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Arbeiterdichtung



Es konnte nicht ausbleiben, daß sich die Dichtung auch eines Standes bemächtigte, der im Begriffe schien, das Neuland der Zukunft zu erobern. Romantische Sehnsucht des 'Wan= dervogel" und Arbeitermythos gingen eine eigenartige Ver= bindung ein. Zuweilen unterlief auch das Mißverständnis, als sei die heraufkommende Arbeiterklasse aus demselben Grunde gesellschaftsfremd wie der Dichter, der sich von ihr emanzipiert hatte. Immerhin stellte sich hier der Dich»tung eine reale Aufgabe, die — solange sie auf dem Boden der Arbeit selber geleistet wurde — eine echte Bereicherung darstellte. So bei Gerrit Engelke und Heinrich Lersch. Ver» fälscht wurde sie durch utopische Verherrlichung, durch Zu» kunftslorbeeren, mit denen man die Stirn des Schaffenden umkränzte und durch ein ausgeliehenes Freiheitspathos, das benachteiligten Ständen mit Vorliebe zum Trost ge= spendet wird.
      Auch in der Arbeiterdichtung war die Sehnsucht nach der Elite rege. Sie galt dem Menschen einer auf gehenden Epoche, als deren Vortrupp sich die Vogelfreien betrachteten. Lands» knecht und Arbeiter, Condottiere und aufständischer Bauer marschierten unter derselben Fahne. Als im Dritten Reich die Lieder jener Zeit neu aufgelegt wurden, machte die hetero» gene Mischung einen befremdenden Eindruck. 'Wilde Ge= seilen" und 'Mit uns zieht die neue Zeit", die Glocken des Bauernaufstandes und die 'Brüder aus Zechen und Gruben" fanden sich hier im Zeichen einer leeren Utopie zusammen. Nur die gemeinsame Bürgerfeindschaft ließ für Augenblicke vergessen, daß weder die Arbeiter gesonnen waren, Jugend» licher Schwärmerei zuliebe die Parias zu spielen, noch daß die bürgerlichen Prätentionen der Arbeiter bei den Vogel» freien auf Verständnis stießen.
     

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