind.
      2. Arbeitsphase: Die wichtigsten Aspekte, die sich evtl. als Fragestellungen aus der 1. Arbeitsphase ergeben haben, können an Hand von Leitfragen in Gruppenarbeit erarbeitet und an Textstellen konkretisiert werden.

      3. Arbeitsphase: Die Ergebnisse der Gruppenarbeit werden zusammengetragen, um in einer Plenumsdiskussion wesentliche Punkte noch einmal durchzusprechen.
      1. Erste Arbeitsphase
1. Welche Bedeutung hat der erste Satz der Erzählung im Hinblick auf die Informationen, die ihm zu entnehmen sind?
Zeit: abends Tätigkeit: warten Personen: sie, Monika Wer wartet?
Das Personalpronomen 'sie" fungiert als Stellvertreter für Personen, die der Leser noch nicht kennt, und kennzeichnet so einen offenen Beginn der Erzählung.
      2. Welche Informationen treten im weiteren Verlauf des ersten Absatzes hinzu?
A) Wann kann man vermuten, daß mit 'Monika" die Tochter und mit 'sie" die Eltern gemeint sind?

B) Wann wird die Vermutung bestätigt?
3. Welche Wirkung kann es haben, daß wesentliche Informationen nicht gleich im ersten Satz vermittelt, sondern zunächst vorenthalten werden?
A) Die Situation entfaltet sich zunehmend vom Allgemeinen als dem entscheidenden Ausgangspunkt zum Spezifischen. Das Allgemeine bleibt aber als Grundgegebenheit bestehen und weist über den individuellen Fall hinaus.
      B) Sprachlicher Aspekt:

Methode: Umformulierung des ersten Absatzes

Beispiel: Abends warteten die Eltern am gedeckten Tisch auf ihre Tochter Monika. Seitdem sie in der Stadt arbeitete, aßen sie erst um halb acht... Die Komplexität der Situation wird nicht mit hypotaktischen Satzgefügen ausgedrückt, sondern durch einfache Parataxen in ein zeitliches Nacheinander von Informationen aufgelöst.
      Sprachliche Wiederholungen, Wiederaufnahmen und Rückbeziehung von Sätzen, also zeitliches Fortschreiten, füllen den inhaltlich prägenden Zustand des Wartens aus. 4. Wie läßt sich die Situation im ersten Absatz charakterisieren?
A) Welche Anhaltspunkte gibt es für die Lebensweise der Eltern?
— Starrheit und Unbeweglichkeit ;

— geregelter Lebensrhythmus ;
— Familienstruktur mit festgelegten Rollen .

      B) Statik der Situation:
Die Beziehungen sind zu starren Konstellationen verfestigt und wie ineinem Stilleben eingefangen .
      Funktion: Der Zustand des Wartens ist Leerlauf. Das Leben orientiert sicheinzig am Ziel des Wartens; erst da gewinnen die noch leblosen Dinge ihre
Funktion.
      2. Zweite Arbeitsphase l. Aussagen über die Tochter
1. Was wird — unabhängig von den Vorstellungen der Eltern — über die Tochter ausgesagt?

2. Welche Vorstellungen haben die Eltern von ihrer Tochter?
Die Vorstellungen überschneiden sich mit denen vom Leben in der Stadt .
      A) Welche Attribute sind der Tochter zugeordnet?

Attribute des städtischen Lebens: moderne Konsumartikel .
      B) Verhaltensweise der Tochter:
Anpassung an stilisierte, gekünstelte städtische Verhaltensmuster. Betonte Lässigkeit spiegelt Weitläufigkeit und Souveränität vor.
      C) Klischeevorstellungen Beispiele: 'Sie war dann ein Fräulein, das in Tearooms lächelnd Zigaretten raucht." 'Wie sie den Gruß eines Herrn lächelnd erwidert."
Welche Bedeutung hat das Äußere ? Funktion: Entindividualisierung, Stilisierung der Person zum Typ.
      D) Vergleich der Tochter mit anderen Personen:
Vergleich mit der Schwester des Vaters : Ähnlichkeit . Vergleich mit anderen Mädchen: 'Andere Mädchen rauchen auch", 'sie wird auch heiraten".
      Vergleich mit dem Bürofräulein: Ähnlichkeit im Äußeren und im Berufsverhalten. Vergleich mit den Eltern selbst: 'Sie war größer"; 'Stenographieren kannsie auch__Für uns wäre das zu schwer."
Auf welchen Bereich erstrecken sich die Vergleiche? Ãœber das Wesen der Tochter wird nichts ausgesagt; eine persönliche Beziehung der Eltern zur Tochter wird kaum deutlich. Die Vorstellungen und Gedanken der Eltern berühren nur das Äußere, das, was die Tochter mit anderen gemeinsam hat, nicht aber das Individuell-Persönliche. Funktion der Vergleiche: Die Eltern kennen das wirkliche Leben der Tochter nicht. Aufschlüsse können sie für sich nur durch Analogien erlangen.
      //. Aussagen über die Eltern
1. Welche Rolle spielt für die Eltern die Vorstellung vom Leben ihrer Tochter?
2. Wie lassen sich die Eltern charakterisieren?

