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Die dichtung der ritterlichen welt

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Martin Luther (I483—I546)



Martin Luther wurde am 1. November 1483 in Eisleben als Sohn eines Bergmannes geboren. 1505 wurde er Augustinermnch, 1507 Priester und bereits 1508 Dozent fr Dialektik und Ethik in Wittenberg, wo er am 31. Oktober 1517 seine berhmten 95 Thesen an die Pforte der Schlokirche anschlug, die die Reformation einleiteten. 1520 sagte er sich durch ffentliche Verbrennung der ppstlichen Bannbulle von
Rom los und verffentlichte im gleichen Jahre seine drei groen Flugschriften 'An den christlichen Adel deutscher Nation", 'Die babylonische Gefangenschaft der Kirche", 'Von der Freiheit eines Christenmenschen", die eine ungeheure Wirkung hervorriefen. 1521 verteidigte er auf dem Reichstag zu Worms mutig seine Lehre; vor der Reichsacht, die dort ber ihn verhngt wurde, brachte ihn sein Landesherr, Kurfrst Friedrich der Weise von Sachsen, auf die Wartburg in Sicherheit. In der Abgeschlossenheit seiner anderthalb Jahre dauernden Haft bersetzte er das Neue Testament, das 1522 erschien. 1529 folgten der Groe und der Kleine Katechismus, mit denen er tiefsten Einflu auf das Volk gewann, und in den spteren Jahren neben der Übersetzung des Alten Testamentes eine Flle von Schriften und Kirchenliedern. Luther starb am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben.
      Die Bibelbersetzung Luthers, die man als das grte literarische Ereignis des 16. Jahrhunderts bezeichnet hat, spielt in der Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache eine bedeutsame Rolle. Nicht in dem Sinne, als ob Luther diese Gemeinsprache erst geschaffen htte: sie war bereits vor ihm vorhanden. Luther lehnte sich in seiner Bibelbersetzung an die in der kurschsischen Kanzlei bliche Gemeinsprache an, wie er in einer berhmten Stelle der Tischreden selbst erzhlt: 'Ich brauche der gemeinen deutschen Sprache, da mich beide, Ober- und Niederlender, verstehen mgen. Ich rede nach der sechsischen Cantzeley, welcher nachfolgen alle Frsten und Knige in Deutschland. Darum ist's auch die gemeinste deutsche Sprache" .
      Über seine Grundstze bei der Verdeutschung der Bibel hat er uns selbst im 'Sendbrief vom Dolmetschen" berichtet:
Man mu nicht die buchstaben inn der lateinischen sprachen fragen, wie man soll deutsch reden, wie diese esel tun, sondern man mu die mutter im hause, die kinder auff der gassen, den gemeinen man auff dem marckt drumb fragen und den selbigen auff das maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen; so verstehen sie es denn und merken, da man deutsch mit in redet.
      Luther schuf aus einer steifen Papiersprache eine durch mancherlei volkstmliche Elemente bereicherte lebendige Literatursprache, und seine Bibelbersetzung wurde ein Werk, das an ursprnglicher Sprachkraft bis auf den heutigen Tag unerreicht ist. Die Luther-Bibel trug die neue Literatursprache auf den Adelssitz, in das Brgerhaus und in die Bauernhtte; berall wurde das groe Werk mit gleichem Eifer und gleicher Ehrfurcht gelesen. Trotzdem hat es noch lange gedauert, bis sich das Neuhochdeutsche endgltig durchsetzte, nmlich bis gegen 1750.
      Da Luther im Gottesdienst den Gemeindegesang verlangte, verfate er eine "Anzahl Chorle und Kirchenlieder, aus denen die Tiefe und Flle seines persnlichen Empfindens spricht. Im ganzen sind es mehr als zwanzig, von denen manche Umdichtungen von lateinischen Hymnen {'Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen", 'Komm, heiliger Geist"), andere durch Psalmen angeregt oder in volksliedhaften Weisen frei gedichtet sind . Wenn diese evangelischen Kirchenlieder auch nicht die feierliche Getragenheit der lateinischen Hymnik des Mittelalters erreichen, so gehren sie doch zu den schnsten lyrischen Gedichten des 16. Jahrhunderts.
      Von den Humanisten hat keiner so leidenschaftlich die Partei Luthers ergriffen wie Ulrich von Htten .
      Er stammte von der Steckelburg bei Fulda, wurde im Kloster Fulda erzogen, floh aber bald von dort und fhrte ein unstetes Wanderleben. 1509 wurde er Magister, 1518 von Kaiser Maximilian I. zum Ritter geschlagen und zum Dichter gekrnt. Er studierte in Italien und schlo sich nach seiner Rckkehr nach Deutschland Franz von Sickingcn an. Nach dessen Sturz flchtete er in die Schweiz und starb vereinsamt auf der Insel Ufenau im Zrcher See. Conrad Ferdinand Meyer hat sein kmpfereiches Leben in seiner epischen Versdichtung 'Huttens letzte Tage" eindrucksvoll dargestellt.
      War fr die meisten Humanisten die Dichtung eine europische Angelegenheit, so trumte Htten aus national-deutscher Gesinnung von einer Erneuerung des Reiches, der Unabhngigkeit von Rom und der Wiederherstellung des Rittertums als fhrender Schicht. Er schlo sich der Reformation weniger aus religisen Grnden an, sondern weil er glaubte, mit ihrer Hilfe seine politischen Ziele verwirklichen zu knnen. Da er das Papsttum fr den Gegner des Kaisertums hielt, bekmpfte er es schon zu einer Zeit, da Luther noch unbekannt in der Klosterzelle sa.
      Wenn auch sein Latein, dessen er sich ursprnglich, bediente, von den Humanisten als meisterhaft anerkannt wurde, schrieb er, um auf die breite Masse zu wirken, als Verteidiger der Reformation von 1520 an in deutscher Sprache und verffentlichte in dieser eine Sammlung satirischer Schriften gegen kirchliche Mistnde, das 'Gesprchsbchlein", aber auch Lieder, die ihm groe Volkstmlichkeit verschafften, so z. B. 'Ich hab's gewagt".
      Auf der Gegenseite schlug der Ehsser Fiann.'ikar.ermnch Thomas Ml'rner , ein grberer Nachfahre Sebastian Brants, eine scharfe satirische Klinge. Schon i:i den ersten Jahren des religisen. Umsturzes (1522; schrieb er eine der schrfsten Schmhschriften, die witzige und schlagfertige, aber derbe Satire 'Von dem groen lutherischen Narren",

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