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Erzählungen der gegenwart

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Kurtmartin Magiera In den Sand geschrieben



Analyse
Die Geschichte ist nur auf dem Hintergrund der europäischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse zu verstehen. Die Industriestaaten brauchen mehr Arbeitskräfte, als ihre eigene Bevölkerung stellen kann. Einige Staaten haben einen Ãœberschuß an arbeitsfähigen Menschen, die nun ins Ausland gehen. Ein Gastarbeiter hat die Möglichkeit, in der Fremde eine Arbeit zu finden, die es ihm erlaubt, sich und seine Familie besser zu unterhalten als im eignen Land und darüber hinaus zu sparen. Mit den Ersparnissen kann er sich im eignen Land eine bessere wirtschaftliche Existenz schaffen. Daneben gibt es andere Beweggründe, die einen Menschen veranlassen, als Gastarbeiter ins Ausland zu gehen: Fortbildung im eigenen Beruf, Abenteurer- oder Unternehmungsgeist, Freiheitswille und vieles andere mehr. Damit verbunden sind die Probleme der Leistungs- und Konsumgesellschaft und der Industrieballung sowie persönliche Probleme, die alle eine Rolle in der Geschichte spielen, allerdings die meisten nur im Zusammenhang mit dem individuellen Schicksal Pedros.

      Als Ich-Erzähler und Hauptfigur erzählt Pedro sein Schicksal in einem günstigen Augenblick, legt seine Erfahrungen, Wünsche und Ziele dar. Er will keineswegs das Problem des Gastarbeiters diskutieren. Diese Tatsache muß jedem Leser klar sein, der die Geschichte richtig verstehen will. In einem inneren Monolog überprüft er sein bisheriges Leben und seine künftigen Aussichten. Die Geschichte wird in einer Situation erzählt, die es Pedro erlaubt, sein bisheriges Leben und die wahrscheinlichen Aussichten für die Verwirklichung seiner Pläne in Ruhe zu bedenken. Die Zaghaftigkeit und Einsamkeit seiner Frau sowie das Unverständnis einiger Nachbarn sind heftige Herausforderungen für ihn, die er annimmt und mit guten Argumenten bewältigt. Er verbringt den vierwöchigen Jahresurlaub bei seiner Familie. An einem Mittag, eine Woche vor der Rückkehr zur Arbeit, sitzt er auf der Türschwelle, das jüngste Kind auf dem Schoß, und schreibt sozusagen seine Geschichte in den Sand. Dieser Gedankenstrom wird spannend durch die Rück- und Vorblenden und die Auseinandersetzung mit den Nachbarn und den Menschen im Gastland, vor allem im Zwiegespräch mit Maruja und den Kindern. Die Namen der Personen und die Anreden Seiiora und Don zeigen, daß die Geschichte in Spanien spielt. Das Gastland ist nicht aus dem Text zu erschließen. Da Magiera ein Deutscher ist, kann man vermuten, daß ihm Deutschland vorschwebte.

      Zum Unterricht
Die Geschichte sollte als eine Erzählung gelesen werden, in der ein individuelles Schicksal, die Bewältigung einer Herausforderung dargestellt wird. Die Schüler haben aus eigener Erfahrung Kenntnisse von den Tatsachen und Problemen des Gastarbeiterdaseins. Sie werden vernünftige und unvernünftige Einstellungen zu der Erscheinung haben oder doch kennen. Um hier eine Klärung des politischen und menschlichen Urteils zu gewinnen, sollte vor der Lektüre der Geschichte eine Diskussion über den Gesamtkomplex 'Gastarbeiter" stattfinden. Auf dem so gewonnenen sachlichen Hintergrund kann man dann die Geschichte lesen. Die Schüler können dann richtig verstehen:

1. die persönliche Einstellung Pedros auf Grund seines Charakters und seiner Lage,

2. die Erzähltechnik,
3. die Geschichte als Ganzes.
      Folgende Einzelaufgaben empfehlen sich nach der Lektüre und der ersten erschließenden Diskussion:
1. Die Fabel der Geschichte
Pedro lebt mit seiner Familie in einem spanischen Dorf. Er findet nur Gelegenheitsarbeiten und entschließt sich deshalb, als Gastarbeiter ins Ausland zu gehen. Es gelingt ihm, einen guten Arbeitsplatz zu finden. Er kann nun sich und seine Familie gut ernähren und regelmäßig einen höheren Betrag sparen. Sein Ziel, 7000 zu sparen, sich davon ein Auto zu kaufen und dann in sein Heimatdorf zurückzukommen, wird er erreichen. Er will als Fuhrunternehmer sich eine sichere Existenz verschaffen.
      2. Der Gegenstand der Geschichte: Pedros Unternehmungsgeist, sein fester Charakter, seine Zielstrebigkeit, die Widerstände, die er zu überwinden hat, um die Herausforderung zu bestehen.
      3. Die Erzähltechnik: Ich-Erzählung — Innerer Monolog — Aufbau.
      Um den Aufbau zu erkennen, empfiehlt es sich, ein Schema anzulegen, in dem die einzelnen Handlungsschritte nach ihrem Inhalt und ihrem Zeitverhältnis zur gegenwärtigen Erzählsituation benannt werden.
      Zum Abschluß lesen die Schüler die Geschichte ein. Sie kennen nun den raffinierten Aufbau mit seinen Rück- und Vorblenden sowie das Ziel Pedros und die Argumente für sein Verhalten. Pedro spricht in dem inneren Monolog nachdenklich, eindringlich, überzeugt, sachlich und doch mit Liebe und Verständnis. Ziel dieses Abschlusses kann ein Wettlesen sein, bei dem die überzeugendste Nachgestaltung in einem erzählenden Lesen den Preis gewinnt.

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