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Erzählungen der gegenwart

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Franz Mon Der Posaunenschlund



Die Max-Mix-Geschichte stellt erlebnishaft und exemplarisch Veränderungen dar, die sich im jungen Menschen während seiner Kindheit vollziehen. Es geht dabei um zwei Probleme, um Kommunikation und Identität.
      Die Ich-Identität des Kindes, d. h. sein Mit-sich-selbst-eins-Sein, wird erlebt in der Ãœbereinstimmung mit dem 'alter ego" Mix, bildhaft dargestellt in der Spiegelung, kommunikativ besonders deutlich dargestellt in der Brutzlisprache. Kommunikationsprobleme deuten eine Wandlung des Kindes an: Die Sprache der Erwachsenen wird jetzt teilweise als fremd empfunden, die Erwachsenen lehnen die Eigensprache des Kindes ab. Da bei den Erwachsenen scheinbar eine ähnliche Eigensprache vorhanden ist, stellt das Kind die Tragfähigkeit seiner Sprache auf die Probe:

Bisher genügte es, sich visuell und kommunikativ seiner selbst zu versichern, jetzt muß das Kind auf neue Art Kommunikation mit den Erwachsenen versuchen. Das gewohnte System versagt hier, zugleich geht die Ich-Identität verloren. — Der Fiebertraum verdeutlicht den ungeheuren Umbruch, das 'alter ego" versinkt im Posaunenschlund, verschlingt sich selbst. — Der junge Mensch befindet sich in dem Zwischenzustand — und hier endet die Geschichte —, der irgendwann einmünden wird in eine neue Identität. Diese wird allerdings nichtmehr entstehen, indem er sich seiner selbst vergewissert, sondern indem er sichdem jeweiligen Partner zuwendet und in dessen Zuwendung sich selbst erfährt.
      Für den erwachsenen Leser ist deutlich, daß Mix zwar unvergessen bleibt, abernicht wiederkehrt1.
      Die Schwierigkeiten einer Besprechung der Geschichte mit Jugendlichen beruhendarauf, daß diese selbst sich in Identitätskrisen befinden, also auf keinen Fall sodistanziert-abstrakt darüber reden können, wie wir es hier tun. In der poetischen
Gestaltung des Problems andererseits liegt gerade eine Chance, mehr von sich undanderen zu erfahren, als Lehrbücher oder Vorträge bieten.
      Es dürfte auch ein Erfolgserlebnis für die Schüler bedeuten, wenn sie die zunächstrecht irritierende Geschichte Schritt für Schritt deuten können.
      Folgender Weg einer Behandlung wird vorgeschlagen, wobei u. E. nur das gelenkte
Unterrichtsgespräch in Frage kommt:
1. Nach der vorbereitenden Lektüre wird die Anfangsfrage gestellt: Wer ist Mix?
Nur für Kinder ist Mix ein 'anderer".
      Dadurch, daß der Autor sich einfühlend an die Perspektive Max' bindet, ist der jugendliche Leser aufgefordert, auf zwei Ebenen zu rezipieren, auf der Handlungsebene und auf der Bedeutungsebene. Die genaue Betrachtung der Handlungsebene und die Herausarbeitung der Bedeutungsebene bestimmen den weiteren Unterrichtsgang.
      2. Mix ist nicht nur Spiegelbild, sondern Partner. Wodurch unterscheiden sich Max und Mix? Was verbindet sie?
• Das 'andere Ich" bietet Max Möglichkeiten, sich aus dem reinen Realitätsbezug zu lösen. Bildhafter Ausdruck der Realitätsveränderung ist die Verzerrung im Kugelspiegel .
      • Das 'andere Ich" bietet Max also Möglichkeiten, Realität zu verändern, aber auch neue Realität zu schaffen. Dies vollzieht sich im Gespräch.
3. Max und Mix haben eine besondere Sprache. Was kennzeichnet diese? Was leistet sie, was leistet sie nicht?
• In der Diskussion des Kommunikationsproblems durch Sprache kann folgende Definition erarbeitet werden:
Sprache ist ein System von willkürlich gewählten Zeichen, deren Bedeutungen jedoch ein für allemal mit dem Gesprächspartner verabredet werden.
      • Wo und wie kommt es zu Verständigungsproblemen? Es sind immer Erwachsene, bei denen Probleme auftreten.
      4. Bei der 'verwegenen Probe mit den Brutzliwörtern" tritt ein Konflikt in der Realitätsdeutung auf.
      • Was bedeutet der Zweifel am Christkind für die Persönlichkeitsentwicklung von Max? Steht dies in Beziehung zur Sprachproblematik? Die stärkere Orientierung an der Erwachsenenrealität ist ja auch Anlaß für die 'Probe".
      5. Bei der Besprechung der Ereignisse am Heiligen Abend muß bestimmt werden, auf welcher Realitätsebene sie sich abspielen.
      • Gibt es im bisherigen Erzählverlauf vergleichbare Veränderungen der gewohnten Wirklichkeit? Das 'Mercedes"-Sprachspiel weist darauf hin: der Schluß der Erzählung spielt auf der Ebene der Phantasie.

     

• Gibt es Hinweise, wieso dies geschieht? Die Ankündigungen der Grippe: Fiebertraum! Wenn es der Klasse möglich ist, hier die Rolle des Schriftstellers als Erschaffer neuer Wirklichkeiten mitzureflektieren: hier wird ein Stück realitätsfernes sprachliches Kunstwerk produziert, analog etwa Objekten der Op art und Kinetik.
      6. Mix geht verloren.
      Was bedeutet die Wandlung vom Posaunenmaul zum Posaunenschlund, in dem Mix verschwindet? Verlust eines Teils seiner selbst!
7. Ausblick: Wo kann Max in Zukunft sich selbst wiederfinden?
Nicht mehr nur in sich selbst!

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