Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutsche Landschaften
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Deutsche Landschaften



Das Hessische Ried
Dort, wo die Oberrheinische Tiefebene endet, weil der Fluß sein berühmtes Knie macht, bei Mainz, um den Vorhang für eine andere Landschaft, den Rheingau, aufzuziehen, dort br
eitet sich das Ried aus. Rechtsrheinisch, feucht, denn links, trocken, drängen sich die letzten Hügel des auslaufenden Pfälzer
Der Rheingau
Warum ist es am Rhein so schön? - Es scheint, als wollte sich niemand finden, der eine Antwort wüßte. Denn täglich stellen lärmende Zecher in Rüdesheim und Aßmannshausen die gleiche Frage. Dabei ist die Sache ziemlich einfach. Der Rheingau, zwischen Wiesbaden und Lorchhausen, zwischen Taunus und Rhe
Der Hunsrück
Caesar ist schuld. Seit seinem »Gallischen Krieg« gilt der Hunsrück als rauhe, unwirtliche Gegend, die man am besten meidet. Noch verheerender hat ein zweiter Rufmörder aus Rom gewirkt, der Mosella-Dichter Ausonius, bis in die Erdkundebücher des 19. Jahrhunderts hinein. Wer Hunsrück hört, denkt zuer
Das Kannenbäckerland
Die schmalen, braunen Krüge aus dem Kannenbäckerland, eigentlich für die Aufnahme von »Sauerwasser« bestimmt, wärmten, mit heißem Wasser gefüllt, in den Wintern der Kindheit die Betten. Später, in der kohlenarmen Kriegs- und Nachkriegszeit, tauschte man sie im Kannenbäckerland gegen andere Mangelwar
Der Hohe Westerwald
Die Frau klebt es als Etikett auf das Glas, es ist eine fast magische Formel: »Wiesentracht, Brombeere, Gamander - Henkels' Schleuderhonig.« Ich spreche, liebe Freunde, von den Bienen, deren wir eine halbe Million hier, im Hohen Westerwald, im Oberwesterwaldkreis, arbeiten lassen. Die alten Ägypter
Die Mosel
Liebeskummer ist sicherlich der traurigste Anlaß für eine Moselfahrt. Es gibt weit bessere Gründe, in dieser Landschaft Besuch zu machen, wo katzenbuckelige Berge einen Fluß einkeilen, der sich auf seinem Weg durch den Hunsrück verlegen windet, als sei er unschlüssig, wo er hinfließen soll. Wenn es
Die Eifel
Der berühmteste Ort der Eifel ist Maria Laach. Das wußten schon Goethe und der Freiherr vom Stein, Wilhelm IL und Adenauer. Auch Günter Grass kam her. Von Böll zu schweigen. Wenn der Zug des Kaisers, so erzählten die Benediktiner, in Andernach einfuhr, trug der Bahnhofsvorsteher weiße Handschuhe. Se
Die Ville
Die Ferien, besonders die Pfingsttage, verbrachte die Familie bei den Großeltern in Bonn - noch steht das Haus auf der Endenicherstraße, das der Großvater, obwohl er nur ein bescheidener Bahnbeamter war, für seine neun Kinder gebaut hatte. Von hier aus wurden die herrlichsten Ausflüge unternommen: i
Das Siebengebirge
Gibt es das - Landschaftsrekorde? Für das rheinische Renommiergebirge ließen sich mühelos so viele Superlative herzählen, wie es dem Namen nach Gipfel hat. Es hat den Berg mit der höchsten Besteigungsrate in Europa (Drachenfels), in der Besingungs- und Beschreibungsquote steht es kaum der Loreley na
Das Bergische Land
Im Westen des Bergischen Landes, der Landschaft zwischen Ruhr und Sieg in Nordrhein-Westfalen, im Gebiet des ehemaligen Herzogtums Berg, hat sich am Rhein das Heil der Welt, die chemischpharmazeutische Industrie, etabliert. Hier liegt Leverkusen. Hier münden die bergischen Flüsse Wupper und Dhünn in
Das Ruhrgebiet
Die Städte fügen sich an eine einzige, ununterbrochene Straße; die Elektrische, die von der Ruhrbrücke abfährt, endet mitten in Hamborn und findet dort den Anschluß zu neuen stundenweiten Fahrten ins Land. Unterführungen gähnen zum Tageslicht herauf mit ewig brennenden Lämpchen. Vor den rohen Häuser
Das Venn
Der 21. Januar 1871 muß ein wenig einladender Tag gewesen sein, obschon es keine Anzeichen iür eine besondere Kälte oder für außergewöhnliche Schneefalle gibt. Die Lokalblätter meldeten Temperaturen um den Gefrierpunkt, und vom 22. an Tauwetter, dazu von der Maas steigende Tendenz. Allerdings blies
Niederrhein
Es sind Bilder der Kindheit, die sich einstellen, wenn das Wort Niederrhein vors Ohr oder vors Auge rückt. Zuallererst Bilder aus der Heimatstadt Mönchengladbach, in welcher der Urgroßvater einer der ersten war, der statt Wolle und Flachs Baumwolle spann - nachdem an diesem Ort schon seit Römerzeite
Der Self kant
Früher sagten sich in der Westerheide die Füchse gute Nacht. Heute blinzeln Raubkatzen in die Sonne. Ein cleverer Zirkusmann richtete zwischen Tüddern und Süsterseel ein Freigehege ein, zwölf Hektar groß, und setzte dreißig Löwen aus. Heia Safari, es wurde ein gutes Geschäft. Ununterbrochen schiebt
Das Emsland
Als mein Urgroßvater vor 150 Jahren in diesem Landstrich aufwuchs -das war eine bittere Zeit. Denn seit je zählte die Gegend zu den armseligsten in Deutschland. Von Mooren und Heiden bedeckt, brachte der Boden dem Bauern nur karge Frucht. Allein das Schaf konnte ihm Futter abgewinnen. Besiedelt ware
