Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Die deutsche literatur

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Allgemeine Voraussetzungen



Unsere Betrachtung der Nachkriegsliteratur ist der Versuch einer topographischen Aufnahme. Rein literarische Maß= Stäbe werden zur Bewältigung der Aufgabe nicht ausrei= chen. Die Literatur als soziales Phänomen deckt sich nicht mehr mit ihren früheren Grenzen. Der Unterschied zwi= sehen Dichter und Schriftsteller, der unter Wahrung der beiderseitigen Rechte z. B. in Frankreich mit größerer Billig= keit getroffen wird als bei uns, weshalb es bereits in den zwanziger Jahren zu unfruchtbaren Auseinandersetzungen zwischen Literaten und Dichtern, zwischen sogenannten Intellektuellen und sogenannten 'Romantikern" kam, hat sich inzwischen noch mehr verwischt. Neue Gattungen wie Hörspiel und Funkreportage — sind hinzugekommen. Ob sie sich als künstlerische Gattungen behaupten, bleibt ab= zuwarten. Es fehlt nicht an Gruppen, die nach amerikani= schem Vorbild Reportage und Feature als moderne 'Vor= schule der Ästhetik" anpreisen. Der künstlerische Rang amerikanischer Tatsachenromane — man denke an 'The Wall" von John Hersey — scheint der Empfehlung recht zu geben. Auch die soziale Stellung des Schriftstellers hat sich im ganzen gewandelt. Die literarische Boheme wird nur noch künstlich konserviert. Presse und Rundfunk sichern vielen Schriftstellern die Existenzgrundlage. Vom literarischen Leben früherer Zeiten, das sich in gleichgesinn= ten Gruppen abspielte, um Verlage und deren Zeitschriften sammelte oder in bestimmten Lokalen beheimatet war, ist wenig übrig geblieben.
      Gegenseitiges Kennenlernen bei Tagungen oder Kongres= sen führt selten zu einem stetigen Austausch. Ansätze, das literarische Leben zusammenzufassen und dem Schrift» steller oder Dichter ein gewisses Maß an Repräsentanz zu sichern, sind zwar genügend vorhanden. Doch sind der wechselnden Schwerpunkte zu viele, als daß sich Institu= tionen entfalten und Autorität gewinnen könnten. So unfest der allgemeine Gesellschaftszustand geworden ist, so un= klar in seinen Schichtungen, so unberechenbar in seinen Reaktionen: ebenso schwankend, ungleichmäßig und un= einheitlich ist die Literatur der Nachkriegszeit bisher ge= blieben.
     

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