Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutsche novellen
Ein ehemaliger Schulklassiker im Literaturunterricht von heute (Mit Unterrichtsversuchen von Horst Ehbauer und Johan van Soeren)
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Ort der Handlung ist ein spanisches Karmeliterkloster, das in den Wirren des Bürgerkrieges 1936/37 von den Republikanern in ein Gefängnis verwandelt wurde. Der ehemalige Mönch Padre Consalves, der sich jetzt als Franco-Söldling Paco nennt, wird als Häftling dorthin zurückgebracht und erreicht es, in seine alte Zelle zu kommen. Dieser Raum bietet ihm eine gute Fluchtmöglichkeit, da er als Mönch die Gitterstäbe angesägt hatte. Weiterhin gelingt es ihm, ein Messer zu erhalten. Nun besteht für ihn und seine Mitgefangenen die Aussicht, den Leutnant der Bewachungsmannschaft, Pedro, zu töten und in die Freiheit zu kommen. Während des Aufenthaltes in der Zelle überlagern sich aber zwei Gedankenwelten. Der Gedanke an die Befreiung aus der gegenwärtigen Situation wird vielfach verdrängt von den Rückerinnerungen an die Mönchszeit des einstigen Eiferers und an die Gespräche mit seinen Mitbrüdern, die inzwischen von den Besetzern des Klosters in bestialischer Weise ermordet worden sind. Pacos Reflexionen werden durch einen Rostflek-ken an der Decke ausgelöst, der ihm schon zwanzig Jahre zuvor in seinen Phantasien als "Landkarte seines Traumreiches Utopia" gedient hatte. Dieses von Geld und Besitz ungestörte Reich religiöser Toleranz und unverfälschter Sinnlichkeit zu ersehnen, konnte Paco auch von seinem Beichtvater nicht ausgeredet werden. Er war in seinem Zwiespalt aus dem Orden ausgetreten, hatte aber doch das Argument des Mitbruders im Ohr behalten: "Gott geht nicht nach Utopia! Aber auf diese tränenfeuchte Erde kommt er immer wieder! . . . Gott liebt die Welt, weil sie unvollkommen ist. - Wir sind Gottes Utopia, aber eines im Werden!" Während frühere religiöse Gespräche und durchlittene Gewissenskonflikte in Paco aufleben, wendet sich der wegen seiner Greueltaten um sein Seelenheil bangende Pedro an seinen priesterlichen Gefangenen mit der Bitte, bei ihm zu beichten. Paco denkt weiterhin an die Freiheit für sich und die Rettung seiner Mitgefangenen, aber der Gedanke an die gut vorbereitete Tötung des Leutnants bedrückt ihn auch ständig. Als Pedro schließlich die Beichte ablegt, hat Paco trotz seiner distanzierten Haltung zu der Art, in der der Leutnant das Bußsakrament zur Linderung seiner Gewissensqualen benutzt, die Priesterrolle voll übernommen. Während er Pedro absolvieren will, erfährt er auch noch, daß dieser unmittelbar vor der Ausführung des Befehls steht, alle Gefangenen zu ermorden, um sie dem herannahenden Feind nicht in die Hände fallen zu lassen. Noch vor der Lossprechung stößt Pedro während einer Verzweiflungsgeste an das von Paco zur Tötung bereitgehaltene Messer. Damit ist

Paco die Möglichkeit, sich und die Mitgefangenen zu befreien, genommen. Paco nimmt diesen Zwischenfall mit dem Wort "Gott ist gnädig!" auf und sagt zu Pedro: "Ich hatte Ihren Tod beschlossen, ich wollte Sie lossprechen und sofort niederstechen, um die Gefangenen zu befreien. Ich wollte es - wie ein Automat! Genauso gehorsam wie Sie! Aber da kam ein Engel zwischen uns, und nun brauch' ich es nicht zu tun!" Die ihm von Pedro als Lohn für die Lossprechung angebotene Befreiung für sich allein lehnt Paco ab. Er opfert sich, indem er sich zur Generalabsolution vor seine Mitgefangenen hinstellt und sich mit ihnen gemeinsam erschießen läßt.
     

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