Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutsche novellen
Schach von Wuthenow - Erzählung aus der Zeit des Regiments Gensdarmes: „Gott, wer liest die Novelle in der Schule?" könnte man in Abänderung einer Fontane-Äußerung' sagen, wenn man bedenkt, wie dieser
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Untersuchungsschwerpunkte



Die oben skizzierten Schwierigkeiten bedingen Untersuchungsschwerpunkte, die die voraussichtliche Rezeptionsweise des Textes durch 17-20jährige berücksichtigen.
      Auch den Schüler der Oberstufe interessieren primär Inhalte, sieht man ab von Texten, die durch eine besonders eigenwillige Struktur auffallen. Damit rückt der individuelle 'Fall Schach" in den Vordergrund; das Interesse an seiner Persönlichkeit, seiner Entwicklung und seinen Motiven für sein Verhalten ist meist größer als das an der historischen Dimension der Erzählung. Diese Schwerpunktsetzung befindet sich durchaus im Einklang mit vorhandenen Interpretationsansätzen , die die psychologische 'Durchleuchtung" der Figur 'Schach" höher bewerten als die im Verhalten der Hauptfigur sich spiegelnde Kritik an gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen. Um die durch viele Gespräche und — etwa im 14. Kapitel - symbolhafte Beschreibungen vor allem indirekt charakterisierte Figur, ihre Verflechtung mit anderen voll erfassen zu können, müssen die Schüler vorweg Inhalt und Konstellation der wichtigsten Personen rekapitulieren und sichern. Dieses recht konventionelle Vorgehen zu Beginn wurde bewußt gewählt, um sicherzustellen, daß möglichst alle Schüler ein großes Maß an genauer Textkenntnis besitzen. Als 'Einstieg" in die eigentliche Besprechung kann ein auf die Figur des Schach zugeschnittenes Polaritätenprofil dienen. Es liefert die ersten Bilder, die die Leser von der Hauptfigur gewonnen haben, bietet eine Grundlage für ein charakterisierendes Gespräch und schafft Raum für die beim Lesen aufgestauten Reaktionen. Dabei stellen die in der Profilbeschreibung vorgegebenen Adjektive lediglich Reizwörter dar, die zu einer Ãœberprüfung herausfordern und zu Ãœbernahme, Relativierung oder Ablehnung führen können. Zudem werden die Schüler dann, wenn sie den von ihnen gesetzten Stellenwert der verschiedenen Positionen des Profils vertreten wollen, gezwungen zu argumentieren. Eine Wiederholung zu einem späteren Zeitpunkt der Besprechung wird Aufschluß darüber geben, inwieweit und evtl. wodurch sich das Bild von Schach verändert hat.
      Bei dem Bemühen um einen kommunikativ ausgerichteten Literaturunterricht stellt sich im vorliegenden Fall auch mit der Erhellung des Produktionsprozesses eine dankbare Aufgabe. Wertvolle Hilfen dazu gibt der Ullstein-Band von Pierre-Paul Sagave aus der Reihe 'Dichtung und Wirklichkeit". Briefliche Zeugnisse, die Entstehung und zeitgenössische Rezeption betreffend, finden sich im Anhang der hier zugrundegelegten Textausgabe.
      Da 'Schach" repräsentative Strukturen des Poetischen Realismus im Fontaneschen Sinn besitzt, kann dieses Bemühen ergänzt werden durch die Einbeziehung von Texten, die die literargeschichtliche Einordnung ermöglichen, wenngleich sich hier vor allem wegen fehlender Kenntnis anderer Werke Fontanes oder anderer Autoren des Realismus von vornherein Grenzen ergeben. Mehr Erfolg verspricht hier sicherlich eine Ausweitung der Analyse, die das historische Umfeld verdeutlicht und einbezieht.
      Auch im Rahmen einer didaktischen Reflexion stellt sich die Frage nach dem Stellenwert eines gattungspoetischen Ansatzes. Etliche Lehrpläne der jüngsten Zeit betonen diesen Zugang, der es ermöglicht, dem Schüler ein erstes, erlernbares Instrumentarium an die Hand zu geben, damit er bei der Analyse Bezugspunkte zur Verfügung hat. Ob der Schüler dabei immer in der Lage ist, der Eigenart des jeweils vorliegenden Textes gerecht zu werden, wenn er einen mehr oder minder umfangreichen Katalog von 'Merkmalen" anlegt, ist zu bezweifeln. Bei dem uns vorliegenden Text hierbei besonders vorsichtig zu sein, erscheint auch aus den in 1.2 dargelegten Gründen ratsam. Ein Zurücknehmen des gattungspoetischen Zugangs muß deswegen diese Fragestellungen nicht völlig ausschließen.

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