Das Rheiderland
Weil es die platte Heimat gar so innig liebte, war das Mönchlein aus seinem fränkischen Kloster geflohen, zurück an die Emsmündung. Das war ein würdiges Thema für »Heimatliches Schrifttum aus Marsch, Geest und Moor«, erschienen anno 1936. Zu Hause freilich fand der Dominikaner das Dorf seiner Eltern
Ostfriesland
Woran merkt man eigentlich, daß Ostfriesland beginnt? Hurtige Ostfriesen-Witzler haben auf diese Frage in jüngster Zeit viele Antworten gegeben. Lassen wir sie witzeln. Sie wissen es nicht besser, sie waren offenbar noch nicht bei uns in Ostfriesland. Bei uns? Kaum setzt die Feder an, schaut schon d
Das Jeverland
Mit dem Jeverland ist das so eine Sache, und die Liebe zu ihm erweist sich - offen gesagt-als eine Liebe erst auf den dritten Blick. Das kam so: Die erste Fahrt dorthin liegt viele Jahre zurück, Herbst war es, ein steifer Nordwest schüttelte den kleinen Wagen, ein Dreiradautochen, das dazumal am Anf
Das Ammerland
Für den Landwirt ist das Ammerland gleichbedeutend mit dem allein hier gezüchteten deutschen Edelschwein. Für den Gartenbesitzer mit Rhododendron. Manche setzen es gleich mit Nahrhaftigkeit, mit Wurst und Rauchschinken. Für mich heißt es soviel wie Aal und Archäologie. Beides hat nichts miteinander
Butjadingen
Schon römische Beobachter erkannten damals: »Frisia non cantat.« Mancher Musiklehrer in Küstennähe hat das »Friesland singt nicht!« seitdem mit resignierendem Seufzer bestätigen müssen. Aber wenn beim Reiter-, Turner- oder Feuerwehrball in einem Dorf irgendwo in Butjadingen die letzten drei Tänze an
Das Teufelsmoor
Torf, Torf, Backtorf« - »Goden Backtorf nödig?« Noch klingen mir diese anpreisenden Rufe der Moorbauern, die für die alten Bremer alle »Jan vom Moor« heißen, im Ohr. Habe ich sie selber als Kind noch in den Straßen der alten Hansestadt gehört? Haben sich die plastischen Erzählungen der Großmutter zu
Wursten
In der Weite des Wattenmeers vor der Küste des Landes Wursten räkeln sich bei Ebbe Seehunde in der Sonne, huschen Krebse zum nächsten Priel, graben sich Muscheln in den feuchten Sand, und Seesterne ziehen sich zusammen, um die nächste Flut abzuwarten. Ein eigenartiges Rauschen geht von den Wattwürme
Kehdingen
Helgoland, von Bomben zerpflügt, liegt hinter uns. An Bord gibt es endlich Wasser, viel Wasser. Neuwerk schwebt steuerbords vor flimmerndem Horizont, voraus das Maiengrün der Deiche vor Cuxhaven, das auf alten Karten noch Ritzebüttel heißt. Schaulustige Tommies knipsen den Betrieb beim Ausladen. Das
Dithmarschen
Büsum ist bei weitem nicht der größte Ort in Dithmarschen, wohl aber der bekannteste. Das Nordseeheilbad, dessen lukullische Spezialität frische Krabben und Eiergrog sind und dessen tägliche Wattenpolonäse mit Musik und sportlichen Spielen weithin bekannt ist, wird um eine weitere Attraktion reicher
Die Wilstermarsch
Deutschlands Tiefpunkt liegt hier, fast dreieinhalb Meter unter Normalnull. An wenigen Stellen nur schafft es das sinkende Land zwischen Stör und Holstengraben, ein paar Zentimeter über den gezeitenabhängigen Wasserspiegel von Stör und Elbe aufzuragen. Die Wilstermarsch ist erobertes Land, durch Dei
Eiderstedt
Eiderstedt ist die Nase, die Schleswig-Holstein dem Blanken Hans, der Nordsee, dreht. Aber nicht mehr lange. Mit der - profilverändernden - Eiderabdämmung bei Vollerwiek wird Eiderstedt endgültig zu Festland werden, nachdem es bis 1489 aus den von Eider und Heverstrom umflossenen Inseln Utholm (im W
Nordfriesland
Nordfriesland - das Wort hat für den ganz Fremden einen Hauch von nordischer Volkstümelei. Der Liebhaber freundlicher, farbiger, südlicher Landschaft denkt bei dem Wort Nordfriesland an kahle Ebenen, Sturm, Regen, Erkältung und Ohrenschmerzen. Wer bestimmte Teile Nordfrieslands, voran die »Ferienins
Angeln
Mit dem ersten Besuch in Angeln hatte es eine seltsame Bewandtnis. Er führte den vierjährigen Knaben in einen kleinen Ort mit dem Namen Pottloch. Dies fand er um so lustiger, als die Reise dorthin ebenfalls mit einem Loch und einem Pott zusammenhing. Das Loch befand sich in seinem Rücken und war ent
Die Probstei
Auf der Landkarte steht rechts oberhalb von Kiel »Probstei«. Aber so einfach ist es gar nicht, den schräggeschriebenen Buchstaben nachzufahren, entlang der Kieler Förde. Probstei, gibt's das überhaupt?, zweifelte der Tankwart drei Kilometer entfernt von dem Gebiet, das einst stolzer Klosterbesitz wa
Die Holsteinische Schweiz
Die höchste Kuppe ist ganze 168 Meter hoch, der Bungsberg; Berg heißt hierzulande aber auch schon, was kaum an die fünfzig Meter reicht. Die Bezeichnung »Holsteinische Schweiz« für den östlichen Teil des Landes zwischen den Meeren hat sich als werbewirksam für den Tourismus erwies
Stormarn und Lauenburg
Es muß in den fünfziger Jahren gewesen sein, als an unseren Schulen die »Wandertage« zur Pflicht gemacht wurden. Seitdem jedenfalls, wenn ich mich recht erinnere, marschierten oder fuhren wir Stadtschulkinder sporadisch hinaus ins Land. Zur Schule ging ich in Lübeck und gewandert sind wir von dort a
