Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt

Referat Projekt, Charakterisierung, Interpretation, Papier, Essay
Deutsche novellen
Die Zeit um die Jahreswende 1900/1901 war für Thomas Mann eine Zeit quälender Ungewißheit über Annahme oder Ablehnung des "Bud-denbrooks"-Manuskriptes durch den S. Fischer Verlag. In diesen Monaten re
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Gegenstandsanalyse



Zunächst sei der Inhalt der Erzählung knapp vergegenwärtigt: Der laute und robuste norddeutsche Großkaufmann Klöterjahn bringt seine stille, zarte Frau Gabriele in das von einer bunten Schar Patienten bevölkerte Gebirgssanatorium Einfried, damit sie dort ihr angeblich harmloses Luftröhrenleiden auskuriert. Sie war davon ergriffen worden, nachdem sie ihren kräftigen Sohn Anton geboren hatte. Gabriele Klöterjahn entstammt einer alten Patrizierfamilie und ist künstlerisch veranlagt. Sie erregt in Einfried schon wegen ihres Äußeren allgemeines Aufsehen. Besonders der einzelgängerisch-kauzige Schriftsteller Detlev Spinell, der bisher einen einzigen Roman "von mäßigem Umfange" verfaßt hat, wendet sich ihr zu. Er, der von den anderen Sanatoriumsgästen seines Aussehens wegen "der verweste Säugling" genannt wird und wirklichkeitsfern und schönheitsselig in Einfried dahinlebt, gewinnt zunehmend das Vertrauen der zerbrechlich-schönen Frau. Sie erzählt von ihrer Jugend, von ihrem Vater, der mehr Künstler als Kaufmann war, und von ihrer ersten Begegnung mit Klöterjahn im Garten des väterlichen Hauses. Unter dem Einfluß Spinells entfremdet sie sich mehr und mehr von Mann und Kind. Ihr Zustand bessert sich nicht, weswegen ihr von den Ärzten auch untersagt wird, Klavier zu spielen. Als für die Gäste des Sanatoriums eine Schlittenpartie veranstaltet wird, nehmen Gabriele wie auch Spinell nicht teil. Im Konversationszimmer des Hauses überredet der Schriftsteller Gabriele, ihm aus den "Nocturnes" von Chopin und dann aus dem Klavierauszug von Wagners "Tristan und Isolde" vorzuspielen. Das Sehnsuchts-, das Liebes- und das Todesmotiv erklingen. Beide sind ergriffen von den "trunkenen Gesängen des Mysterienspiels". Sie finden zueinander im Medium der Musik "in einer imaginären Sphäre, die gleichwohl seelische Wirklichkeit ist" . Als Spinell geht, wendet er sich noch einmal um, kniet nieder und faltet die Hände wie im Gebet. Zwei Tage später verschlechtert sich Gabrieles Zustand zusehends. Herr Klöterjahn wird telegrafisch herbeigerufen und kommt mit Sohn und Kindermädchen angereist. Spinell, dem der laute Klöterjahn ebenso zuwider ist wie dessen von Lebenskraft strotzender Sohn, schreibt einen langen Brief an Gabrieles Mann. Er wirft ihm darin vor, jener habe deren von Anfang an todbestimmte Schönheit nie erkannt, sondern lediglich von ihr Besitz ergriffen, sie ausgenützt und entweiht. Er hasse ihn und sein Kind als Vertreter des gemeinen, lächerlichen und dennoch triumphierenden Lebens, das "den ewigen Gegensatz und Todfeind der Schönheit" darstelle. Zugleich rühmt sich Spinell, es sei sein Verdienst, wenn Gabriele jetzt "stolz und selig unter dem tödlichen Kuß der Schönheit vergeht". Auf diesen Brief hin stellt Klöterjahn den Schriftsteller wütend zur Rede. Mitten in die Auseinandersetzung hinein trifft die Nachricht, daß Gabriele, als sie "ein Stückchen Musik" vor sich hinsummte, einen Blutsturz erlitten hat und stirbt. Klöterjahn, in dem "ein warmes, gutes, menschliches und redlichen Gefühl" hervorbricht, eilt zu ihr. Spinell hingegen trinkt einen Kognak und unternimmt einen Spaziergang in den Park, wobei er seinerseits "ein Stückchen Musik" vor sich hinsummt, das Sehnsuchtsmotiv aus "Tristan und Isolde". Dabei trifft er im Schein der untergehenden Sonne auf das Kindermädchen mit dem von animalischem Wohlbefinden erfüllten, jauchzenden Anton Klöterjahn jun. Er macht kehrt und geht fort "mit den gewaltsam zögernden Schritten jemandes, der verbergen will, daß er innerlich davonläuft".
      Betrachtet man den Aufbau, so ergibt sich, daß der Text in zwölf Erzählabschnitte gegliedert ist, die in Anlehnung an Karsten Witte etwa so gekennzeichnet werden können:


