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Erzählungen der gegenwart

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Max von der Grün Das Stenogramm



l.
      Erster Arbeitsschritt: Plenum
1.2.

      1.3.
      1.4.

      Lernziele:
— Gliederungsabschnitte der Erzählung gegeneinander abgrenzen;
— erkennen, daß es weniger auf den Unfall selbst als auf seine Impulsfunktion für bestimmte Reaktionen und Verhaltensweisen der Vorbeifahrenden ankommt;

-— Indizien für den Realitätsbezug der Erzählung aufzeigen.
      1.1. Aufbau der Erzählung
Welchen Stellenwert hat der Unfall in der Erzählung?
Welche Aspekte der Erzählung sind deutlich realitäts-bezogen?
Könnte die Erzählung auch ein Gebrauchstext sein? Worin weicht sie von einem Gebrauchstext ab?
Ein einleitender und ein abschließender Absatz umrahmen zehn Abschnitte, die protokollartig durch Zeitangaben getrennt sind. Ausgangspunkt: Einleitung : Informationsvorgabe, Bezugspunkt der Handlung. Methode: Aspekte an der Tafel festhalten als Bezugspunkte für die weitere Textarbeit! Beispiele:
Sprache ; Glaubwürdigkeit;
Zeitgebundenheit des Ereignisses: genaue Lokalisierung und Datierung ;
Allgemeingültigkeit, jederzeit wiederholbar: Beispiel für ein bestimmtes Verhalten; Ãœbertragung auf andere Lebensbereiche .

2. Zweiter Arbeitsschritt: Textarbeit in Gruppen
Lernziele:
— das Verhalten der Vorüberfahrenden beschreiben und einschätzen können und gesellschaftskritisch deuten;
— kritisch distanzierte Leserhaltung als Funktion der Handlungsstruktur erkennen und realisieren.
      2.1. Verhalten der Personen
2.1.1. Welche Reaktionen treten auf?
Reagieren die Insassen eines Wagens jeweils in gleicher Weise? Was sagen die Reaktionen über das Verhältnis der Personen zueinander aus?
Angst, Schadenfreude, friedigung usw.

      Sensationslust, Be-
2.1.2.

      2.1.3.
      Wie ist ihr Verhalten kennzeichnen?zu

2.1.4.
      2.1.5.

      2.1.6.
      2.2. 2.2.1.
      Wie begründen die Personen ihr Verhalten?
Handelt es sich um stichhaltige und akzeptierbare Argumente?

Welche Sprachebene dominiert in der Erzählung?
Welche Funktion hat diese Sprache in der Erzählung?
Vergleich der Erzählung mit der biblischen Geschichte 'Der barmherzige Samariter". Worin liegen Gemeinsamkeiten?
Warum kommt in der Erzählung kein Samariter?
Unterlassene Hilfeleistung, Ambivalenz und Unsicherheit, Ablenkung, Verdrängung, Abwehrreaktionen, Konflikt usw. Bei jedem liegt in irgendeiner Weise ein 'Verschulden" vor, das nicht ans Licht kommen soll:abgefahrene Reifen, Trunkenheit, Autodiebstahl usw.
      Phrasen bzw. Ausreden, z. B.: 'Aber wir können doch nicht. . ."; 'wir haben einfach nichts gesehen"; 'nach uns kommen auch noch welche". Umgangssprache, Alltagssprache, z. B.: 'ihr blöden Gänse"; 'verdammt noch mal"; 'die sind doch auch nicht von Dummsdorf"; 'Mensch, bist du verrückt"; 'sind ja sowieso übern Jordan" usw.
      Unmittelbarkeit, Illusion der Realität, Ausdruck für die unbekümmerte Einstellung der Personen, die auch durch das Unglück nicht gestört wird.
      Strukturähnlichkeiten, gleicher Typus.
      Aspekt der Gesellschaftskritik: fehlende Verantwortung gegenüber anderen Menschen, fehlendes soziales Verhalten in einer konsumorientierten und entfremdeten Gesellschaft, die zugunsten individualistischen und egoistischen Handelns gemein-schaftsorientiertes Handeln vernachlässigt. Das Unglück anderer ist allenfalls unter dem Aspekt der Sensation, als Konsumobjekt Einbringen eigener Erfah- interessant, rangen der Schüler oder Beispiele für ähnliche Verhaltensweisen. Aufbau der Abschnitte Material zur Form der Nachricht:
Eine Nachricht ist eine nach bestimmten journalistischen Regeln gestaltete Mitteilung über einen bisher unbekannten Sachverhalt. Zu Nachrichten können Aussagen aller Art gehören, z. B. auch Äußerungen von Meinungen und Absichten. Daher haben auch die angeführten Äußerungen der vorbeifahrenden 'Zeugen" Nachrichtencharakter . Fragestellungen an eine Nachricht: Was? Wer? Wann? Wo? Wie? ,
Anwendung der Fragestellungen auf die einzelnen Abschnitte. Ist eine solche Präzision hier nötig? Was weicht von der gängigen Nachrichtenform ab? Welchen Bezug hat der Titel zur Erzählung?
Wie ist der Handlungsverlauf gestaltet? Welche Bedeutung hat das für die Leserhaltung?
Stereotyper Anfang: Zeitpunkt, Farbe des Wagens, Wagentyp, Personen, Ort usw.
      Wörtliche Rede, Alltagssprache, scheinbar unbedeutende Details usw. Worterklärung:
Stenogramm = Niederschrift in Kurzschrift Das Stenogramm bezeichnet den Stil der Erzählung , der die inhaltliche Intention besonders prägnant hervortreten läßt. Der Stenogrammstil entspricht der Nachrichtenform .
      Epischer Handlungsaufbau: Aufeinanderfolge der einzelnen Abschnitte ohne Entwicklung und Steigerung, inhaltliche Gleichwertigkeit und Austauschbarkeit in der Reihenfolge. An Stelle eines kontinuierlichen Handlungsverlaufs sukzessive Verdichtung durch das Prinzip der Aneinanderreihung. Kritische Distanz des Lesers zur Erzählung sowie zum Medium der Nachricht .
      3. Dritter Arbeitsschritt: Plenum