Das Alte Land
Wer das Alte Land von Hamburg aus kennengelernt hat, für den bedeutet es zuerst einmal eine Wirtschafts-, dann eine Ausflugsregion. Die Wirtschaftsfaktoren werden gerne auf das Stichwort Obstplantagen reduziert. Gewiß, es gibt dort Kühe, Schafherden, Pferde... Aber selbst in den Erzählungen alter Ha
Die Schwarzen Berge
Das süffisante Lächeln der Binnenländer ist wirklich nicht angebracht. Aus dem Nichts der Eibniederung und ihren Marschen erheben sich die Schwarzen Berge im Süden Hamburgs immerhin zur stattlichen Höhe von 155 Metern über dem Meeresspiegel. Nur Ignoranten stellen sich Geestlandschaft und Marsch der
Das Wendland
Zum ersten Mal an der Elbe, das war im Frühjahr 1945. Hunderte von Singschwänen putzten auf den überschwemmten Wiesen ihr Gefieder oder gründelten friedlich wie Enten auf dem Dorfteich. Eine lange Kolonne von Pferden und Wagen und Menschen zog im Schritt über die Brücke bei Dömitz, westwärts. Sie ka
Der Harz
Vor Goslar bilden die steil abfallenden Berge des Oberharzes eine dunkle Wand. Das Mittelgebirge wirkt hier wie ein riesiger schwarzer Panther, der sich, seine linke Flanke an den Hochflächen des Thüringer Beckens reibend, allmählich erhebt, um dann aus hohem Sprung am Rande der früheren Reichs- und
Die Sächsische Schweiz
Sächsisch-Böhmische DampfschifTfahrtsgesellschaft«: mit diesem Wort, für Sachsen wie für Rheinländer gleich schwer auszusprechen, übten wir als Kinder die Vermeidung von Zungensalat. Farbe bekam das Wort, als uns der Vater zu seiner Sächsisch-Böhmischen Fahrt nach Leitmeritz einlud, mit Raddampfer u
Das Ost-Erzgebirge
Jede der großen sächsischen Städte von Dresden westwärts über Freiberg, Chemnitz bis Zwickau hat südwärts ein Gebirge vor der Tür: das Erzgebirge, das auf rund 120 Kilometer Länge die Grenze Sachsens zur Tschechoslowakei, zum »Böhmischen« hin, begleitet. Dresdens Anteil, das Ost-Erzgebirge, ist, wie
Sachsen-Weimar
Wenn man in einem Haus an der Straße geboren ist, die Goethe und Karl August, Großherzog von Sachsen-Weimar, »Donnerstag nach Belvedere« hinaufritten, wenn man zudem wanderfreudige Eltern hatte, ergeben sich die besten Voraussetzungen, daß Kindheit und Landschaft in der Erinnerung identisch werden.
Die Lüneburger Heide
Beat-Rhythmen hallen über die Heide. Irritiert halten zwei Klapp-Fahrräder an, die viele Kilometer nur durch atemlose Stille gefahren sind. Vor ihnen auf einem dicht mit bizarren Wacholderbäumen, mit dunklen Kiefern und mit hell leuchtenden Birken besetzten Heideflecken wiegt ein Schäfer beim Gang d
Das. Münsterland
In die »Heimat des Regens« fühlte sich der römische Gesandte und spätere Papst Alexander VII., Fabio Chigi, verschlagen, als er 1644 von Köln ins Münstersche Land reiste, um als päpstlicher Friedensbote die katholischen Mächte zu einen. »Sechs Jahre sind's nun, daß ich hier bin, aber ich sah dich ni
Am Hellweg
Vom Bahnhof, der leer und verschlafen dalag, wurde ich in der einstigen Hansestadt Soest am Hellweg mit dem Auto abgeholt. Auf der Fahrt durch die abendliche Stadt starrten uns an den Straßenkreuzungen nur hin und wieder die Fassaden alter Fachwerkhäuser durch den Nebel entgegen. Die Gassen waren me
Das Lipperland
Da steht er, der Retter des Vaterlandes, Hermann der Befreier Deutschlands, auf seinem Sandsteinsockel auf der Höhe der Grotenburg im Teutoburger Wald. Im Rücken den größten Teil des Landes, dem er Wahrzeichen wurde, richtet er seinen Blick über die karge Senne hinweg stur nach Westen, als interessi
Das Weserbergland
Das war meine erste Begegnung mit dem Weserbergland: Mit dem Großvater ging ich durch Bremen, als er vor einem der vielen Bauwerke aus Buntsandstein von der Oberweser anhielt. »Das Weserbergland - dort, wo unser Strom noch ganz jung ist - ist >steinreich
Das Sauerland
Die Stimmen, die das Sauerland ob seiner ausgeglichenen Schönheit rühmen, werden weniger. Wer heute durch das Land der ehedem so hochgeschätzten »Sommerfrischen« fährt und sich dabei an die mit Asphalt vorgeschriebenen Reisewege hält, bekommt einen deprimierenden Eindruck von der Kehrseite industrie
Das Siegerland
Der letzte Räuber des Siegerlandes hieß Johann Hübner. »Er hatte eiserne Kleider an und war stärker als alle anderen Burschen im Lande.« So beschreibt ihn Jung-Stilling, ein Jugendfreund Goethes aus dem Siegerland. Der Räuber Hübner stahl Vieh und verkaufte es in fernen Ländern. Schließlich legte ih
Das Wittgensteiner Land
Dos mürr'en Arddum sei, wos jomer Leire da mem Krieg zu dünn«, soll im Jahre 1915 ein Wittgensteiner auf den Befehl, für Kaiser und Vaterland in den großen Krieg zu ziehen, geantwortet haben. Ob diese kopfschüttelnde Abwehr, seine Einberufung müsse ein Irrtum sein, weil er ja nichts mit dem Krieg zu
Die Schwalm
