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Das Kosmische Abenteuer
Das Abenteuer, dem eine entbundene Welt zufällt und das sich exzentrisch in ein Jenseits der Wirklichkeit verlagert, wird schon in der Lyrik vor 1914 gefeiert. Der Begriff Expressionismus verliert mit wachsendem Abstand immer mehr an definitorischer Bedeutung. Die hymnische Dichtung von Theodor Däubler versetzt uns an den äußersten Rand der kreisenden Sphäre und läßt die festen Erscheinungen mit den atmosphärischen verschmelzen. Noch im Schwung des Jahrmarktskarussells spürt Däubler dem Kreisen der Erdsphäre nach. Die Dinge sind in einem Tanz begriffen,der das Bewußtsein als dionysischer Taumel erfaßt und die dynamische Spannung zum Grenzenlosen hin spüren läßt. Doch wird bei Däubler die haltende Mitte noch nicht preisgegeben, der Umschlag ins Unbewußte noch nicht vollzogen. Planetensphäre und Karussell: in dieser zweifachen Exzentrizität des Überdimensionalen und des Artifiziellen ist ein lyrischer Charakterzug der Zeit zu erblicken. Max Dauthen-dey ist der Hymniker der 'Geflügelten Erde" und der Brettlsänger der 'Ammenballade". In der visionären Dichtung von Georg Heym wird die zerstückte Wirklichkeit noch einmal in große Bilder zusammengerafft. Das Lemurische der Gräber und Unterwasserwelt, wo sich die Wurzeln des Daseins vermischen, wird mit umgekehrter Transzendenz dem Kosmischen entgegengesetzt. Auch der 'Krieg" steigt aus den Abgründen herauf.
Hier ist an die Traumvision Hermann Hesses aus dem Jahr 1914 zu erinnern, in der geschildert wird, wie der Kriegsgott Mars in Begleitung der vielzähligen Götterschar aus der Tiefe emporsteigt und den Eingott der Notwendigkeit stürzt. Auch der Abraxas=Kult in 'Demian" weist mit umgekehrter Transzendenz in die Tiefe. Die kosmischen Visionen von Alfred Mombert lassen den Dämon längstversunkener Reiche wiedererstehen. Das Abenteuer dringt in archaische Bereiche vor, je flacher und ausdruckloser das Gesicht der Tageswirklichkeit wird. Es sucht jene Quellpunkte auf, wo noch das Elementare und Irrationale mit einem Nachglanz seiner ehemaligen Glut die erstarrte Kruste durchbricht: Zirkus, Jahrmarkt, Tingeltangel usw. Der Reiz der Inkongruenz zwischen Vision und Realität wird ausgekostet. So in der Dichtung des jungen Bertolt Brecht. Aber auch die Großstadt wird auf dämonische Art erlebt. Sie stellt sich als ein Gemacht dar, hinter dessen konstruktiver Fassade antlitzlose Mächte geballt sind. Das Großstadterlebnis hatte schon in der französischen Dichtung um die Jahrhundertwende diesen rationaldämonischen Doppelcharakter. Die Städtevisionen von Rimbaud, die 'Villes Tentaculaires" von Emile Verhaeren — den Stefan Zweig übersetzte —, waren bereits expressionistische Dichtung. Auch bei Ernst Stadler entrollt sich eine Großstadtvision in rhythmischen Langversen, deren drängende Dynamik das gelassene Ein und Aus klassischen Atems auffängt und in der Schwebe hält.
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