Lernziel:
— die Pointe im Schlußsatz durch Rekurs auf den vorangegangenen Teilder Erzählung und Vergleich mit ähnlichen realen Zeitungsmeldungenerfassen.
      3.1. Am Ende der Unfallnotiz erwartet man, wie bei entsprechenden realen Zeitungsmeldungen, eine Wendung wie: '. . . werden gebeten, sich auf dem Polizeirevier zu melden".
      In einem gedanklichen Absatz zur Zeitungsmeldung heißt es aber im letzten Glied des Satzgefüges pointierend: '. . . lasen am Montagmorgen die Zeitung".
      3.2. Ist die Meldung selbst sach- Vgl. 2.2.3. lieh richtig?
Wird bewußt verschwiegen, daß die Verunglückten erst eine Stunde nach dem Unfall entdeckt wurden ?
3.3. Vergleich zwischen Einlei-tungs- und Schlußabsatz. Gemeinsamkeiten? Funktion der Passagen?

Was hat sich am Schluß ge- Das Verhalten der Personen wirft ein neues genüber dem Anfang ver- Licht auf die Unglücksnachricht: Der Leser ändert? der Erzählung ist über den Hintergrund informiert, absatz und vorangegange- der zum richtigen Verständnis des Schlusses nem Teil der Erzählung. nötig ist.
      Es liegt am Leser, Konsequenzen aus seinem Informationsvorsprung zu ziehen und sie in seinem Handeln zu verwirklichen.
      4. Vierter Arbeitsschritt: Plenumsdiskussion

Lernziel:
— die Hauptproblematik in ihrer Vielschichtigkeit aus der Erzählung herausarbeiten; die Handlungsweisen erörtern und beurteilen; die Beurteilungskriterien offenlegen.
      4.1. Wie könnten die Vorbeigefahrenen auf die Zeitungsmeldung reagieren?
4.2. Rechtfertigt es ihr Verhalten, wenn sie lesen, daß die Verunglückten sofort tot waren, ihre Hilfe demnach ohnehin nichts genützt hätte?
4.3. Nach welchen Kriterien Moralischer, sozialer Aspekt, juristischer kann man das Aspekt usw.
      Verhalten der Personen beurteilen?

Ist ihre Handlungsweise zu entschuldigen?
Material zum juristischen Aspekt:
Nach Auffassung des Bundesgerichtshofs in einem ähnlich gelagerten Fall liegt keine juristische Schuld vor:
'Ist ein Verunglückter bereits tot..., so fehlt es an einem Tatbestandsmerkmal des § 330c ... Die Auffassung, daß sich auch in einem solchen Fall derjenige strafbar mache, der noch keine Gewißheit vom Tod des Verunglückten erlangt habe und ihm keine Hilfe bringe, würde zur Bestrafung einer bloßen, wenn auch sittlich verwerflichen Gesinnung führen."

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