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Werner Bergengruen



Als Kinder einer Zeit, die verlernt hat, an Stetigkeit zu glau= ben, finden wir nur noch in Werk und Persönlichkeit einiger Dichter die lebendige Gewähr für eigenständige Entwick» lung. Es werden ihrer immer weniger. Bergengruen hat in seinem Buch 'Der Letzte Rittmeister" die Persona des Autors mit der Persönlichkeit des Erzählers vertauscht. Wer nur die makellose Form seines Romans 'Der Großtyrann und das Gericht", die vollendete Abgewogenheit seiner No= velle 'Die drei Falken" oder den künstlichen Schliff seiner Oden kennt, wird ihm schwerlich die 'lactea ubertas" des Erzählers zutrauen. Und doch ist die erzählerische Ader die Quelle seiner Dichtung, die gefaßt und in Zucht genommen klassisches Ebenmaß erreicht. Es zeigt sich an Bergengruen, daß nur ursprüngliche Fülle die Form wahrhaft erfüllt. Genauer besehen, fließen in Bergengruens Werk die Ele» mente, die sich klassischer Bändigung widersetzen, reich» licher als die formgetreuen. So in den Geschichten 'Der Tod in Reval" oder in jenem Abschnitt des Romans 'Am Hirn» mel wie auf Erden", der 'Worbula" überschrieben ist, die Wiederbeschwörung wendischen Lebens. Manchmal sind wir geneigt, die 'Klassik" Bergengruens als ein sublimes Mißverständnis zu betrachten. Sprechen wir deshalb so rühmend von ihrer formalen Vollendung, weil wir das Gefühl haben, daß ihr ein Strom mit Absicht fern» gehalten wird, der in anderen Büchern unerschöpflich her» vorsprudelt? Das Klassische wirkt bei Bergengruen leicht stilisiert. Es fehlt ihm nicht an Schönheit und Ebenmaß, wohl aber an Blut und Wärme. Es besticht durch, seine lineare Nacktheit; es gibt zu denken, aber nur mittelbar zu fühlen. Unmittelbar heimatlich dagegen berühren uns jene Dichtungen, in denen ein saturnischer Charakter waltet, die der Welt des Wassers benachbart sind, die den großen und freigebigen Stil der baltischen Vorkriegswelt spüren lassen, oder die von Zigeunern und Zauberspuk bevölkert sind. Der Roman 'Das Feuerzeichen" hat Kleist'sches Gepräge. Er ist der äußerste Gegenpol zum 'Großtyrannen", mystisch, wo jener vernunftklar, maßlos, wo jener beherrscht ist. Beide Tendenzen in eine zu fassen, gelang Bergengruen in seinem Roman 'Am Himmel wie auf Erden", wo der cäsarischen Macht des Gestirns die elementare Herrschaft des Mythos entgegentritt.

      'Der Letzte Rittmeister" ist vielleicht Bergengruens schön* stes Buch, weil er darin am unmittelbarsten hervortritt. Sein größtes Buch ist der Roman 'Am Himmel wie auf Erden", in dem Gesetz und Element, Geist und Mythos einander im Angesicht der Katastrophe begegnen.
     

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