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Die dichtung der ritterlichen welt

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Die Anfänge des deutschen Dramas



Das deutsche Drama erwuchs aus religiösen Feiern. Seine Keimzelle war die Feier der Auferstehung in der Kirche.
      In der Erzählung des Osterevangeliums von den drei Marien, die das heilige Grab am Ostermorgen besuchten, durch einen Engel die Auferstehung des Heilandes erfuhren und im Auftrage des Engels diese Heilsbotschaft den Jüngern überbrachten, liegt der Keim der ältesten geistlichen Spiele. Diese Osterfeiern wurden allmählich zu Osterspielen erweitert, indem andere Szenen in die Darstellung aufgenommen wurden. Als schließlich die ganze Leidensgeschichte Christi hinzukam, entstand das Passionsspiel. Die Osterspiele, die ins 12. Jahrhundert zurückgehen, wurden in der Kirche von Geistlichen in ernster und würdiger "Weise zur Erbauung des Volkes vorgetragen. Allmählich aber, namentlich im 13. Jahrhundert, gewannen Spielleute und Possenreißer Einfluß auf diese Spiele und mengten in die heilige Handlung derbkomische Züge. Die Geistlichen zogen sich von der Darstellung zurück, die Spiele selbst wurden aus der Kirche auf den Marktplatz verlegt, und mit den weltlichen Darstellern aus dem Volke trat auch die Sprache des Volkes an die Stelle des ursprünglichen Lateins. In den Passionsspielen von Oberammergau in Bayern und Erl in Tirol, früher auch in Höritz im Sudetenland, haben sich jene einst so verbreiteten und beliebten Passionsspiele des Mittelalters in neuerer Art bis in die Gegenwart hinein erhalten.
      Auch für den Weihnachtskreis entwickelten sich aus den kirchlichen Gebeten, Hymnen und Zeremonien Spiele, die die Begebenheiten des Weihnachtstages, des Tages der Unschuldigen Kinder und des Dreikönigstages darstellten. So entstanden Weihnachts- oder Krippenspiele und Dreikönigsspiele. Neben diesen 'Mysterienspielen" gab es Himmelfahrts-, Pfingst-, Fronleichnams-, Weltgerichts-, Legenden- und Lichtmeßspiele. Schließlich führte man die ganze christliche Heilsgeschichte vom Anfang bis zum Ende der Welt vor, wozu nicht selten mehrere Tage nötig waren.
      Als weltliches Gegenstück zum geistlichen Drama entstand im 14. und 15. Jahrhundert das meist sehr derbe Fastnachtsspiel, als dessen Wurzel wohl heidnische Maskentänze anzusehen sind. In dem Kampf der lichten Frühjahrsmächte gegen die finsteren Winterdämonen lag ein dramatischer Keim, der sich nur zu entfalten brauchte. Kämpfe bildeten auch tatsächlich den Gegenstand der ältesten Fastnachtsspiele: es ging in oft rohen Szenen aus dem Alltag um Ehestreitigkeiten und Gerichtshändel.
      Aus dem späteren Fastnachtsspiel entwickelte sich die Standessatire , in der, da seine Verfasser Bürger waren, in der Regel nichtbürgerliche Stände, vor allem die Bauern, als tölpelhaft und roh verspottet wurden. In ganz Deutschland wurden diese Stücke auf Märkten oder in Stuben aufgeführt. Erst im 15. Jahrhundert erlebte der oft unflätig gewordene Schwank eine literarische Wiedergeburt durch zwei Nürnberger Handwerker, Hans Rosenplüt und Hans Foix. Ihren Höhepunkt erreichte die Schwankdichtung jedoch erst im 16. Jahrhundert durch den ebenfalls in Nürnberg lebenden Hans Sachs.
     

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