1. Sanatorium Einfried

2. Ehepaar Klöterjahn
3. Gabrieles Geschichte, von ihrem Mann erzählt

4. Spinell
5. Spinell und das Ehepaar Klöterjahn; erstes Kennenlernen

6. Gabriele und Spinell; näheres Kennenlernen
7. Gabrieles Geschichte, von ihr selbst erzählt

8. Spinell und Gabriele als "Tristan und Isolde"
9. Klöterjahn und Sohn

10. Gabrieles Geschichte, in Spinells Brief erzählt
11 Auseinandersetzung zwischen Klöterjahn und Spinell; Gabrieles Tod

12. Spinell und Anton Klöterjahn
Witte weist darauf hin, daß die Erzählung streckenweise vom Dialog bestimmt wird, wodurch die Erzählabschnitte zu Szenen werden, die sich nach dramatischer Tektonik zu einem Stück fügen. Der Erzähler fungiere darin als Spielleiter. Witte entwickelt von daher ein "dramatisches Schema der Novelle":

1. Prolog
2.-4. Exposition

5.-7. Konflikt
8. Klimax

9.-11. Katastrophe
12. Epilog
Er betont, daß die klassische Dreizahl die Proportionen des Aufbaus bestimmt: "Drei Einzelszenen schließen in sich drei Gruppen von drei Szenen ein, in denen dreimal Gabrieles Geschichte von drei verschiedenen Erzählern berichtet wird." . Dieser Beschreibung des Aufbaus sei nur noch ergänzend hinzugefügt, daß die den Höhepunkt bringende Tristan-Szene exakt in der Mitte des Textes beginnt . Sie bildet also auch formal die Kernszene, um die herum der Autor die Handlung komponiert hat.
      Fragt man nach dem Thema der Novelle, so bieten sich Gegensatzpaare wie Leben und Kunst, Leben und Schönheit, konkretisiert im Gegensatz Bürger und Künstler, an, Antagonismen also, wie sie gerade im Werk des frühen Thomas Mann immer wieder zu finden sind. Dabei erfahren diese Gegensätze in "Tristan" eine besondere Akzentuierung. Nicht die Spannung zwischen Kunst und Leben schlechthin bildet das Thema, sondern die zwischen lebenskräftig-erfolgreich-produktivem Bürger einerseits und lebensschwach-erfolglos-unproduktivem Künstler andererseits. Ersterer personifiziert im Großkaufmann Klöter

