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Das postrevolutionäre Stadium



Die Lyrik von Hans Egon Holthusen steht zwischen T. S. Eliot und Rainer Maria Rilke. Darauf ist immer wieder hin» gewiesen worden. Was aber bedeutet diese Zwischenstel» lung? Nach unserer früheren Definition reflektierte Rilke auf eine Ordnung, die nur noch durch subjektiv gefärbte Sinnzeichen verbürgt war. An dieser leeren Transzendenz, bei der die Wahrheit nur noch im persönlichen Bewußtsein aufgefangen wird, übte Eliot Kritik. Wahrheit und Schön» heit müßten, wenn sie zusammenfallen, etwas anderes sein, als wenn Schönheit, die nur ästhetisch verantwortet wird, für sich allein steht. Daß Eliot in dieser Frage nicht ganz klar entscheiden konnte, hängt mit seiner eigenen Situation zusammen, für die Wahrheit — so wie für Rilke Schönheit — nur noch allegorisch zu fassen ist. Aber für beide — für Eliot wie für Rilke — hat die Allegorie transzendente Bedeu» tung. Für beide ist Tradition transzendent, was auf hypo» thetische Art auch für Gottfried Benn gilt. Charakteristisch für Holthusens Verhältnis zu Eliot und Rilke ist die Tatsache, daß er ihre transzendente Tendenz rückläufig auffaßt. Das Nichts gleichsam im Rücken, spult er ihr voraus entworfenes Bekenntnis auf und führt es auf seinen Ursprung zurück. So gelingt es ihm zwar, die Span» nung zwischen Eliot und Rilke — die ihn persönlich angeht — aufzuheben, jedoch unter der stillschweigenden Voraus» setzung, daß ihr Gegensatz auf keinem aktuellen Spannungsfeld mehr ausgetragen werde. Aus der zusammen» gefaßten Leistung, die auf ein Ziel hingespannt ist, wird ein Streuungsbereich ästhetischer Momente. Diese Dissolution eines einheitlichen Spannungsbogens findet in Holthusens eigener Lyrik ihren Niederschlag. Daß sie an Rilkes 'Duineser Elegien", an T. S. Eliots 'Four Quar-tets" gelegentlich anklingt, brauchte noch keinen Einwand zu bedeuten. An irgendeiner Stelle muß lyrische Dichtung ihren Faden anspinnen. Daß aber Streuung — und beherrsche sie die weiteste Peripherie — bei Holthusen für Spannung eintritt, die auf den geringfügigsten Vorwand konzentriert sein kann, macht trotz bedeutender Schönheiten im einzelnen seine Gedichte im ganzen zu rhetorischen Leistungen, die ein vorgegebenes Panorama bestreichen.
     

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