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Rudolf Alexander Schröder



Bei den Wahrern der Form mußten die Gegensätze da am tiefsten aufklaffen, wo sie Rückhalt an einem persönlichen Bekenntnis suchten. Borchardt, der für jederlei Falschmün= zerei ein empfindliches Organ besaß, zollte der monumen= talen Beispielhaftigkeit Georges Bewunderung, jedoch nicht seinem schillernden Anhang. Hofmannsthal fühlte sein Leben lang die Augen eines unerbittlichen Schicksals auf sich gerichtet. Als der Boden ehemaliger Ordnung im= mer mehr unter seinen Füßen wegschwand, trat er ganz in die Ordnung seines Werkes ein, das nach rückwärts mit der Kultur der Jahrhunderte stetig verbunden war. Rudolf Alex= ander Schröder erfüllte noch einmal den reichen Formen* schätz abendländischer Lyrik mit eigenwilligem Leben, ohne je der Größe und Reinheit der Dichtung durch Manierismus Abbruch zu tun. Schröders Weg von der klassischen zur christlichen Dichtung ist der Weg einer immerwährenden Vertiefung von Treue und Bekenntnis. Er führt zur An= eignung des Erbes, das jedoch totes Erbe bliebe, wenn es nicht im Namen einer Lebens= und Glaubenswahrheit inner= lieh bekannt würde. Treue und Bekenntnis finden ihrengemeinsamen Ausdruck in Dienst und Demut. Dienst an der deutschen Sprache und dem überkommenen Erbe waren Schröders Nachdichtungen der Odyssee und der Ilias, der Oden des Horaz, der Bucolica, der Georgica und der Aeneis von Vergil. Die großen Ãœbersetzungsleistungen — Georges und Borchardts Dante=Ãœbertragung, der Zustrom fanzösi= scher, holländischer und englischer Dichtung durch Vermitt= lung des einen, provenzalischer und italienischer Lyrik durch Vermittlung des anderen — können hier nur erwähnt wer= den. Die Aneignung des Erbes blieb jedoch an die Lebens= Wahrheit eines persönlichen Bekenntnisses gebunden, und hier schieden sich die Wege. So läuterte sich in der Geist= liehen Dichtung Schröders die Treue zur Innigkeit der Glau= benswahrheit. Wenn Borchardt in seiner Rede auf Hof= mannsthal sagt, daß die Größe eines Dichters dort hervor= leuchte, wo er mit Schlichtheit jedem ans Herz greife, so hat Schröder in seiner späteren Dichtung — in der 'Ballade vom Wandersmann" und im 'Sonntagsevangelium" — diese Größe bewahrheitet. Doch eine Vergegenständlichung des Gedichts findet auch hier statt. Die unterweisende und aus= legende Form der Sonntags=Evangelien ist nach Bibeltexten garbeitet, von denen möglichst kein Wort verloren gehen soll. Im Unterschied zu den Gedichten — etwa im 'Buch vom Widerhall" — in dem Schröder der harmonischen Verschrän= kung der Reime und der Abwandlung der Klangwerte stärk= ste, ja beschwörende Wirkung abgewinnt, bleiben die Sonn= tags*Evangelien dienend auf das Wort der Schrift bezogen und versagen sich jede individuelle Einmischung.


     

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Rudolf  Alexander  Schröder    





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