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Die deutsche romantik

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Novalis (Friedrich von Hardenberg, I772-I80I)



Der bedeutendste dichterische Geist der Frühromantik, ja der Inbegriff des Romantikers überhaupt, war der frühvollendete Novalis. Seine dichterische Begabung entzündete sich an dem frühen Tod seiner jugendlichen Braut, die er nur um wenige Jahre überlebte. In seinen 'Hymnen an die Nacht" rührt Novalis, selbst schon den Todeskeim in sich spürend, an die Mysterien des Todes und des Schlafes. In ihren bilderreichen, freien Rhythmen drücken sie die Sehnsucht nach dem Tode, nach Erlösung von der Welt und nach Vereinigung mit dem All aus. Die Nacht verwischt alle Grenzen, ihr gehören die Ahnung, der Traum, die Poesie an.

      Die Innigkeit religiösen Empfindens spricht aus seinen 'Geistlichen Liedern", wie z. B. 'Wenn alle untreu werden" und 'Wenn ich ihn nur habe". Seine Marienlieder, in denen sich die Liebe zur verstorbenen Braut in die Liebe zu Maria, der Gottesmutter, wandelt, gehören zu den schönsten Zeugnissen deutscher Lyrik überhaupt:
Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria, lieblich ausgedrückt; Doch keins von allen kann dich schildern, Wie meine Seele dich erblickt.
      Ich weiß nur, daß der Welt Getümmel Seitdem mir wie ein Traum verweht Und ein unnennbar süßer Himmel Mir ewig im Gemüte steht.
      Den reinsten Ausdruck romantischen Wollens stellt jedoch sein groß angelegter, aber unvollendeter Roman 'Heinrich von Ofterdingen" dar. In ihm wollte er das Werden eines Dichters schildern, eines Sehers im romantischen Sinne, der ein neues Reich heraufführen soll, in dem sich Diesseits und Jenseits, Endliches und Unendliches vereinigen. Sehnsüchtig sucht Heinrich von Ofterdingen, einem Traum folgend, die 'blaue Blume" zu finden, die seit dieser Zeit zum Symbol der Romantik geworden ist. Alles äußere Geschehen hat tiefen Sinn und symbolische Bedeutung, und nur wenige Dichtungen der Romantik sind so traumselig wie gerade dieser Roman. In seinem berühmten Aufsatz 'Die Christenheit oder Europa" fordert Novalis aufs neue die beglückende Einheit, wie sie im Mittelalter aus der ungebrochenen gemeinsamen christlichen Weltanschauung und aus dem Zusammenklang zwischen Diesseits und Jenseits gegeben war. In seinen ' Aphorismen" aber hat er tiefsinnige Gedanken zur Religion, Philosophie, Geschichte und Naturwissenschaft niedergelegt. Dort findet sich auch der Satz, der das Wesen der Romantik am treffendsten wiedergibt: 'Nach innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Weiten, die Vergangenheit und die Zukunft."

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Novalis  (Friedrich  Hardenberg,  I772-I80I)    





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