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Matthias Claudius



15.8.1740 in Rcinfcld , 21.1.1815 in Hamburg

Claudius wird am 15. August 1740 in dem Dorf Rcinfcld bei Lübeck geboren. Sein Vater, der in Rcinfcld Pastor ist, entstammt einer alten Pfarrfamilie, seine Mutter einer Flensburger Kaufmannsund Senatorenfamilic. Matthias bat zunächst Privatunterricht beim Vater, wird mit fünfzehn auf die Lateinschule in Plön geschickt und geht mit neunzehn an die Universität Jena. Lr studiert Theologie, hört dann aber auch Jura, Philosophie und andere Lacher. Es ist nicht ganz klar, ob er ein Studium abschließt. Jedenfalls findet er keine Stellung und kehrt 1762 ins elterliche Pfarrhaus im damals dänischen Reinfeld zurück.

      In Jena hat Matthias zu schreiben begonnen. Seine Grabrede auf den an Pocken gestorbenen Bruder Josias wird gedruckt. Auch sein erstes Buch erscheint, Tändeleien und Erzählungen, eine Sammlung von Reimen und Labcln, und wird von der Kritik verrissen.
      Einem Verwandten gelingt es, den jungen Träumer, der seine Zukunft als Verwalter eines Jagdschlosses oder in einer Dichterkolonie auf der Südseeinscl Tahiti sieht, als Sekretär bei dem Grafen Holstein in der dänischen biauptstadt Kopenhagen unterzubringen. Zwei Jahre hält es Matthias im

Dienst des arroganten Grafen aus, dann kehrt er wieder ins Elternhaus in Reinfeld zurück.
      Erst mit achtundzwanzig, im Jahre 1768, gelingt ihm der Absprung. Er wird Redakteur bei den Hamburger Adreß-Cornptoir-Nacbrichten, erhält aber nach anderthalb Jahren die Kündigung, da seine eigenwilligen Verse und Texte nicht den Vorstellungen des Verlegers entsprechen. Vor den Toren der Lrcien und Hansestadt besitzt der Graf von Schimmelmann das Dorf Wandsbeck. Schimmelmann ist als Generalpächter in Sachsen reich geworden. Um sein idyllisches Dorf voranzubringen, hat er den Juden Privilegien eingeräumt und den schönen Schlosspark für das Publikum geöffnet. Schimmelmann will auch etwas für die Bildung seiner Dörfler tun. Dazu gründet er eine neue Zeitung, den Wandsbecker Botben. Als Redakteur für das Blatt holt er den gerade wieder arbeitslosen Matthias Claudius.
      Der nun dreißigjährige Claudius findet so endlich seine Lebensaufgabe. Bis dahin ist er kaum beachtet worden. Er hat zwar bedeutende Männer seiner Zeit kennen gelernt, in Kopenhagen Friedrich Gottlieb Klopstock, in Hamburg und anderswo Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Gottfried von Llcrder und Gotthold Ephraim Lessing. Aber wirklich bekannt wird er erst durch den Wandsbecker Botben. In Wandsbeck begegnet er auch seiner späteren Frau, der sechzehnjährigen Zimmermanns- und Gastwirtstochtcr Anna Rebekka Beim, die er am 15. März 1772 heiratet. Im September wird ihr erstes Kind geboren, Matthias. Es stirbt nach wenigen Stunden.
      Der Wandsbecker ßothe erscheint viermal pro Woche, Auflage im Jahre 1772: 400 Exemplare. Jede Ausgabe der kleinen Dorfzeitung hat vier Seiten, die ersten drei sind den Nachrichten vorbehalten, die letzte der Literatur. Claudius gelingt es mit seinen genialen Versen, den oft phantastischen Erzählungen und mit humorvollen Betrachtungen, ein erstaunlich großes Publikum zu erreichen. Lessing, Klopstock, Herder, Hölty, Gleitn und schließlich auch Goethe liefern Beiträge. Doch das Geld bleibt knapp im Haus des Wandsbecker Redakteurs. Immer wieder muss Claudius seine Ereundc bitten, ihm eine einträglichere Stellung zu verschaffen. Als die Zeitung nach viereinhalb Jahren eingestellt wird, ist der Dichter für die Ã-ffentlichkeit längst selbst zum »Wandsbecker Bo-then« geworden. Claudius, jetzt wieder stellungslos, geht das Wagnis ein, sich als Schriftsteller durchzuschlagen. Unter dem Namen Asmus bringt er seine Sämmtlichen Werke heraus. Insgesamt werden bis zum Jahre 1812 acht Asmus-Teile erscheinen.
      Aber die finanzielle Situation des Schriftstellers wird immer dramatischer. Endlich gelingt es LIerder, ihm eine Stellung als Oberlandcommissarius in Darmstadt zu verschaffen. Claudius macht sich bald unbeliebt. Der regelmäßige Beamtendienst liegt ihm nicht. Man vertraut ihm schließlich die Herausgabe der Hessen-Darmstädtischen priviligierten