///. Beziehung zwischen den Eltern und der Tochter
1. Wie drückt sich die Beziehung in den Bezeichnungen der Personen aus? er — sie, seine Frau; Vater — Mutter — Tochter, Monika
Welche Bedeutung haben die zahlreichen Personalpronomen ?

2. Titel
Könnte der Titel auch anders lauten? Warum heißt er z. B. nicht 'Monika"? 'Die Tochter" bezeichnet allgemein ein Verhältnis, das sich auf funktionelle, fixierte Rollenbeziehungen, nicht auf persönliche, individuelle erstreckt.
      3. Wodurch ist die Kommunikation zwischen Eltern und Tochter gekennzeichnet? Die Kommunikation ist gestört; die Eltern wissen nichts über die tatsächliche Lebensweise ihrer Tochter, sie 'wissen" es nur aus ihren Vorstellungen, in die sie sich hineinsteigern.
      Beispiele: 'Sie wußte aber nichts zu sagen."
Warum reagiert die Tochter nicht auf die Fragen und Bitten der Eltern?
Will sie ihnen etwas verschweigen?

Will sie ihnen ihre Vorstellungen nicht zerstören?
Kann sie mit ihnen keine Kommunikationsbasis herstellen?

4. Aspekt der Entfremdung zwischen Eltern und Tochter
5. Wie beurteilen die Eltern Monika?

Bewunderung
Unverständnis

Stolz .
      6. Was bedeutet den Eltern die Tochter?
Was bedeutet für sie der Gedanke, die Tochter könnte in die Stadt ziehen?

I

V.

Motiv des Wartens

1. Welche Funktion hat die Wiederholung ?
Beispiel: 'Abends warteten sie"; 'und warteten auf Monika"; 'Jetzt wartetensie täglich"; 'sie warteten vor dem leeren Platz" usw.

     
Sie warten noch vor dem gedeckten Tisch :heißt das, Monika kommt doch nicht, die Eltern geben aber das Warten nichtauf?

Funktion: Betonung der Wichtigkeit des Vorgangs.
      2. Welchen Sinn hat die Stunde des Wartens?

Spannung ; Zustand der Erwartung.
      Womit ist die Wartezeit ausgefüllt?
Konversation: bruchstückhaft, nicht kontinuierlich, ohne eigenen Wert, nurzur Ãœberbrückung der Zeit.
      Der Augenblick selbst ist bedeutungslos. Alles ist auf das Ziel des Wartensorientiert, die Ankunft der Tochter. Wird es erreicht?
Warum warten die Eltern? Könnten sie in der einen Stunde nicht auch etwasanderes tun? Wie empfinden sie das Warten?
3. Welche Wirkung hat das Warten auf den Leser?
Warten als Element der Spannungssteigerung. Auch der Leser wartet, daß etwas geschieht. Er wartet auf den auflösenden Moment, das 'Erscheinen der Tochter. Doch dafür steht nur ein Indiz, der ankommende Zug; das Ende ist noch offen, der Zustand des Wartens ist noch nicht beendet.
      3. Dritte Arbeitsphase
1. Aufgreifen wichtiger Probleme aus der zweiten Arbeitsphase.
      2. Handelt es sich beim dargestellten Problem um einen Einzelfall? Gesellschaftskritischer Aspekt: Verkümmerung der menschlichen Beziehungen durch Herrschaft des Konsums .
      3. Können die Schüler einen Bezug zwischen sich und der Erzählung herstellen? Wo könnte man ihn ansetzen?

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