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Die dichtung der ritterlichen welt

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Hans Sachs (I494 I576)



Er wurde als Sohn eines Schneiders in Nürnberg geboren, besuchte einige Jahre lang die Lateinschule und erlernte dann das Schuhmacherhandwerk. Fünf Jahre Wanderschaft ab 1512 durch Bayern, Ã-sterreich, West- und Norddeutschland brachten ihm schon in jungen Jahren Welterfahrung und Menschenkenntnis ein: 'Arbeitet also das Handwerk mein / In Bayern, Franken und am Rhein". 1520 wurde er Meister und führte die Nürnberger Meistersingerschule zu großem Ruhm. Als angesehener Bürger seiner Stadt war er bis ins hohe Alter hinein unermüdlich tätig. Ãober 4000 Meistergesänge, 200 Schauspiele und an die 1600 Schwanke, Fabeln, Historien und

Lieder hat er verfaßt, darunter das berühmte Gedicht 'die wittembergiscb Nach-tigal", ein Preislied auf Luther, dessen Lehre er sich nach seiner Rückkehr nach Nürnberg angeschlossen hatte.
      Aus seinem umfangreichen Werk sind vor allem seine Erzählungen und seine Spiele hervorzuheben. Neben der dichterischen Bearbeitung der verschiedensten Vorlagen, namentlich geschichtlichen und erdkundlichen Inhalts, neben der poetischen Erzählung und der Fabel pflegte er mit Vorliebe die komischen Erzählungen, die Schwanke: anekdotenhaft kleine Ereignisse aus dem wirklichen Leben, landläufige Schalkspossen, tolle Streiche von fahrenden Schülern u. a. In ihnen kommen Hans Sachsens gesunder Sinn und offener Blick sowie sein fröhliches Gemüt zu voller Geltung. Wie glänzend sind ihm die Schwanke 'St. Peter mit der Geiß" oder 'St. Peter mit den Landsknechten" gelungen!
Seine eigentliche Bedeutung aber erreichte Hans Sachs in seinen Fastnachtsspielen. Die Mehrzahl davon sind Bilder aus dem ihn umgebenden Leben, voll ergötzlicher Vorgänge und derben Humors. Stücke wie 'Der fahrende Schüler im Paradies", 'Der Roßdieb zu Fünsing", 'Das Kälberbrüten" und 'Der Krämerkorb" werden heute noch gerne und mit Erfolg aufgeführt. Hans Sachs verdankt seine weite Wirkung vor allem seiner lebendigen Menschendarstellung. Mit scharfem Blick erfaßt er den Menschen und betrachtet ihn nicht nur kritisch, sondern er hält ihn im Grunde für gut und sucht ihn auch in seinen Schwächen und Fehlern zu verstehen.
      In der Zeit des höfischen Barock wurde er mißachtet und bespöttelt:

Hans Sachs war ein Schuhmacher und Poet dazu.
      Aus langer Vergessenheit entdeckte ihn erst Goethe wieder, der den von Hans Sachs verwendeten Knittelvers übernahm und ihm in dem Gedicht 'Hans Sachsens poetische Sendung" ein Denkmal setzte:
Er hätt' ein Auge tre'u und klug Und war' auch liebevoll genug, Zu schauen manches klar und rein Und wieder alles zu machen sein; Hätt' auch eine Zunge, die sich ergoß Und leicht und fein im Worte floß; Des täten die Musen sich erfreuen, Wollten ihn zum Meistersänger weihn.
      Die schönste Huldigung für diesen echten Volksdichter stellen jedoch Richard Wagners 'Meistersinger von Nürnberg" dar.
      Hans Sachs fand keinen Nachfolger in Deutschland. Immer mehr gewannen, vor allem gegen Ende des Jahrhunderts, die englischen Komödianten Einfluß. Sie boten dem Volke, was es haben wollte: blutrünstige Tragödien, die man hochtrabend 'Haupt- und Staatsaktionen" nannte, und Komödien, die immer mehr ins Possen- und Schwankhafte abglitten und bei denen 'Pickelhering", zu deutsch Hanswurst, seine derben Scherze in drastischer Weise spielen ließ. Doch brachten die englischen Schauspieler auch Shakespeares Meisterdramen, freilich oft stark vergröbert, nach Deutschland.
     