Es war einmal eine kleine Dirne.« So beginnt das Märchen vom Rotkäppchen, wie es die Groß-Imutter Möller aus der Schwalm den Brüdern Grimm erzählt hat. Wölfe sind in jener hessischen Landschaft seit langem nicht mehr zu finden, und von Dirnen redet man heute in anderem Zusammenhang. Junge Mädchen tr
Die Rhön
Hier oben auf dem Himmcldunk, fast neunhundert Meter über dem Meeresspiegel, gibt die störrische »Eiche« nur mißtrauischen Blicken preis, daß sie in Wahrheit eine sturmzerzauste Buche ist. Gerade dies scheint ein landläufiges Urteil zu unterstreichen - die Rhön, »das unwirtlichste aller deutschen Mi
Die Haßberge
In die Haßberge, einen der abgelegensten Landstriche Frankens, kann man eigentlich nur gegen seinen Willen geraten, etwa durch Geburt. Ich selbst wurde etwas später dorthin verschleppt, auf Grund verwandtschaftlicher Bindungen. Diese Gegend eignete sich nämlich gut zu meiner Sicherheitsverwahrung, z
Der Spessart
Der Gast prallt erschrocken zurück: An einem Haken in der Hofdurchfahrt baumelt eine riesige Wildsau, ausgeweidet und mit gebrochenen Lichtern. Blut sickert aus den schlammfarbenen Borsten; zwischen den runden Steinen hat sich eine kleine dunkelrote Pfütze gebildet. Der frische Wind an diesem Späthe
Die Fränkische Schweiz
Schweiz< heißt die Fränkische Schweiz nach ihrem großen Bruder. Sic ist zwar nicht wie dieser ein eigener Staat; aber so viele Landschaften mit dem Titel »Schweiz« es in Deutschland auch geben mag: verdient hat ihn wohl am ehesten die Fränkische. Renommieren können die Einwohner mit ihren steilen Ju
Das Pegnitztal
Da die schlanke Pegnitz fliesset / in dem schönen Wiesenthal / Da sie dieses Land durchgiesset / und die Blumen ohne Zahl / In den grünen Auen frischt / da der Vogel lieblich singet / Da die Wollen-heerde tischt / und mein Schäferspiel erklinget / Da die hohen Bäume schatten/ da das Bienlein Blumen
Das Madonnenländchen
Die Madonnen, nach denen man das Land zwischen Main, Tauber und Jagst getauft hat, sind meist sehr viel älter als der Name; die schönsten stammen aus der gleichen Zeit wie das Mainzer Rad, auf das man hier so häufig trifft, und wie die festen, breiten Bauten für die Mainzer Vögte, die man hier »die
Der Taubergrund
Eine behutsame Landschaft; sie überwältigt nicht durch dramatische Geste, nicht durch idyllische Lieblichkeit. Die sanfte Traulichkeit des Namens ist kein leeres Versprechen; doch dieses Stück Taubertal mit seinen Nebentälern, zwischen Rothenburg und der Biegung des Flusses unterhalb von Bad Mergent
Hohenlohe
Der Satz »Verprügelt mir nicht jeden! Aber den Richtigen saftig!« stammt nicht aus den Memoiren des Götz von Berlichingen. Er dient dem Roman »Die Merowinger oder Die totale Familie« als Motto; jenem Buch, mit dem Heimito von Doderer seine Leser in Verlegenheit brachte, weil er sich da mit österreic
Das Härtsfeld
Wer aufs Härtsfeld will, kann zum Beispiel nach Aalen fahren und dort den »Härtsfeldexpreß« besteigen, der sich von der alten, in einem Talkessel gelegenen Kreisstadt auf Schmalspurschienen in steilen Kehren hochwindet und schließlich atemberaubend langsam über die einsame Hochebene zuckelt. Ab und
Das Sechsämterland
Irgend jemand kam auf die Schnapsidee: Wenn es Sechsämtertropfen gibt, muß es auch eine Landschaft dieses Namens geben, die den berühmten Magenbitter hervorbringt. Irgendwo im stillen Südosten Deutschlands sollte die 35prozentige Kräuterecke sein. In Bayreuth stand der Schnaps immerhin bereits auf d
Der Oberpfälzer Wald
Wer sich in deutschen Landschaften nicht auskennt, verwechselt leicht den Oberpfälzer Wald mit dem Pfälzer Wald oder verlegt ihn zumindest in dessen Nähe. Beide liegen zwar, grob gesprochen, auf dem gleichen Breitengrad, aber der Pfälzer Wald hegt im Westen der Bundesrepublik, der Oberpfälzer Wald d
Die Oberpfalz
Vor zehn, zwölf Jahren kam ich das erste Mal in die Oberpfalz: Das war auf einer Reise zu Deutschlands Nationaldenkmälern, die ich, nicht gerade als Wallfahrt, zugestandenermaßen, zusammen mit zwei Freunden geplant und unternommen hatte. Nach dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald, dem Niederwaldde
Der Bayerische Wald
Keine falschen Vorstellungen vom Bayerischen Wald! Es handelt sich nicht um ein entvölkertes Ge-L.hölz, in dem der einsame Wanderer allenfalls auf Bären und ehemalige Zwergschüler stößt. Wer im größten zusammenhängenden Waldgebiet der Bundesrepublik verweilt, ist der Welt keineswegs abhanden gekomme
Die Hallertau
Der Weintrinker betrachtet das Bierland, in das er einige Zeit verschlagen wird, mit leisem Mißtrauen. Bier war ihm bislang ein willkommener Durstlöscher, der Wein aber ein Genuß. Doch in der Hallertau, dem niederbayerischen Hopfenland, schlägt die Reserve um in Bewunderung. Das Land lebt gleichzeit
Das Wasserburger Land
