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Erzählungen der gegenwart

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Hermann Kasack Mechanischer Doppelgänger



1. Einleitende Bemerkungen zur Einordnung der Erzählung
Das Motiv des Doppelgängers hat eine literarische Tradition. Den Schülern wird es aus Detektiv-, Grusel- und Abenteuergeschichten bekannt sein. Roboter oder künstliche Menschen sind in der Literatur ebenfalls in unterschiedlichen Ausprägungen geschildert worden: z. B. Golem-Sage, Homun-culus , Frankensteins Monstrum, E.T.A. Hoffmanns Automaten,

Capeks Roboter, Comics und Science-fiction. — Die Absicht, mit der Roboter in der Literatur dargestellt werden, ist nicht immer die gleiche .
      — Kennen die Schüler Roboter- und Doppelgängergeschichten aus Comics oder Science-fiction? Welche Rolle spielen sie da?
— Bei der Behandlung dieser Erzählung im Unterricht kommt es darauf an, ihre spezifische Intention dagegen abzusetzen.
      2. Inhaltsangabe der Erzählung
2.1. Die Erzählung beginnt nicht außergewöhnlich: Die Sekretärin meldet ihrem Chef einen Herrn, der sich als Tobias Hüll vorstellt. Das Ungewöhnliche: Herr Tobias Hüll entpuppt sich als ein Automat, als ein mechanischer Doppelgänger eines wirklichen T. Hüll, des Inhabers einer Firma für mechanische Doppelgänger. In einem einseitigen Gespräch preist der Roboter seine Vorzüge an, um seinen Gesprächspartner dazu zu bewegen, sich auch einen mechanischen Doppelgänger von sich selbst anzuschaffen. Ihm gelingt es, den Verwirrten zu überreden. Es kommt jedoch nicht zur Anfertigung des Duplikats . Angeregt wird aber die Beobachtung, daß offensichtlich viele Menschen nicht sie selbst, sondern ihre eigenen mechanischen Doppelgänger sind.

      2.2. Worterklärungen
B. A.: Bachelor of Arts Projektion: Abbild
Agent: Handelsvertreter, Geschäftsvermittler Propaganda: Werbetätigkeit
Schablone: Vorlage zur Vervielfältigung, übertragen: gedankenlose Nachahmung.mechanisch: nach den Gesetzen der Mechanik, gewohnheitsmäßig, unbewußt, gedankenlos Duplikat: Zweitausfertigung

3. Thema der Erzählung
3.1. Kann man sich einen solchen Hergang vorstellen?
Ist die Erzählung ein modernes Märchen und, weil sie unglaubwürdig ist, unrealistisch?
3.2. Welches sind die zentralen Stellen mit allgemeinem Aussagewert, die den Realitätsbezug der Erzählung verdeutlichen?

3.3. Worum geht es in der Erzählung?
Es geht um Gegenüberstellung sowie Annäherung von Roboter und Mensch. Gezeigt werden soll weniger, was technisch möglich ist oder sein kann, sondern wie der Roboter zwar noch nicht als konkrete Erscheinung, so doch schon in roboterähnlichen menschlichen Verhaltensweisen in der Realität anzutreffen ist.
      4. Vergleich zwischen Roboter und Mensch

4.1. Worin ähnelt der Roboter dem Menschen?

4.2. Welche Stichworte im Text charakterisieren den Roboter? Aus welchem Bereich stammen sie?
Können sie auch auf Menschen zutreffen?
4.3. Welche sprachlichen Bezeichnungen oder Redensarten gibt es, die aus ähnlichen Bereichen stammen und auf den Menschen angewendet werden?
Einstellung haben, etwas ganz mechanisch tun, gefunkt haben, ausgehakt haben, stabil konstruiert sein usw.)
4.4. Welche Nachteile hat der Roboter gegenüber einem Menschen? Die Nachteile liegen im emotionalen, irrationalen Bereich.
      Ist der Roboter ein vollwertiger Ersatz für einen Menschen?
4.5. Welche Vorteile hat der Roboter gegenüber einem Menschen? Sind die Eigenschaften, die der Roboter in der Erzählung positiv herausstellt, wirkliche Vorteile?
4.5.1. Beispiel: Routine statt Herz und Verstand . Ist das ein positiver Ersatz?
Zeige an Beispielen, wie das auch auf Menschen zutreffen kann!
4.5.2. Der Roboter kann menschliche Funktionen oft besser verrichten als der Mensch selbst, z. B. höhere Leistungen vollbringen.
      4.5.3. Er kann Wissen speichern .
      Nachteil: Der Roboter kann keine Zusammenhänge herstellen, keine Ursachen erkennen und keine Lernprozesse durchmachen.
      4.5.4. Ist ein festes Repertoire an Gesprächsthemen, die jederzeit einsetzbar sind, erstrebenswert?

Nenne Beispiele für diese Verhaltensweise!
4.6. Welche Folgen hätte eine Doppelgängerexistenz für den Menschen?
4.6.1. 'Ihr Wesen ist vervielfältigt." Ist das eine positive Auswirkung? Aufgabe der Individualität, Auflösung der Identität.
      4.6.2. Frage nach der Identität der eigenen Person: Wann ist man man selbst? Problem der Einmaligkeit des Menschen.
      4.7. Welche menschlichen Verhaltensweisen haben roboterähnliche Züge?
— schablonenmäßiges Denken. Nenne Beispiele hierfür!

— Austauschbarkeit, Ersetzbarkeit von Menschen
— imitierendes Verhalten

5. Aussage der Kurzgeschichte
5.1. Die Erzählung übt Kritik am automatischen, gedankenlosen Verhalten der Menschen. Sie zeigt Erscheinungen auf, nicht aber ihre möglichen Ursachen.
      5.2. Warum tragen Menschen roboterähnliche Züge?
5.2.1. Wie kommt es zu dem maschinellen Verhalten?
Der Mensch wird zum Automaten durch den Arbeitsprozeß, in den er eingeschaltet ist. Automatische Arbeitsverrichtung, z. B. am Fließband, bei der Selbstdenken und Entscheidungsmöglichkeiten ausgeschaltet sind , Leistungsprinzip, Arbeitsteilung können Ursachen für ein solches Verhalten sein und machen die Doppelgängerexistenz zum Ausdruck von Verdinglichung und Entfremdung.
      5.2.2. Wem bringt ein solches Verhalten Vorteile?
In einer Gesellschaft, in der die Herrschaft des Menschen über den Menschen stattfindet, ist mechanisches, gedankenloses Handeln und Denken gemäß der Norm die geeignete Voraussetzung zur konfliktlosen Eingliederung in den Arbeitsprozeß und damit zur Erhaltung der bestehenden Verhältnisse.
      5.2.3. Der gesellschaftskritische Aspekt ist bei der Behandlung der Erzählung herauszuarbeiten.
      5.3. Was sollte menschliches Verhalten gegenüber roboterhaftem Verhalten ausmachen, und wie wäre dieses zu verwirklichen?
6. Literaturhinweis:
Maschinen wie Menschen, hrsg. v. Robert Jungk und Hans Josef Mundt. Frankfurt 1973

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