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Erzählungen der gegenwart

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Ernst Schnabel Hundert Stunden vor Bangkok



Methodische Vorüberlegungen
1. Wegen der Länge der Erzählung ist ihre Behandlung im 8. bis 10. Schuljahr nur nach gründlicher häuslicher Lektüre anzuraten.
      2. In der Erzählung finden sich eine Reihe von Wörtern, die der vorherigen Erklärung an Hand eines Lexikons bedürfen:



Bangkok = Hauptstadt von Thailand
Thailand = Land in Hinterindien

Greenwicher Zeitmessung = Westeuropäische Zeitmessung
Meridian = Längenkreis

Dimension = Ausdehnung, Ausmaß, Bereich
Trampdampfer = Frachtschiff

Adelaide = Hauptstadt von Südaustralien
Bali-Straße = Meeresstraße vor der kleinen Sundainsel Bali

Sundasee = Teil des australisch-asiatischen Mittelmeeres
Glasen = Zeitangabe in der Schiffahrtssprache

Bambusgarnier = Einfassung von Bambus
Bambus = holziger Rohrstengel einer tropischen Grasgattung

Schoner = Zweimastsegelschiff
Kopra = getrocknetes Samenfleisch der Kokosnuß, sehr fetthaltig
3. Es ist angeraten, den Seeweg des Trampdampfers Blackpool nachzuzeichnen .
      4. Zur Ãœbersicht des Handlungsverlaufs ist es notwendig, eine kurze Inhaltsangabe der Erzählung mit der Klasse zu erarbeiten.

      Behandlungsweg
1. Die Erzählung sollte in Abschnitte gegliedert werden. Es ergeben sich 3 Gliederungsabschnitte:
A) Beginn bis ... 'Mr. Macay hatte sich auf ein Geländer gestützt, das eigentlich hätte da sein müssen, tatsächlich aber, allen Vorschriften zuwider, nicht da war."

B) 'Es ist geschehen, und wir können ihm nicht helfen." bis 'Es muß aber angenommen werden, daß es keine gute Haltung war."
C) 'Als das Wasser über ihm zusammenschlug, wachte Macay auf" .
      2. Es sollten drei Gruppen gebildet werden , die jeweils das Geschehen ihres Abschnitts genau erarbeiten, um danach ihre Ergebnisse der Gesamtklasse vorzutragen. Ziel dieser Gruppenarbeit ist: Den Aufbau der Erzählung erkennen zu lernen; die Erzähltechnik Schnabels zu werten;sich kritisch zu Rassenvorurteilen und zum Problem des Ãœberlebenskampfes eines Menschen äußern zu lernen.
      Bei Abschnitt 1 ist dabei zu beachten:
Die Erzählung beginnt mit einer genauen Zeit- und Ortsangabe: 17. XL, 345, 114° 30 min östlicher Länge und 7° 22 min südlicher Breite. Diese genauen Angaben werden vom Autor begründet .
      Danach lenkt der Autor die Aufmerksamkeit der Leser auf die Zeit 344, also um eine Minute zurück, und beschreibt die Szenerie des Schiffes und die Wetterverhältnisse als motivierende Voraussetzungen für das weitere Geschehen. Der Leser soll durch diese retardierende Betrachtungsweise in Spannung, in Unruhe, ja Ungeduld versetzt werden. Diese Unruhe will der Autor verstärken, indem er die Ereignisse auf dem Schiff in der Minute von 3U bis 345 noch einmal genauestens erzählt . Danach geschieht eine Minute nichts, weiter nichts, bis 355. Da erst tritt Mr. Macay auf. Die Zeit wird vom Autor auf weitere 30 Sekunden hin gerafft. Man möchte wissen, was geschieht. Aber jetzt wird erst Mr. Macay charakterisiert. — Erst zum Schluß des ersten Abschnittes erzählt Schnabel, daß Macay ins Wasser stürzt, weil er sich auf ein Geländer hatte stützen wollen, das hätte da sein müssen, aber nicht da war.
      Die Schüler sollten sich sehr kritisch zu der von Schnabel gewählten Zeitdarstellung äußern. Löst sie wirklich Spannung aus? Macht sie das Geschehen durchsichtiger?
Abschnitt 2 erzählt, wie es zu dem Vorfall kam, daß Mr. Macay ins Wasser stürzte, zu dieser Stunde, an diesem Ort. Wesentlich für den Fortgang der Handlung und ihre Motivierung sind dabei zwei Aspekte:
1. Macays Unbehagen gegenüber asiatischen Gewässern und den Asiaten überhaupt . Die Ãœberschrift der Geschichte wird sodann vom Autor aufgegriffen. Sie gibt Anlaß, Macays Unbehagen gegenüber asiatischen Orten und Menschen zu beruhigen. Aber die Nacht mit ihrer Treibhausluft vergiftet Macay dann und läßt ihn schlafen wie ein Toter. —
Frage: Ist das einsichtig motiviert?
2. Aspekt: Es wird erklärt, wie es dazu kam, daß ein Stück Reling auf dem Achterdeck der Blackpool fehlte und so den Sturz Macays ins Wasser verursachte.
      Abschnitt 3 erzählt von Macays Ãœberlebenskampf in der Sundasee, dem leerlaufenden Rettungsmanöver der Blackpool und Macays Rettung eben durch asiatische Seeleute eines Kopraschoners. Dieser Ãœberlebenskampf wird noch einmal in seinem Erzählstrang unterbrochen, und es werden die Geschehensminuten erzählt, die sich auf der Blackpool nach dem Sturz Macays in die Sundasee bis zum Rettungsversuch des Bootes der Blackpool zutrugen.
      3. Nach dem Mitteilen der Arbeitsergebnisse der 3 Gruppen vor der Klasse sollte ein kritisches Gespräch über die Erzähltechnik Schnabels und den Aufbau der Erzählhandlung geführt werden. Ist der Aufbau der Erzählhandlung nicht zu verschlungen und unübersichtlich? Ist die Erzähltechnik nicht gewollt kunstvoll und uneinsichtig kompliziert?
4. Ein Gespräch über Rassenvorurteile ist angezeigt.
      5. Probleme des Ãœberlebenskampfes eines Menschen — 'Es gab noch nicht auf" — sowie der Versuch einer Erklärung des letzten Abschnittes der Erzählung, insbesondere des Satzteils 'begriff er, daß er mit seinem Sturz vom Deck der Blackpool die Grenzen wirklich überschritten und hinter sich gelassen hatte und daß er nie wieder in sein altes Leben zurückfinden werde", sollten Anlaß zur Reflexion in der Klasse werden.

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Ernst  Schnabel      Hundert  Stunden  vor  Bangkok    





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