München, heißt es, sei die Stadt mit dem höchsten Freizeitwert in unserem Land. Vor allem wegen seiner Umgebung. In einer halben Stunde könne man, so bestätigt der Neu-Münchncr denen, die (noch) nicht hier wohnen, am Starnbergcr oder Tegernsee sein, in einer Stunde am Chiemsec und in »höchstens« zwe
Der Chiemgau
Beim Anblick von so viel Wasser schufen die Bajuwaren, rechte Landratten, für ihren Chiemsee die Bezeichnung: »Das bayerische Meer«. Von diesem emphatischen Ausdruck abgesehen, sind jedoch bei der Urbevölkerung die Maßstäbe für alles Irdische keineswegs ins Wanken gekommen, denn die Bauern sind ausg
Das Salzachufer
Meine Freundschaft mit dem bayerischen Salzachufer, mit Laufen, Tittmoning, Burghausen, verdanke ich einem höchst außergewöhnlichen Verkehrsmittel: der Plätte. Das ist ein wegen der tückischen Sandbänke und Untiefen der Salzach ganz flach und ohne Kiel gebauter Kahn, dessen Name sich natürlich von p
Das Berchtesgadener Land
Lange überlegt ein Außenstehender, ob er das Recht hat, sich in einen Lokalstreit einzumischen, der im Berchtesgadener Land zeitweise hohe Wellen schlägt. Seit vier Jahren schon geht das Fingerhakeln um den schönsten Berg in dieser Gegend - den Watzmann. Wird nun auch in seine Kalkflanken, in denen
Das Werdenfels er Land
Die Burg Werdenfels, nördlich von Garmisch-Partenkirchen im Loisachtal gelegen, einst strategisch wichtiger Punkt am alten,über den Brenner führenden Handelsweg mit Italien und Sitz der Pfleger, die das Werdenfclser Land für das Hochstift Freising verwalteten, ist heute eine Ruine, von Bäumen und St
Der Pfaffenwinkel
Wer den Pfaffenwinkel in Augenschein nehmen will, braucht nur auf den Hohenpeißenberg zu fahren und sich dort oben einmal um die eigene Achse zu drehen. Die meisten Automobilbergsteiger freilich sind ausschließlich auf Alpenblick eingestellt, und in der Tat ist dieser einzigartig: Hunderte von Hochg
Oberschwaben
Oberschwaben ist das Land zwischen Donau und Bodensee, Alb und Alpen, sagt das Lexikon, und der Reisende: Es ist da, wo die Dörfer weiter gestreut sind als am Neckar, dafür fast jeder größere Ort eine frühere Freie Reichsstadt oder doch im Besitz einer stattlichen Barockkirche und auf jeden Fall ein
Das Allgäu
Das kleine Mädchen versuchte aufgeregt, den Umstehenden klarzumachen, daß jetzt wohl die Kühe kommen müßten. Denn wo anders sollte das Gebimmel herstammen, wenn nicht von den Halsbändern der Rindviecher. Daß es solches Glöckchengeläut auch an Bahnschranken gab, konnte sie kaum glauben. Aber hier in
Die Blaubeurer Alb
Weil im Jahre 1514 ein württembergischer Herzog Ulrich die Straße Augsburg-Straßburg in das Tal von Blau und Ach verlegte und weil seine Nachfolger darüber einen Prozeß über 271 Jahre führten, liegt Blaubeuren heute an der Bundesstraße 28 und ist noch immer, wie in mittelalterlichen Klosterzeiten, d
Die Baar
Die Baar ist eine Landschaft unvermittelter, unangekündigter Ãœbergänge vom oder zum südlichen und mittleren Schwarzwald, zur Schwäbischen Alb und zum Randen, zum Hegau. Diese Gebirge umsäumen eine für diesen Teil Süddeutschlands ungewöhnliche, weite Hochebene. Die Baar vermittelt kein heimeliges Ge
Der Hotzenwald
Ein »Hotzenblitz« wird von der pfiff igen Anordnung einer Kerze und einer Schnur gezündet; wenn das Licht nur noch ein Wachsstummel ist, brennt es die Schnur durch und fällt deshalb auf einen sorgsam aufgeschütteten Strohhaufen im obersten Speicher des Hotzenhauses. Die Bewohner, Ur-Hotzen, haben si
Der Hochschwarzwald
Eigentlich hatte die Landschaft unter dem Feldberg nur eine Etappe auf der Fahrt zum Bodensee sein sollen, der zum ersten Ferienziel im »Westen«, der neugewonnenen Heimat, ausersehen war. Wer dreizehn Jahre nach dem Ende des Krieges am Müggelsee gelebt hatte, sehnte sich nach einem Gewässer mit frei
Auf den Fudern
Man kann lange auf den Fildern leben, ohne es zu wissen, denn wer kommt schon auf den Gedanken, daß eine Landschaft mitten in der Großstadt anfängt? Wenn man die zweihundert Meter Steigung im Süden von Stuttgart genommen hat, ist man in Degerloch oder Sillenbuch schon »auf den Fildern«, obwohl man n
Das Remstal
//ie lieblich jene sanften Hügel, jene Berge, mit Obst und Wein besetzt, jene fruchtbaren Täler mit Bächen und Flüssen, dazu ein milder Himmel und ein guter, kräftiger Schlag von Menschen« - Georg von Sturmfeder sagt es, der lyrisch edelblasse Held von Hauffs Roman Lichtenstein, als er mit dem Pfeif
Das Markgräfler Land
Die erste Begegnung mit dem Markgräflerland war wie ein Rausch - ohne Markgräfler Wein oder Chriesewässerle. Der Student fuhr Ende April zum Sommersemester nach Basel. Bei der Abfahrt aus der ostpreußischen Heimat herrschte noch Schneetreiben; als der Zug am Frischen Haff vorbeifuhr, hievten die Eis
Der Kaiserstuhl
Der Kaiserstuhl war das Wutbewältigungsgebirge, und das hatte mit dem Alkohol, der dort produziert wird, gar nichts zu tun. Wie überhaupt der Wein in meinem Verhältnis zu jener Landschaft keine primäre Rolle spielt. Immer wenn mich während der Studentenzeit in Freiburg etwas besonders ärgerte, wenn
