Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Die dichtung der ritterlichen welt

Index
» Die dichtung der ritterlichen welt
» DIE DICHTUNG DER RITTERLICHEN WELT

DIE DICHTUNG DER RITTERLICHEN WELT



Unter Friedrich Barbarossa und seinem Sohn Heinrich

VI.

hat das mittelalterliche Reich der Deutschen seine politische Glanzzeit erlebt. Das prächtige Reichsfest zu Mainz, Pfingsten 1184, auf welchem Friedrich I. vor rund 70 000 deutschen und französischen Gästen seine beiden Söhne zu Rittern schlug, war ein sichtbares Zeichen dieses Ruhmes. In der Architektur vollzieht sich der allmähliche Übergang vom romanischen Dom zur gotischen Kathedrale .
      In der Plastik erreicht die deutsche Kunst eine Höhe , die kaum mehr überboten werden konnte.
      In der Poesie schwingt sich die mittelhochdeutsche Sprache zur ersten Blütezeit der deutschen Dichtung auf. Es hat rund 600 Jahre gedauert, bis uns Goethe und Schiller eine vergleichbare „Klassik" deutscher Zunge bescherten.
      Architektur, Plastik und Poesie zusammengenommen aber atmen den Geist einer großen und einheitlichen Kultur. Träger dieser Kultur war der Ritter.
      Die ritterliche Kultur war nicht auf „Deutschland" beschränkt. Ritter gab es ja in vielen europäischen Ländern. Ihre Ausbildung haben sie nicht etwa in Deutschland, sondern in Frankreich erfahren, dem mächtigen Kulturherd des Mittelalters, von dem schon früher die große asketische Bewegung mit Kirchenreform, Scholastik und Mystik ausgegangen war. Ihre Anfänge führen an die Höfe des Adels in Südfrankreich, die wieder mancherlei Einfluß von den Arabern in Spanien erfuhren. Von Südfrankreich breiteten sich die neuen Formen ritterlichen Wesens nach Nordfrankreich aus und von dort über den Nieder- und Mittelrhein nach Deutschland. Wie an den süd- und noreifranzö-sischen Höfen, so ging es jetzt in Deutschland an den Weifenhöfen in Braunschweig und Bayern, am Hofe der Thüringer Grafen auf der Wartburg, der Staufer in Schwaben und der Babenberger in Österreich zu. Das Ritterwesen nahm auch hier französisches Gepräge an. Durch die Kreuzzüge, die Ritter aller Länder zusammenführten, wurde die Angleichung begünstigt: die ritterliche Kultur war international geworden.
      Ehre und Minne sind die beiden Grundtriebkräfte ritterlichen Lebens. Die Ritterehre steht oben an: diese gebietet, mit äußerstem Mute einzutreten für die ritterlichen Ideale im Dienste Gottes, für den der Ritter das Kreuz trägt, im Dienste des Herrn, dem er als Lehensmann ergeben ist, und im Dienste der Frauen, denen er „erbermde" erzeigt. Aber bei allem Kampfesmut strebt der Ritter doch nach den drei Tugenden mä^e , staete und triuwe . Neben dem Ideal der Ehre steht die Forderung der Minne, des Frauendienstes. Wie der Ritter seinem Herrn zu unverbrüchlicher Treue verpflichtet ist, so auch der Gattin seiffes Herrn, der Edeldame.
      Die Ideale der Zeit werden in der Dichtung der ritterlichen Welt besungen: im Epos und in der Lyrik .
     

 Tags:
DIE  DICHTUNG  DER  RITTERLICHEN  WELT    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com