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Schach von Wuthenow - Erzählung aus der Zeit des Regiments Gensdarmes: „Gott, wer liest die Novelle in der Schule?" könnte man in Abänderung einer Fontane-Äußerung' sagen, wenn man bedenkt, wie dieser
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Didaktische Reflexion - Der Schüler als Leser



Bei dem Vorhaben, 'Schach von Wuthenow" als Lektüre im Deutschunterricht zu lesen, müssen verschiedene Schwierigkeiten bedacht werden: Die relativ lange und komplexe Erzählung spielt in einer Zeit, die dem Schüler weitgehend fremd ist; es wäre unrealistisch, davon auszugehen, daß der für das Verständnis unbedingt notwendige geschichtliche Hintergrund vorhanden ist. Da nur in seltenen Fällen der Geschichtsunterricht parallel die fehlenden Informationen liefern kann, muß dieses Fundament — etwa durch Schülerreferate — erst gelegt werden. Schwierigkeiten werden auch die in 'Schach" dominierenden Gespräche liefern, die sowohl von ihrer Thematik als auch der Art der Gesprächsführung her keinen die Schüler motivierenden Ansatz bieten. Das in den Augen von Jugendlichen bestehende 'Handlungsdefizit", sprachliche Eigentümlichkeiten sowie veraltete, heute ungebräuchliche Ausdrücke stellen für die Behandlung im Unterricht eine Erschwernis dar.
      Mit keiner der Personen wird sich der Jugendliche identifizieren können; die Kernprobleme sind, zumindest direkt, nicht auf die eigene Existenz übertragbar. Dazu kommt, daß auch durch die Struktur keine Betroffenheit ausgelöst werden wird, wie es etwa bei formal eigenwilligen Erzählungen des 20. Jahrhunderts der Fall sein kann.
      So muß der Deutschlehrer von vornherein eine distanzierte Lesehaltung einkalkulieren. Diese muß bei der Konzeption einer Unterrichtseinheit einen deutlichen Stellenwert bekommen: dem Schüler bewußt zu machen, daß er als 'Untersuchender" einen Text vorgelegt bekommt, ist in der Oberstufe legitim. Aus diesem Grund sind gezielte Lesehinweise vor der häuslichen Lektüre des Textes notwendig; nur so ist ein fundiertes, am Text orientiertes Gespräch möglich. Die Hinweise dürfen allerdings den Schüler nicht zu stark beeinflussen, damit eine eigenständige Rezeption des Textes nicht verhindert wird.
      In welcher Jahrgangsstufe der Text in der Oberstufe vorzugsweise eingesetzt werden soll, hängt sicherlich in erster Linie vom Lehrplan, u. U. auch von dem in ihm enthaltenen Spielraum ab.
     

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