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Erzählungen der gegenwart

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Marie Luise Kaschnitz Christine



Analyse

Thema
'Auch das Schöne muß sterben!" sagt der klassische Dichter. Schorsch könnte seine Trauer mit den beiden anderen Versen aus Schillers 'Nänie" ausdrücken:
'Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt." Das Thema dieser Kurzgeschichte ist so alt wie die Menschen, seit sie den Traum vom Schönen und Vollkommenen träumen. In dem klassischen Gedicht dienen Beispiele aus der griechischen Mythologie zur Veranschaulichung des Satzes, in einer modernen Kurzgeschichte nimmt die Dichterin Charaktere und Situation aus dem alltäglichen Leben. Sie verschärft wie Schiller das Problem, indem das Vollkommene grausam und mit Gewalt angegriffen und zerstört wird. Das Sinnlose wird bei Kaschnitz dadurch betont, daß ein Wahnsinniger die Tat begeht. Allmählich wird dieses eigentliche Thema der Geschichte enthüllt. Vorläufige Erklärungen für das Verhalten Schorschs stellen retardierende Momente dar, die dazu dienen, die Charaktere und die Situation zu verdeutlichen. Eine juristische oder moralische Schuld liegt nicht vor, wenn Schorsch auch von Schuldgefühlen geplagt wird. Weder diese noch die geschlechtlichen Triebwünsche bestimmen sein Verhalten. Seine Frau versteht ihn vordergründig zunächst aus solchen Beweggründen, erkennt dann aber als Liebende den tieferen Grund: die Trauer 'über den Wahnsinn und die Unvollkommenheit der Welt" . Ihre Geste zum Schluß und des Mannes Reaktion deuten auf eine mögliche Abwendung von der unfruchtbaren Trauer durch die Zuwendung zum wirklichen Leben. Philosophisch ließe sich sagen, daß die Charaktere den Gegensatz von Idealismus und Realismus verkörpern, der in einem zehnjährigen Entwicklungsprozeß ausgetragen wird und zum liebenden Verstehen der gegensätzlichen Charaktere und Auffassungen führt.


      Darstellung
Die Geschichte ist eine Ich-Erzählung, zugleich auch ein innerer Monolog und ein Dialog der Erzählerin mit dem Leser. Frau Bornemann wendet sich direkt an den Leser: 'was Sie jetzt glauben", oder sie beantwortet mögliche Fragen, Einwürfe, Zweifel und Bedenken des Lesers, die sie vermutet. Auf diese Weise ist die Ich-Erzählung im Zusammenhang mit der spannungsreichen Entfaltung des Themas in einem konkreten Stoff und anschaulicher realistischer Sprache von lebendiger Wirkung. Anfang und Schluß spielen in der Gegenwart. Dazwischen erzählt Frau B. in Rückblenden und Ãoberlegungen das Schicksal ihres Mannes, wie es sich im Lauf von 10 Jahren zeigte.

      Zum Unterricht
Die Geschichte ist für Jugendliche schwer zu verstehen. Sie sollte erst im 10. Schuljahr gelesen werden. Die Schwierigkeiten liegen im Thema, den Charakteren und in der Erzähltechnik. Das eigentliche Thema wird durch den Realismus der Vorgänge und die Verhaltensweisen aller Personen eher verdeckt als aufgehellt. Darüber hin-aus ist das Thema von der 'Anmut und Schönheit an sich" , von der Spannung Ideal und Wirklichkeit ein schwieriges philosophisches Problem, aber auch eine Aufgabe, die jeder Mensch zu bewältigen hat. Der Lehrer muß daher von den eignen Erfahrungen der Schüler ausgehen und sie Beispiele aus ihrem Leben erzählen lassen, von denen aus sich der Zugang zur Geschichte ergibt.

      Vorschläge für Aufgaben
1. Stoff und Erzähltechnik
Erzähle den Hergang in chronologischer Reihenfolge und vergleiche damit den Gang der Darstellung in der Geschichte.
      2. Thema
Was will Frau B. als Erzählerin und damit auch die Dichterin dem Leser eigentlich vermitteln? Zur Beantwortung ziehe folgende Stellen heran:
A) 'dumme Gedanken"

B) 'verrückt vor Liebe"
C) Aussehen seiner Frau und Kinder
D) Die Stelle von der Anmut und der Schönheit, vom Traum und der Trauer
E) Den Satz: 'Ich sehe ihn an und habe ihn so lieb wie nie im Leben, auch in den ersten Jahren unserer Ehe nicht."
Zusatzfrage: Wie wird die Liebe in Stelle B) und E) aufgefaßt?
3. Man könnte sagen, daß der Mann ein Idealist, die Frau und die Kinder Realisten sind. Diskutiere diese These.
      4. Erkläre die folgenden zeitkritischen Beobachtungen und Bemerkungen, indem du fragst, welche Bedeutung sie für das Verständnis der Geschichte haben:
A) '... ich bin keine von den Frauen ..."

B) '... so einer Armeleute-Villenkolonie..."
C) Verhalten der Kinder beim Planen einer Ausfahrt

D) Karrieremachen und Konsumverhalten .
     

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