Jahn und auch schon in seinem Sohn Anton, letzterer mit unterschiedlicher Ausprägung gestaltet in Gabriele Klöterjahn und Detlev Spinell. Gabriele ist an der Entfaltung ihrer durchaus vorhandenen künstlerischen Anlagen durch ihre lebensbejahende Verbindung mit dem Bürger Klöterjahn und durch die daraus schließlich resultierende Krankheit gehindert worden. Spinell hat die auch bei ihm im Ansatz vorhandenen künstlerischen Qualifikationen nicht zu entfalten vermocht, weil er lebensfeindlich und menschenfern in sterilem Ästhetizismus dahinexistiert. Gabriele, die potentiell große Künstlerin, die an das Leben mit seinen Wirklichkeiten verlorengeht, Spinell, der potentielle Künstler, der sich an die Schönheit und in Unwirklichkeiten verliert.
      Versteht man das antagonistische Thema im Text derart durch Personen verkörpert, so ist die Frage, ob Gabriele Klöterjahn oder Detlev Spinell die Hauptfigur der Novelle darstelle, in dieser Form gar nicht zu beantworten. Beide stehen, aufeinander bezogen, als unterschiedliche Personifikationen des Künstlers, der aus jeweils anderer Haltung zum Leben nicht zu wahrem Künstlertum gelangt, im Zentrum der Erzählung. Mit wechselnder räumlicher Distanz, die in der Entrücktheit der Tristan-Szene am weitesten ist, sind sie umgeben von einer Reihe weiterer Figuren. Es sind dies die Ärzte, das Personal und die übrigen Patienten von Einfried als Vertreter einer gelegentlich schon unwirklichen Zwischenwelt zwischen Leben und Tod, und insbesondere drei weitere Figuren, nämlich der ältere und der jüngere Klöterjahn und dessen Kindermädchen als Vertreter des wirklichen Lebens draußen. In der von Schwachheit und Krankheit erfüllten und von "Todesschönheit" angehauchten Zwischenwelt treten sie kraftstrotzend, gesund und mit einer den Schönheitssinn verletzenden Lebendigkeit auf, angesichts derer Spinell schließlich nur die Flucht bleibt.
      Im Gegensatz zu Rilla , der in Detlev Spinell die Hauptfigur sieht, "die Figur, auf die es ankommt, [. . .) um derentwillen die Erzählung geschrieben wurde", aber auch im Gegensatz zu Kirchberger , die Gabriele Klöterjahn als die Hauptfigur ansieht, wird hier also von einer Figurenkonstellation ausgegangen, die keiner der beiden genannten Personen eine Vorrangstellung eingeräumt. Eine solche Auffassung verträgt sich durchaus mit der Haltung, die der Erzähler gegenüber beiden einnimmt. Zwar gilt seine Sympathie offensichtlich Gabriele Klöterjahn. Sie ist die einzige Person im Text, der er kaum mit Ironie begegnet und auf die sein Spott nicht abzielt, während Spinell immer wieder Gegenstand seiner Ironie und Ziel seines Spottes ist. Das muß aber keineswegs eine Rangordnung im Figurengefüge bedeuten. Es entspräche durchaus dem frühen Thomas Mann, zwei Möglichkeiten des künstlerischen Scheiterns im und am Leben zu sehen, diese auch als

