Familiäres Chaos und bürgerliche Moral |
| Der sogenannte "erste deutsche bürgerliche Familienroman"1, Christian Fürchtegott Gellerts Ix'hen der schwedischen Gräfin von G** (1747/48), beginnt mit dem Tod eines Geschlechts und der daraus folgenden Unsagbarkeit der Familiengenealogie. Stattdessen ergeht die Rede von einem anderen Geschlecht, v |
Familien ohne Kindheiten |
| Der heutige Leser von Gcllerts Gräfin wird sich über den Anfang des Romans im Kindesalter der Erzählerin kaum wundern. Zweihundert Jahre bürgerliche Kultur- und Geistesgeschichte haben nach der Entdeckung und Diskursivierung dieses Lebensalters nicht nur Mythen und Mythologien der Kindheit geschrieb |
Sozialisation als Reterritorialisierung der Frau |
| Die Schwedische Gräfin ist nicht nur wiederholt als "Familienroman" bezeichnet worden, sondern gilt geradezu als Paradigma eines bürgerlichen "Erziehungsromans". Die Selbstdarstellung der Lebensgeschichte der Gräfin wird dementsprechend als Phasenmodell der Erziehung gelesen: Erwerb von Tugenden dur |
Männlicher Buchstabe und weibliches Herz |
| Der Erziehung des Vetters, die das Mädchen aus der Welt entfernt, das Selbst vom Körper trennt und das weibliche Begehren durch die Erfüllung des männlichen definiert, liegt eine neuartige Struktur zugrunde, welche für die Erfindung der bürgerlichen Kindheit konstitutive Bedeutung hat. Die rationali |