Eine ähnliche Entwicklung wie beim Fastnachtsspiel ergab sich in der Prosadichtung. Hier blühten die Schwanksammlungen, die aus den Volksbüchern hervorgegangen waren. Dem aus Kolmar im Elsaß gebürtigen Stadtschreiber Jörg Wickram , einem äußerst vielseitigen und fruchtbaren Schriftsteller, verdanken wir die Sammlung 'Das Rollivagenbücblein", d. h. Schwanke, die man sich zur Reiseunterhaltung im Rollwagen erzählt. Weniger populäre, aber um so größere literarische Bedeutung kommt Jörg Wickram, der 1549 in Kolmar eine Meistersingerschule gründete, als Verfasser der ersten deutschen Originalromane zu. Sie wurden, wie z. B. 'Ritter Gallmy uß Schottland" und 'Der Goldfaden" von den Romantikern wiederentdeckt und erneuert.
      Sehr charakteristisch für den Geist der Zeit ist das Werk des Johann Fischart , eines vielgereisten Juristen. Er ist ein Prosaist von großer sprachschöpferischer Bedeutung und wohl der bedeutendste Vertreter der grotesk-satirischen Dichtung am Ausgang des 16. Jahrhunderts. Satirisch sind vor allem seihe poetische Bearbeitung des 'Eulenspiegel", seine Werke 'Flöhhatz" und 'Podagrammatisch Trostbüchlein". Die Verbindung von satirischem Stil und gelehrtem Humanismus ergibt eine wichtige Grundlage für Sprache, Geist und Stil der im 17. Jahrhundert entstehenden Barockdichtung.
      Gretchen wird als Kindesmörderin ins Gefängnis geworfen. Mephistopheles aber zieht Faust in das wüste Treiben der 'Walpurgisnacht". Faust sieht aber auch inmitten des abstoßenden Treibens der Hexen schuldbewußt Gretchens Bild und zwingt Mephistopheles, mit ihm zurückzukehren und Gretchen aus der Haft zu befreien. Als Gretchen aber auch Mephistopheles erblickt, weigert sie sich zu folgen. Sie bleibt im Gefängnis und sieht dem Gericht Gottes ohne Furcht entgegen. Faust aber wird von Mephistopheles mit den Worten: 'Her zu mir!" von Margarete gerissen.
      'Faust

II.