Eventualitäten für sich selbst zu erkennen, der einen, ohne sie zu bejahen, eher verstehend gegenüberzustehen und sich von der anderen spöttisch zu distanzieren. Die Gefahr für den Künstler, sich an das bürgerliche Leben zu verlieren, wäre dann ebenso groß wie jene, einer lebensfernen Schönheitstrunkenheit zu erliegen . Einem Verfall an das Leben wäre aber dann immer noch eher mit Verständnis zu begegnen . Paul Rilla formuliert das so:
"Der realistische Erzähler Thomas Mann erkennt die bürgerliche Wirklichkeit als kunst- und geistesfeindlich. Doch er erkennt, daß sie immer noch stärker ist als ein Künstlertum, welches ihr nichts entgegenzustellen hat als eine ästhetische Selbstbefriedigung, die überhaupt an keine Wirklichkeit rührt. [. . . Er trifft im ,Tristan' die gesellschaftliche Leere der bürgerlichen Welt mit überlegenem Witz, aber er trifft sie am schärfsten in ihrem ästhetischen Widerspiel. Denn die künstlerische Dekadenz bleibt das ästhetische Widerspiel der bürgerlichen Dekadenz, doppelt unfruchtbar, weil ihre Bürgerverachtung nur die Ohnmacht ist, mit der Wirklichkeit fertigzuwerden, und nur der Drang, vor der bürgerlichen Leere in eine entleerte Kulissenwelt des schönen Scheins, der tristen Scheinbarkeit zu entfliehen."
Nun entspräche es sicher nicht Thomas Manns künstlerischer Qualität, wollte man annehmen, er habe um einen so gesehenen thematischen Kern Personen erfunden und Handlungen arrangiert und so das Problem Leben und Kunst inszeniert. Vielmehr ist Lang zuzustimmen, der meint, ein solches Vorgehen des Autors zu vermuten, hieße, ihn zu einem "literarischen Konstrukteur" abstempeln. Obwohl, wie so oft bei Thomas Mann, auch in "Tristan" eine Vielzahl von Eindrücken und Vorbildern aus der zeitgenössischen wie literar- und musik- und kunsthistorischen Realität mittels der für ihn typischen Montagetechnik verarbeitet sind, darf der künstlerische Entstehungsprozeß auch dieser Erzählung nicht so mißverstanden werden, als habe Thomas Mann im Text eine primäre Idee unter sekundärer Zuhilfenahme realistischer Eindrük-ke und Vorbilder konkretisiert oder auch umgekehrt primäre Realitätserfahrungen idealisierend gestaltet. Vielmehr ist ein integrativer Schaffensprozeß anzunehmen, in welchem dem Autor Idee und Realität stets simultan gewärtig waren. Bei keiner der beiden genannten Vorgehensweisen wären nämlich Personen entstanden, die wie die des "Tristan" Menschen von Fleisch und Blut sind. Letzteres gilt nicht nur für so lebensecht gestaltete Figuren wie die des Großkaufmanns Klöterjahn, seines Sohnes Anton und auch die des Kindermädchens. Gerade diese "Person", die stets "Rot, Gold und Schottisch" gekleidet ist, so daß sie bei Klöterjahns Vorliebe für alles Britische und seiner Neigung zum
Dienstpersonal geradezu schon als die künftige Frau Klöterjahn verstanden werden kann, ist bereits mit wenigen sprachlichen Mitteln so lebensnah gestaltet, daß ihre Vernachlässigung in bisherigen Interpretationen verwundern muß. Ein Mensch aus Fleisch und Blut ist, bei aller stilisierten Darstellung ihrer fragilen Schönheit , aber auch Gabriele, und ein solcher ist, obwohl er auf den ersten Blick eher wie die Karikatur eines Schöngeistes wirkt, auch Detlev Spinell. Thomas Mann selbst charakterisiert ihn einmal als "entschieden komische Figur", als "Ästhet" mit einem "skurillen Schönheitssinn" .
      An dieser Figur sei das soeben über die Personendarstellung Gesagte verdeutlicht. Mit dem ihm eigenen exakten Realismus, der freilich auch "stets ein Symbolismus" ist , mit der für ihn schon als charakteristisch bezeichneten Montagetechnik , hat der Autor in dieser Figur Vorbilder aus Literatur und Gegenwart zu einer integrativen Einheit verschmolzen. Da sind zum einen die Zeitgenossen und Freunde Arthur Holitscher und Peter Altenberg zu nennen, von denen der erstere dem Autor, als er sich in Spinell wiedererkannt hatte, "spinnefeind" war, und das trotz der "zuverlässig freundschaftlichen Gesinnung" der Widmung durch Thomas Mann . Darüber hinaus wird in der Sekundärliteratur als Vorbild aber auch auf E. T. A. Hoffmanns Figur Dr. Mirakel in "Rat Krespel" sowie auf Bezüge zu Heinrich Manns "Doktor Biebers Versuchung" hingewiesen . Obwohl also das Ergebnis einer künstlerischen Montage, wirkt Spinell beim Lesen keineswegs wie eine Konstruktion. Er ist vielmehr sogar so lebenig-realistisch