Land'/.eitung an. Doch mit seinen kritischen Texten erregt er Anstoß, ihm wird nach wenigen Monaten gekündigt. Matthias Claudius kehrt mit Rebekka ins geliebte Wandsbeck zurück. Das Paar hat nun zwei Kinder, im Laufe der Jahre werden es zehn und die Not wird immer größer. Aber Claudius, im Glauben fest und im Grunde bedürfnislos, erweist sich, mit Rebekkas Hüte, als Lebenskünstler. Bei aller Sparsamkeit weiß er auch zu feiern. Wenn gerade mal keiner der zahlreichen Geburtstage ansteht, erfindet er eben einen Anlass zum Leiern: das Bratäpfelfest, ein Wurstfest, ein Genesungsfest für Klopstock. Erst als der dänische Kronprinz Friedrich dem Dichter 1785 eine Jahrespension bewilligt, bessert sich die Lage.
      1797 dichtet Claudius seiner Frau Rebekka zur silbernen Hochzeit ein Dankgedicht. Darin kommen diese Verse vor:
Ich danke Dir mein Wohl, mein Glück in diesem Leben.
      Ich war wohl klug, dass ich Dich fand; Doch ich fand nicht. GOTT hat Dich mir gegeben;
So segnet keine andere Hand.
      Das ist ganz ernst gemeint. Claudius ist sehr fromm. Seine schlichte Frömmigkeit verstärkt sich gegen Ende seines Lebens noch. Die letzten Teile des Asmus sind vor allem eine Auseinandersetzung mit dem Glauben.
      Im Dezember 1814 erkrankt Claudius und siedelt in das Haus seines Schwiegersohnes nach Hamburg über. Dort stirbt der Fünfundsiebzigjährige am 21. Januar 1815. An der Hamburger Grenze erwartet der Wandsbecker Pastor mit den Schulkindern den Leichenzug und geleitet den Mann, der das Dorf Wandsbeck berühmt gemacht hat, auf den Dorffriedhof.

     
Lesevorschlag:
'/u Recht berühmt sind Claudius' Gedichte Abcndlted, Der Tod und das Mädchen und natürlich das Kriegs-licd. Sie sollte man als Lrstcs lesen und - wenn sie einem gefallen - vielleicht sogar auswendig lernen. Sehr schön sind auch Hin Wiegenlied, bei Mondschein zu singen, Hin Lied, hinterm Ojcn zu singen und An Frau Rebekka, das Claudius seiner brau zur silbernen Hochzeit geschrieben hat.
      Von der manchmal eigenwilligen Prosa des Dichters könnte man als Lrstcs die Nachricht von meiner Audienz beim Kaiser von Japan lesen und danach ein bisschen hcrumschmökern in den ersten vier Asmus-Teilen. Ab dem fünften Teil werden die Texte sehr fromm.

     
Besichtigungstipps:
Die Gräber des Dichters und seiner Frau Rebekka befinden sich in Hamburg auf dem stillgelegten Wands-beker Friedhof an der Christuskirche , neben dem Schimmelmann-Mausolcum. Südöstlich des Friedhofs schließt sich das Wandsbekcr Gehölz an, der ehemalige Schlosspark. Dort ging Claudius gern spazieren und es erinnert ein Gedenkstein an ihn und den Wandsbecker Bothen.
     

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Matthias  Claudius    





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