" Der zweite Teil der Faustdichtung steht an künstlerischer Geschlossenheit, Klarheit und Ãobersichtlichkeit hinter dem ersten zurück. Zahlreiche dunkle Szenen und Anspielungen erschweren das Verständnis.
      Wir finden Faust in anmutiger Gegend schlafend wieder. Gütige Elfen überdecken die quälende Vergangenheit mit dem Schleier des Vergessens. Faust erwacht: 'Des Lebens Pulse schlagen frisch-lebendig". Mephistopheles führt ihn nun an den Hof des Kaisers, ob vielleicht G!anz,aind_Ehxe Faust Befriedigung verschaffen könnten. Faust weiß sich außerdem durch Zauberkünste am Hofe beliebt zu machen und beschwört als höchste Leistung seiner Kunst Helena, das Urbild der Schönheit, aus der Unterwelt herauf. Als er sich ihr"Tn"Tiebe zü'nahern versucht, löst sich der Zauber aufV uncT Paust stürzt ohnmächtig zu Boden. Mephistopheles führt den bewußtlosen Faust in seine alte Studierstube zurück. Dort ist es unterdessen dem Famulus Wagner gelungen, auf chemischem Wege ein lebendes Menschlein - Homun-culus - in der Retorte zu erzeugen. Homunculus nun bringt Faust und Mephistopheles nach Griechenland zur 'Klassischen Walpurgisnacht", bei der sich die Gestalten der antiken Mythen zusammenfinden, wie die nordischen Hexen und Gespenster in dem Gegenstück der nordischen Walpurgisnacht des ersten Teils. Faust sucht unter der Menge von Gestalten nach Helena und steigt, als er sie nicht findet, in die Unterwelt hinab, um sie von dort heraufzuholen. Es gelingt ihm, und er gewinnt ihre Liebe: Deutschtum und griechische Schönheit schließen den großen Bund. Aber nach dem Tode ihres Sohnes Euphorion versinkt Helena wieder in die Unterwelt. Nichts als ihre Gewänder bleiben Faust; diese werden zu Wolken und tragen ihn in die alte Heimat zurück.
      Faust hat nun alle Arten des Genusses gekostet, aber auch in der Vereinigung mit der höchsten Schönheit keine Befriedigung gefunden. Er sehnt sich nach Tätigkeit. Mit Mephistopheles' Hilfe weiß er sich um den Kaiser verdient zu machen und erhält von ihm als Belohnung einen öden Streifen Meeresküste, den er in gewaltigem Kampf gegen das Meer in ein Kulturland verwandeln will. Aber unter dem Einfluß von Mephistopheles verstrickt er sich dabei in Gewalttat und Unrecht. Faust altert in seiner ruhelosen Tätigkeit und erblindet unter dem Hauch der Sorge. Aber rastlos wie er im Genießen war, ist er auch hier in schaffender Arbeit und will einen neuen Plan verwirklichen, die Trockenlegung eines großen Sumpfes. Doch während er den Befehl gibt, mit der Arbeit zu beginnen, graben schon dienende Gespenster sein Grab. Er steht am Ende seines Lebens. Trotz vieler Irrungen hat er 'in seinem dunklen Drange" zum wahren Glück, zur selbstlosen Tätigkeit für die Menschheit zurückgefunden: 'Im Vorgefühl von solchem hohen Glück / Genieß ich jetzt den höchsten Augenblick". Er sinkt um und stirbt. Mephistopheles will nun dem Vertrage gemäß sein Recht auf Fausts 'Unsterbliches" geltend machen, wird aber von den himmlischen Geistern zurückgewiesen. Denn wenn Faust vorahnend das höchste Glück verspürte, so verdankte er es eigener rastloser Arbeit, durch die er sich von Mephistopheles, d. h. vom Bösen frei gemacht hat. Darum tragen himmlische Genien seine Seele empor zum Himmel mit dem Gesänge:
Gerettet ist das edle Glied der Geisterwelt vom Bösen: wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.
     
Die Faustdichtung, in die Goethe die ganze Fülle und Weisheit eines reichen Lebens gebannt hat, gehört nicht nur als eine der großartigsten Schöpfungen der Weltliteratur an, sondern sie ist auch das bedeutsamste Vermächtnis des Dichters an die Nachwelt.
      Dichtung und Wahrheit. Wie kaum bei einem anderen Dichter sonst sind bei Goethe Leben und Werk in einzigartiger Weise ineinander und miteinander verflochten. Er hat uns diese Verflechtung von Leben und Werk nicht nur vorgelebt, er hat sie uns auch geschildert in seiner Selbstbiographie 'Aus meinem Leben, Dichtung und Wahrheit". In diesen seit 1811 erschienenen Selbstzeugnissen zeigt Goethe seine eigene Entwicklung von der frühesten Jugend bis zu seiner Ãobersiedlung nach Weimar auf. Das Werk rundet sich über das persönliche Erleben hinaus zu einem bedeutenden Beitrag für die Kultur- und Zeitgeschichte um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Im inneren Zusammenhang mit 'Dichtung und Wahrheit" stehen auch die Darstellung seiner 'Italienischen Reise" und die 'Annalen oder Tages- und Jahreshefte" . Des Dichters eigene Arbeiten werden für die letzten Jahrzehnte seines Lebens sinnvoll durch die 'Gespräche" mit seinem Hausfreund und Sekretär Eckermann ergänzt.
     

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