gestaltet, daß Henry Olsen als medizinischer Diagnostiker anhand einer Vielzahl von Symptomen, die Thomas Mann exakt dargestellt hat, jene Krankheit zu bestimmen vermochte, derentwegen Spinell sich in Einfried aufhält und die er gegenüber Gabriele aus begreiflichen Gründen verschweigt: Akromegalie, die sich zur Dystrophia adiposo-genitalis entwickelt hat und die mit Impotenz verbunden ist ! Berücksichtigt man diese aufgrund der lebendig-realistischen Darstellung gewonnene Diagnose, dann gewinnt die Erzählung mit dem Titel "Tristan" und den dadurch hervorgerufenen literarhistorischen Assoziationen besondere Delikatesse. Gleiches gilt für die allein mystische Vereinigung der beiden Hauptfiguren in der Tristan-Szene wie auch für das zweikampfartige Aufeinandertreffen Klöterjahn - Spinell . Von daher ist vielleicht auch Holitschers oben erwähnte Reaktion verständlich, von der Thomas Mann schreibt: "Ich wollte ihm eben beteuern, daß es nicht persönlichgemeint sei, und zuerst ging er auch mit liberalem Händedruck darauf ein, nachher aber war es stärker als er." .
      Innerhalb des Handlungsverlaufes sind vier Szenen besonders herausragend: die Brunnenszene, die Tristanszene, die Auseinandersetzung Klöterjahn - Spinell und die Schlußszene. Erstere wird in der Rückschau aus der Sicht von drei Personen dargestellt: zunächst wirklichkeitsnah aus jener Gabrieles , in Verbindung damit bereits teilweise aus der Sicht Spinells, der Gabrieles Darstellung immer wieder ins Märchenhafte umstilisiert, bis er schließlich seine Version auch schriftlich niederlegt , und schließlich aus der handfest-realistischen Sicht Herrn Klöterjahns . Wolfdietrich Rasch, der den Springbrunnen als "das zentrale Symbol der ganzen Erzählung" ansieht, "ein Symbol des Lebens in seiner Totalität, weil er Aufstieg und Niedergang, Leben und Tod gleichermaßen in sich vereint" zeigt eindrucksvoll, daß diese Brunnenszene in der Version Spinells eine typische Jugendstilszene ist. Er meint, daß es in der bedeutenden Prosadichtung um 1900 nur wenige Stellen gebe, die so unmittelbar an ein Bild oder an eine Zeichnung des Jugendstils, etwa an ein Blatt von Vogeler oder Fidus, erinnern. Thomas Mann habe hier vermutlich eine solche Vorlage verwendet. Zugleich hebt Rasch aber hervor, daß der Autor ein "ambivalentes Verhältnis" zum Jugendstil habe. Er habe "am Jugendstil inneren Anteil und zugleich ironischen Abstand von ihm, einen kritischen Vorbehalt". Ähnlich äußern sich Hermand , der in den Jugendstil-Elementen bei Thomas Mann eine "deutliche Wendung ins Karikaturistische" erkennt; und auch Karthaus betont, daß Thomas Manns Frühwerk "keineswegs bruchlos" im Jugendstil aufgehe.
      Als "ambivalent" ist auch das Verhältnis Thomas Manns zu Richard Wagner und der Neoromantik zu bezeichnen, in deren Stil die Tristan-Szene gefaßt ist, die man auch als imaginäre Liebesszene bezeichnen kann. Sie verläuft entsprechend der Abfolge des zweiten Aktes der Oper "Tristan und Isolde". Thomas Mann selbst schrieb dazu: "Es war die Zeit der Maienblüte meiner Begeisterung für das ,Opus metaphysicum', und ich habe mich da wohl wirklich etwas gehen lassen. Aber Musikbeschreibung war immer meine Schwäche ." . Entsprechend unterschiedlich wird die Szene auch in der Sekundärliteratur gewertet. Lang meint "die Wahl der Wagner-Oper als Mittelpunktszene und als Titel ein schlechthin genialer Griff" und die Darstellung in der fraglichen Szene sei "ohne Ironie, ohne Versteckspiel mit dem Leser, geradezu hymnisch" .
      Rasch erkennt "in der Klavierszene mit der Tristan-Musik" Interieur-Bilder der Jugendstilzeit, betont die "unüberhörbaren Anklänge an die christliche Vorstellungswelt und ihre Sprache" und sieht eine ernste Vergegenwärtigung der erotischen Todesmystik Wagners . Witte hingegen spricht von einer "Tristan-Burleske" und meint, die Übernahmen aus Wagners Libretto in die Tristan-Szene hätten parodistischen Charakter.
      Ohne Zweifel aber handelt es sich bei dieser Szene um die Kernszene der Erzählung, in welcher die Handlung, die Lang als "Verführung Gabrieles zum Tode" auffaßt, kulminiert und in der auch die sprachliche Gestaltung von höchster Dichte ist. Wie kunstvoll dabei die Wagnerische Textvorgabe verarbeitet wurde, könnte anhand der folgenden Gegenüberstellung deutlich werden :

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