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Adalbert Stifter



Adalbert Stifter wird in Oberplan im südlichen Böhmen geboren. Der Vater, Johann Stifter, ist Leinweber und -händ-ler. Das Flternhaus ist ein karges, schindelgedecktes Gebäude mit Brunnen und Hof. Die Stifters leben einfach, haben aber ihr Auskommen. Adalbert ist das älteste Kind. Da er kurz nach der F^he-schließung der Litern geboren wird, fälscht er später sein Geburtsdatum. Kr macht sich ein Jahr jünger. So versucht er, die »Schande seiner Geburt« zu verbergen. Der Vater verunglückt 1817 tödlich. Drei Jahre später, im Sommer 1820, heiratet die Mutter ein zweites Mal. Im Dezember wird Jakob Mayer, der Stiefbruder Adalbcrts, geboren. Adalbert ist zutiefst empört und verletzt. Km Leben lang wird er mit dem Stiefvater nicht sprechen. Als Schüler ist Stifter ein Musterknabe. Von 1818 bis 1826 besucht er das oberösterreichische Benediktinerstift Krems-münstcr. Während dieser Zeit dichtet er, erhält auch Mal-und Zeichenunterricht. Von 1826 bis 1830 studiert er in Wien Jura, beschäftigt sich aber auch mit Naturwissenschaft, Geschichte und Staatswissenschaft. Geld verdient er als Flaus-lehrer und erhält so Zugang zur Wiener Gesellschaft, auch zu adligen Familien.


     
Während dieser Zeit verliebt er sich in Fanny Greipl, zögert die Heirat aber hinaus, weil er erst die finanziellen Voraussetzungen für eine F.he schaffen will.
      Von 1832 bis 1833 lebt er seine sexuellen Bedürfnisse mit Amalia Mohaupt aus und macht Amalia schließlich einen Heiratsantrag, als er gerüchteweise erfährt, Fanny Greipl wolle heiraten. Als sich dies als eine Falschinformation herausstellt, gesteht er Fanny in seinem berühmten »Bekenntnisbrief«, er habe Amalia den Heiratsantrag nur aus Eifersucht heraus gemacht, hebe aber in Wahrheit nur sie, Fanny. Fanny antwortet nicht. So heiratet Stifter Amalia Mohaupt. Fanny Greipl heiratet den Kameralsekrctär Fleichandcrl und stirbt 1839 bei der Geburt ihres ersten Kindes. In vielen Texten Adalbcrt Stifters erscheint Fanny immer wieder als engelsgleiche Frau. Auch noch in dem späten Roman Der Nachsommer kehrt sie wieder.
      Seine Ehe mit Amalia Mohaupt stilisiert Stifter ebenfalls. Wenn er verreist ist, schreibt er seiner Frau bis zu seinem Lebensende innige Liebesbriefe, die sie eigentlich gar nicht versteht und mit handfesten, aufs Pragmatische gerichteten Briefen beantwortet. Sie hält den Haushalt vorbildlich in Ordnung, kocht gut, erträgt auch die wiederholten Pfändungen. Stets leben sie über ihre Verhältnisse, auch dann, als die finanzielle Basis gesichert ist. Es herrscht immer Geldnot. Sic essen unmäßig. Beide leiden an Ãobergewicht. Ã"ußerlich ist Stifter ein rechter Spießbürger. Stifter versteht sich zunächst vor allem als Maler, hofft, hier

Großes zu vollbringen. Aber mit seinen literarischen Veröffentlichungen hat er mehr Erfolg, kann auch schließlich damit Geld verdienen. Sein Verleger Heckenast erkennt bald, dass er mit Stifter einen großen Dichter in seinem Programm hat. Er berät ihn, fördert ihn, versorgt ihn mit Vorschüssen. Eis entwickelt sich schließlich sogar eine Freundschaft zwischen den beiden. Die ersten Erzählungen, wie etwa Der Kondor, Das Heidedorf oder Die i'cldblumcn, erscheinen 1840 und 1841 und werden sofort beachtet. Stifter verdient lange Zeit auch Geld als Hauslehrer. Von 1843 bis 1846 zum Beispiel unterrichtet er den ältesten Sohn des Staatskanzlers Fürst Metternich in Mathematik und Physik. 1847 wirkt er an freiheitlichen Reformbestrebungen mit, begrüßt 1848 die Wiener Revolution, fühlt sich beim Sturz des metternichschen Regimes durchaus selbst als »Befreiter«, beteiligt sich auch an den Beratungen für die Wahlen ins Frankfurter Parlament. Entsetzt beobachtet er dann bald, »daß so viele, welche die Freiheit begehrt haben, nun selber von Despotengelüsten heimgesucht werden«. Am 6. Mai 1849 zieht Stifter von Wien nach Linz, wo er zum provisorischen k. u. k. Schulrat ernannt wird, 1855 erhält er eine endgültige Anstellung. 1853 erscheint eine Sammlung von Erzählungen, die er Bunte Steine nennt. 1857 folgt sein Bildungsroman Der Nachsommer, in dem er das reine Kunstwerk preist: »Der Künstler macht sein Werk, wie die Blume blüht, sie blüht, wenn sie auch in der Wüste ist und nie ein Auge auf sie fällt. Der wahre Künstler stellt sich die Frage gar nicht, ob sein Werk verstanden wird oder nicht.«
1854 hat ein Nervenleiden eingesetzt. Stifters Lebensgewohnheiten - unmäßiges Lssen, Trinken, wenig Bewegung -führen zu einer Lebererkrankung. Die folgenden Jahre sind von zunehmender Hypochondrie bestimmt. Stifter wird aus Krankheitsgründen aus dem Amt entlassen, erhält aber eine gute Pension. Lr wird geehrt, schreibt weiter, fährt von Kur zu Kur. Aber er scheint sein Leben nicht mehr ertragen zu können. Am 26. Januar 1868 bringt er sich, vielleicht in einem dunklen, wahnhaften Augenblick, mit dem Rasiermesser eine Schnittwunde am I lals bei. Zwei Tage später, am 28. Januar 1868, stirbt er, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, in Linz.

     
Lesevorschlag:
Stifters Krzählungen sind oft dramatisch und reizintensiv. Immer sind sie durchzogen von Naturschilde-rungen. Last alle Lrzählungcn in Bunte Steine entwerfen große Bilder von der Natur und menschlichen Schicksalen. Berühmt ist die Erzählung Bergkristall. Gut lesen sich auch Katzensilbcr und Kalkstein. Eindrucksvoll ist der kurze Text Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842. Wer die Langsamkeit liebt und einen langen Lcscatcm hat, sollte in den Bildungsroman Der Nachsommer hineinlesen.

     
Besichtigungstipps:
In Wien kann man zwei der vielen Wohnadressen Stifters, Beatrixgasse 48 und 18, besuchen. Dort hängen auch Zeichnungen und Gemälde des Dichters. Das heutige Adalbert-Stifter-Institut findet man in Linz, im I lartlschen 1 laus 1313, das an der Unteren Donaulände liegt.
     

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