Die Ortenau
Seit einiger Zeit wird die kleine, aber feine Weinbaulandschaft um Bühl in Baden als zum Weinbaugebiet Ortenau gehörig geführt: das ist die Landschaft um Offenburg herum, wo der Ortenauer Weinpfad - nunmehr gleich bei Baden-Baden beginnend - durch Weinberge mit weithin bekannten Namen führt. Wir im
Der Pfinzgau
Im Heft der Drittkläßlerin ist die Gegend aufgezeichnet: in Blau die vielen Flüßchen, die Kämpfelbach, Rannbach, Mühlbach, Bocksbach, Bruchbach, Gengenbach und Dreckwalzbach heißen und alle in die Pfinz münden; rote Punkte für die Ortschaften; mit Buntstift braun schraffiert der Schwarzwald im Süden
Der Kraichgau
Wellenförmig, das Bild der von einer langen Dünung bewegten See in Erinnerung rufend, hebt und senkt sich das Land. So weit, wie es der silbrige Dunst des spätherbstlichen Sonnentags zuläßt, folgt das Auge dem Gleichmaß des Linienspiels von Tal und Hügel, das sich ins Endlose zu verlieren scheint. V
Das Hanauer Land
Touristen, die auf dem Weg südwärts im mittelbadischen Gebiet statt der isolierenden Autobahn die alte Bundesstraße Nr. 3 benutzen und durch Orte wie Renchen oder Appenweier kommen, mag ein Wirtshausschild wie »Hanauer Hof« auffallen: wie kommt die nahe bei Frankfurt gelegene Stadt hier zu solcher E
Der Wasgau
Allenfalls auf Spezialkarten ist der Name dieser Landschaft zu finden. Die üblichen Lexika geben ungenaue Auskunft: »Wasgau, Wasgenwald, Wasichenwald, überliefert aus dem Walthari-Lied, Name für Vogesen.« Wer sich nach dieser Anweisung auf den Weg machte, käme viel zu weit südlich an. Denn der Wasga
Die Hardt
Sie ist das älteste deutsche Weinland und eine der ältesten deutschen Kulturlandschaften. Wer von der fröhlichen Pfalz spricht, meint die Hardt, des »Heiligen Römischen Reiches Weinkeller«. Im Süden ist das Hardtgebirge noch Teil der Vogesen, im Norden endet es im Zellertal, vor dem rheinhessischen
Das Saarland
Von Kindheit an lebt in mir dieser Landstrich durch die Erzählungen der Tante Alwina, welche die Sippe hochhielt und deren Andenken in unser Gedächtnis pflanzte. Ihr verdanke ich das Bild so mancher Vorfahren, die hier geboren wurden, lebten und starben. Am Rand des Schwarzwälder Hochwaldes, wo er v
Der Hintertaunus
Vor einigen Jahren besuchte mich ein Freund aus Amerika in Frankfurt am Main. Er hatte Deutschland bereist, und man merkte ihm an, daß er ein wenig enttäuscht war - aus irgendeinem Grunde hatte er es nicht so vorgefunden, wie zuvor in Gedanken ausgemalt. Ich setzte ihn kurzerhand ins Auto und fuhr m
Die Bergstraße
An Komplimenten hat es der Bergstraße nie gefehlt. Jedes Schulkind lernt, daß Bergstraße und Frühling zusammengehören, daß Mandeln, Pfirsich und Forsythien blühen, wenn im Odenwald noch Schnee sich hält. »Deutsche Riviera« läßt sich die sechzig Kilometer lange »strata montana« (eigentlich »strata vi
Der Ãœberwald
Schräg am Hang, im Schatten von dunklen Tannen, rattert ein Traktor. Hinter ihm wirbelt eine dicke Staubfahne hoch, sandsteinrot bricht der trockene Boden auf. Doch kein modernes, blitzendes Pflugeisen fährt ins steinige Erdreich hinein: Der Bauer hat seinen alten, rostigen Pferdepflug angehängt, de
Der Rodgau
Er soll einer der großen Wohnkerne im Vorfeld der Stadtballung von Frankfurt und OfFenbach werden. Futurologen haben aus dem Rodgau ein Stück als Siedlungsband abgegrenzt, das zu den dreißigtausend Einwohnern von heute in drei Stufen von je fünfzehn bis zwanzig Jahren fünfundsiebzig-tausend Menschen
Die Wetterau
Eine Vorrede, zur Entschuldigung. Als der Mensch auf die Welt kam, fand er unberührte Landschaften vor, einige berührte er, und es wurden Kulturlandschaften, und einige berührte er zu stark, und es wurden Industrielandschaften. Vollkommen ist eine Industrielandschaft, wenn die Landschaft vollkommen
Das Blaue Ländchen
In der Kneipe, deren Namen ich nicht preisgebe, um ihr die (relative) Unschuld zu retten, auf die es natur- und vergnügungssüchtige Großstädter abgesehen haben, gibt es noch einen Apfelwein wie-Nektar! Göttertrank! Nur etwas saurer. Er ist, wie das Blaue Ländchen, herb, wohltuend, ruhig. Seine fein-
Der Vordertaunus
Im Vordertaunus fühle ich mich nicht nur besonders heimisch; ich bin dort, genau gesagt, wahlheimisch, seit es mich wie so viele andere Halbfrankfurter nach dem Zweiten Weltkrieg an den Main verschlug: ich wohne dort. Fünf Minuten zu Fuß brauche ich bis zum Waldrand, sieben Minuten bis zum Gehölz mi
Das Homburger Ländchen
Der inoffizielle Name trifft: Das Ländchen der Landgrafen von Hessen-Homburg, kaum 60 Quadratkilometer klein, ist vom Aussichtsturm auf dem Herzberg mit einem Blick zu erfassen; es reicht vom Köp-perner Tal Im Norden, das kürzlich für eine Autostraße kahlgeschlagen wurde, am ausgelappten südlichen T
Dreieich
