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Die dichtung der ritterlichen welt

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Volkslied und Volksballade



Schon in der ritterlichen Zeit bemächtigte sich das Volk des Minneliedes, das nun auf anderem Boden und in anderer Luft weitergedieh. Jetzt wurde es nicht mehr vom Ritter, sondern von Angehörigen des Volkes, von Handwerkern, Schulmeistern, Soldaten, Jägern gesungen oder neu gedichtet, wanderte von Mund zu Mund und wurde auf dieser Wanderung immer mehr dem Empfinden des Volkes angepaßt. Dabei verfiel die Form, wogegen der Inhalt oft an echter Empfindung, Frische und Natürlichkeit gewann. Das 14.-16. Jahrhundert kann man als die eigentliche Blütezeit des Volksliedes bezeichnen. Damals entstanden so innige Lieder von Lust und Leid, wie etwa 'Dort hoch auf jenem Berge, da get ein mülerad" oder 'Jetzt gang i ans Brünnele", 'Morgen muß ich fort von hier", 'Innsbruck, ich muß dich lassen"; ferner Kinderlieder, Abzählreime und geistliche Lieder, z. B. 'Es ist ein Ros' entsprungen". Wettstreitlieder, Lügenlieder, Trinklieder und Standeslieder sorgten für Spiel und Scherz.
      Daneben kam die Volksballade auf, die vielleicht der Ableger einer ritterlichhöfischen Ballade ist oder aber sagenhafte Ereignisse der Vergangenheit behandelt. Die Volksballaden vom Eppelein von Gailingen, dem unsteten Tannhäuser oder der unglücklichen Agnes Bernauerin wanderten landauf, landab. Ihnen schlössen sich Lieder an, die politische Ereignisse der unmittelbaren Gegenwart dichterisch gestalteten, das Lied auf die Schlacht von Pavia etwa oder das vom Prinzen Eugen, dem edlen Ritter. Von dem reichen Liederschatz haben spätere Sammlungen - Herders 'Stimmen der Völker in Liedern", 'Des Knaben Wunderhorn" der Romantiker Arnim und Brentano - nur einen Teil geborgen. Wieviel mag verschollen sein! Die überlieferten Reste aber haben in ihrer Frische noch auf viele spätere Dichter gewirkt und ihnen wertvolle Anregungen gegeben.
     

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