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Franz Kafka: Das Urteil


"Es waren und sind in mir zwei, die miteinander kämpfen", schreibt Kafka in einem etwa siebenseitigen, sehr wichtigen Brief vom November 1914 an Feiice Bauer, seine unbestimmte Verlobte. "Der eine ist fast so wie Du ihn wolltest [. . .]. Der andere aber denkt nur an die Arbeit, sie ist seine einzige Sorge, sie macht, daß ihm die gemeinsten Vorstellungen nicht fremd sind, der Tod seines besten Freundes würde sich ihm zuallererst als ein wenn auch vorübergehendes Hindernis der Arbeit darstellen [. . .]. Die zwei kämpfen nun, aber es ist kein wirklicher Kampf, bei dem je zwei Hände gegeneinander lossschlagen. Der erste ist abhängig vom zweiten, er wäre niemals, aus innern Gründen niemals imstande, ihn niederzuwerfen, vielmehr ist er glücklich, wenn der zweite glücklich ist, und wenn der zweite dem Anschein nach verlieren soll, so kniet der erste bei ihm nieder und will nichts anderes sehn als ihn. [. . .] Und doch kämpfen sie miteinander und doch könnten beide Dir gehören, nur ändern kann man nichts an ihnen, außer man zerschlägt beide.'" Die Briefstelle enthält genau Strukturen der Erzählung "Das Urteil": Vor einer Instanz, welche die Einheit der in sich gespaltenen Person in einer unbestimmten, aber kommunikativ tragfähigen Formung ,will', spielt sich ein ,unwirklicher', aber um Leben und den Besitz des Lebens (am anderen) gehender Kampf von Innen-Instanzen ab, der seinen Widerspruch: Liebe und Hilfe zu sein, gleichzeitig in sich enthält; das Motiv des Freundes verweist auf die soziale Verpflichtung, der Schlußsatz auf die Unaufheb-barkeit des Widerspruchs, es sei denn in einem wie von außen kommenden Zerschlagen.


Vorverständigung über "die doppelte Rede des Franz Kafka
Rudolf Kreis hat unter diesem Titel sowohl eine textlinguistische Analyse wie ein sozialpsychologisches Verstehenskonzept für Kafkatexte vorgelegt, in welchem unter Verarbeitung der denk- und triebpsychologischen Forschungen Piagets, Lacans, Rene A. Spitz' und unter Akzentuierung der "double-bind"-D [ ... ]
Biographische Situation und thematischer Umriß
Zwei unabdingliche zweibändige Handbücher dienen der vorzüglichen Klärung aller biographischen, textphilologischen und interpretatorischen Sachverhalte: Zunächst Hartmut Binders 'Kafka-Kommentar". Der hier heranzuziehende Band, 'Zu sämtlichen Erzählungen"", enthält sowohl in der Einführung (lOf.) wi [ ... ]
Leitlinien der Interpretation
Die Interpretation bezieht sich auf die von Paul Raabe als Fischer-TB 1078 herausgegebene Ausgabe sämtlicher Erzählungen (1970ff.). Sicherlich erfüllt der vorliegende Text, der mit einem ,märchenartig' idyllischen, Harmonie suggerierenden Abschnitt einsetzt, kaum die Kennzeichen einer 'Novelle". Al [ ... ]
Didaktische Aspekte - Verstehensbegriffe und Verstebensbaltungen
Kafkas Geständnis der sexuellen ,Denkbarkeit' des Ausdrucks 'unendlicher Verkehr", der damit partiell zur Metapher wird, liefert ein Beispiel für die Multivalenz seiner Textelemente. Fast der Trivialbedeutung angenähert, lassen sie sich gelegentlich sogar im .Literalsinn' (wörtlich) verstehen, komme [ ... ]
Hinweise auf Materialien und Methoden
'Wenn Kafka in seiner Aufzählung der Ziele einer kleinen Literatur die ,Veredelung und Besprechungsmöglichkeit des Gegensatzes zwischen Vätern und Söhnen' anführt (T 130), so handelt es sich dabei nicht um eine ödipale Phantasie, sondern um ein politisches Programm." Wichtigstes Material und lebend [ ... ]

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