Die alten Mühlen mahlen nicht mehr. Ihre Namen sind noch da, aufgereiht am Rinnsal des Hengstbaches, der sich am Westhang des Dietzenbacher Hexenberges aufmacht und durch Götzenhain, Dreieichenhain, Sprendlingen, Buchschlag hinzieht, um im Vorfeld des Flughafens Rhein-Main beim Forsthaus Mitteldick
Der Vogelsberg
Als ich vor Jahren zum erstenmal nach Büdingen kam und auf der Straße einen Jungen etwas fragte, meinte dieser treuherzig, ich solle doch aufs Schloß um die Ecke gehen und den Fürsten fragen, der wisse sicherlich Bescheid. Ein paar Kilometer weiter wollte ich in Ortenberg im dortigen Schloß des Fürs
Das Kinzigtal
Sowie der Frühling kommt, habe ich ein wahres Verlangen nach Steinau«, schrieb Ludwig Emil Grimm vor 150 Jahren. War es nur die Erinnerung an die unbeschwerten, verträumten Kindheitsjahre mit seinen älteren Brüdern Jacob und Wilhelm im Garten des noch heute vorhandenen hanauischen Amtshauses; war es
Der Goldene Grund
Es muß in der zweiten oder dritten Volksschulklasse gewesen sein: Der Lehrer skizzierte die Landschaft mit weißen Kreidestrichen an die Tafel, zeichnete den Emsbach ein, in Blau natürlich, markierte rot die Orte Esch, Walsdorf, Camberg, Niederselters, Niederbrechen und, ganz oben, die Kreisstadt Lim
Der Errwald
Wiesen, du lieber Himmel, und Wälder, Berge und Täler, das Wasser im Bach ist kalt und sauber, man kann es trinken, einfach so aus der hohlen Hand. Ich habe mir die Landschaft nicht ausgesucht. Es ist nur so, daß mein Vater hier geboren ist. Das ist fast schon alles, was mich mit ihr verbindet. Mein
Die Westeifel
Glaube keiner, Eifel sei Eifel: unwirtlich, kahl, abweisend, »wegen ihrer Wildheit und Rauhigkeit übel berüchtigt«, wie Ernst Moritz Arndt schaudernd schrieb. Westlich von Maaren und Vulkanen, die gemeinhin das Bild der Eifel prägen, hellen sich ihre sonst so herben Züge auf, besticht sie mit anmuti
Der Mosel-Krampen
Was ihm denn einfalle, dem Herrn Landrat in Cochem, wenn er sage, der Krampen habe meist ein paar Grad öchsle mehr als die Mittelmosel. Der Winzer in Bernkastei sagt es, der von der Mittelmosel. Der Krampen habe, bitteschön, das Vorzeichen »Untermosel«, und die möchte wohl noch gute Kneipweine haben
Das Maifeld
Die Mutter und die Nachbarin — die Männer waren im Krieg (im Ersten Weltkrieg) — fuhren mit der Eisenbahn aus dem Bergischen über Köln rheinaufwärts bis Andernach oder Weißenthurm. Sie trugen Rucksäcke und fuhren zum Hamstern ins Maifeld. Mit einer kleinen Spanne maß das Kind die Welt. Um fünf P
Das Dracbenfelser Ländchen
Es kommt zu merkwürdigen Absonderlichkeiten. Mitten auf den Feldern, auf der Höhe, buchstäblich zwischen Ackerbau und Viehzucht, liegen die beiden Forschungsinstitute, das eine für Hochfrequenzphysik, das der Vervollkommnung der Radartechnik dient, das andere für Funk und Mathematik, das mit der Com
Die Ahreifel
Zur "Welt gekommen in der Brunnenstube am Fuß der Burg Blankenheim, zu Kräften gelangt in der sanft geschwungenen, aber gleichwohl mächtigen Bergwelt der Eifel, durchfließt die Ahr - mal bescheiden und dünn, dann wieder aufbrausend und stolz - das von ihr geschaffene Mekka der Freunde deutschen Rotw
Die Goldene Meile
Der deutsche Soldatenfriedhof an der unteren Ahr mahnt und erinnert. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat 1200 Tote gebettet. Das 45er Jahr hier bei Remagen-Sinzig wäre sonst ganz aus den Augen. Im Schlamm eines Kriegsgefangenenlagers der Amerikaner sind hier deutsche Soldaten umgekommen.
Die Monscbauer Eifel
Durch das ebenerdige Fenster unter dem tief herabgezogenen Dach sah regelmäßig ein Hahn zu uns herein. Er hat seine Zuneigung für diesen Ausguck-Platz teuer bezahlt. Ein Reisebus nahm ihm das Leben. Die Leute, die im Sightseeing an einem Tag die Eifel »machten«, nahmen weder von ihm noch vom Dorf No
Der Hürtgenwald
Am Rennweg, wo der Ginster blüht, wechselt ein Rudel Wild. Zwischen Birken, Eschen und Buchen lärmt es geradezu von Vogelsang, und mit ein bißchen Glück sind im Todtenbruch auch Fasanen auszumachen. Der Hürtgenwald am Westrand der nördlichen Eifel mit seinen windbewegten Hochflächen und tief eingesc
Der untere Niederrhein
Bei Kleve und Kranenburg, in der Nähe von Nijmegen, bildet der Rhein sozusagen einen spitzen Winkel mit der holländischen Grenze. Rechts des Rheins, hinter Rees oder Wesel, fängt, aus der Sicht des linken Niederrheiners, etwas ganz anderes an, das schon eher zu Westfalen gehört. Da erst beginnt das
Der rechte Niederrhein
In Elten steht die Kirche noch mitsamt dem Taufstein, über den man den Knaben hielt, der mein Vater wurde. Sein bescheidenes Zuhause war die Eisenbahn-Assistenten-Dienstwohnung, Stube und Kammer neben den Gleisen von und nach Holland, in dieser letzten Stadt, rechtsrheinisch, vor der Grenze. Fast hu
Der Hümmling
Die Hümmlinger sind ein großer, kräftiger Menschenschlag, ausgezeichnet durch Ernst, Gradheit, Ehrlichkeit, Biederkeit, Frömmigkeit. Sie sind konservativ ... Die Kleider sind in der Regel dunkel, oft mit silbernen Knöpfen und goldenen Spangen ... Die Lebensweise ist einfach ...« So charakterisierte
Das Harlingerland
Daß sie es dulden, wenn ihre Küste »Costa Granata« genannt wird, ist ja nun auch so eine Art Ostfriesenwitz. Die Wortschöpfung, die den Umstand nutzt, daß anderswo als Krabben bekannte köstliche kleine Schalentiere hier »Granat« genannt werden, erweckt nämlich falsche Assoziationen. Denn mit Mittelm
Das Stadland
Wer auf Landkarten oder Autoatlanten das Stadland finden und richtig orten will, wird sich vergeblich bemühen. Wir jedenfalls haben trotz eifriger Suche kein neuzeitliches geographisches Kartenwerk entdecken können, auf dem seine Umrisse auch nur annähernd exakt eingezeichnet gewesen wären. Den Kart
Osterstade
Vier Pastoren hat der Achtzigjährige während seines langen Lebens schon in Sandstedt erlebt. »Herr Pastoor«, hat er zu jedem von ihnen gesagt, »Sie können mich gäne besuchen und ich kumm og, um die Kirchenbücher zu studieren, aber sonntags zu Ihnen in die Kirche kumm' ich nich!« Er schaut aus wasser
Die Wingst
Geest, Marsch und Moor, Dreiklang der Landschaft an Niederelbe und Niederweser, überschneiden und berühren sich an der Wingst. Rund um den sechs Kilometer langen und vier Kilometer breiten Höhenrücken liegen noch weite Moorflächen, wo in lauen Sommernächten Irrlichter über Eberesche und Heidekraut t
Das Königsmoor
Mitten hindurch sausen die Fernzüge Paris-Stockholm; es ist die Bundesbahnstrecke Bremen-Hamburg. Nur selten gelingt einem Reisenden, das Schild des Bahnhöfchens, in Großbuchstaben geschrieben, zu entziffern: KÖNIGSMOOR. Die Lage: Das Königsmoor liegt am »Länderviereck« der alten Kreise Harburg, So
Die Vier lande
Wer dieser Elblandschaft mit dem Gaumen näherkommen möchte, dem wird der Heimatkundler »Vierländer Stubenküken« empfehlen. Die Gastwirte in Curslack oder Altengamme, darum gebeten, die Spezialität aufzutischen, schütteln freilich ratlos den Kopf. Sie wissen bestenfalls noch die Geschichte von den He
Die Haseldorfer Marsch
Wenn sich am Feierabend der »Schinkenkrug« von Haseldorf mit den ortsansässigen Landwirten füllt und nur der gelegentliche Ruf nach Bier und Klarem die Wand von Pfeifendunst und Zigarrenqualm durchbricht, dann kommen den Gast von außerhalb Zweifel an. »Do, wat du wullt, de Lud snackt doch!« Dieser S
Steinburg
Mittelalterliche Richtstätten lagen in Schleswig-Holstein oft auf Hügelgräbern aus vorgeschichtlicher Zeit: etwa in Meldorf und Heide. Der besterhaltene Grabhügel der Bronzezeit, der sich, am Gardeweg in Itzehoe, über zwölf Gräbern aus neun Bauperioden wölbte, wird heute noch Galgenberg genannt. Gal
Der Sachsenwald
Schiffssirenen heulen im Hafen, von den Werften klingen Niethämmer und Schweißautomaten herüber, und der Straßenlärm liefert dazu die großstädtische Geräuschkulisse. Doch einer läßt sich gewiß nicht vom Zivilisationslärm beeindrucken: Hoheitsvoll blickt das steinerne Bild des ersten deutschen Reichs
Die Holsteinische Geest
Abschied von der Geest, vom einstigen Haus der Großeltern und Tanten. Soll es nun für immer vorbei sein? Die Wolken, die so schnell über den Himmel ziehen, die Historie, gestickt auf Sofakissen, der Nord-Ostsee-Kanal und die riesigen Schüsseln voller Erdbeeren, roter Grütze und Spargel, die Hängemat
Die Wiedingharde
Wiedirigharde? Warum denn ausgerechnet die?« So sagen abwehrend selbst hauptberufliche Heimatfor-scher. Wiedingharde: ein bescheidener Fremden Verkehrsprospekt spricht von ländlicher Idylle und Abgeschiedenheit, von der »Landschaft« schlechthin, das Wort also verstanden als Gegenposition zu Sensatio
Schwansen
Ein einsamer grauer Schwan nimmt elegant in Breitseite die schaumgekrönten Ostseewellen. Tief taucht er seinen langen Hals hinab. Dann fliegt er, Beine an den Bauch gelegt, Hals und Schnabel weit nach vorn gestreckt, dicht über den Wellen strandwärts. Schwarzfüßig watschelt er hier, knabbert mißgela
Die Hüttener Berge
Vom Aschberg schaut er wie ein Gartenzwerg. Das heißt nun nicht, daß Bismarck so klein und der Berg so groß ist. Nein, die Statue des »Eisernen Kanzlers« ist kupfern und recht beachtlich, und der Berg steht in Schleswig-Holstein. 96 Meter ist er hoch. Er gehört zu den größten des Gebietes, das da, z
Der Travemünder Winkel
Wer eine Großmutter hat, die nicht einfach an der Lübecker Bucht zwischen der Hansestadt und dem Ost-seebad, sondern noch im »Travemünder Winkel« geboren wurde, der gilt etwas bei den geschichtsbe-wußten Einheimischen, die ihren Stolz aber auch bar bezahlen: Seit 1913 von Lübeck eingemeindet, müssen
Der Wagrische Winkel
Der Wagrische Winkel begrenzt die Lübecker Bucht im Nordwesten. Einige auch nennen ihn den Oldenburger Winkel, andere bezeichnen die Halbinsel im Osten Holsteins schlicht als Wagrien. Ein Chronist jener Gegend, Franz Böttger, begnügte sich für sein Werk gar mit dem kargen Titel »Aus dem Winkel«; sei
Die Oberlausitz
Das ging wie geschmiert. Kamenz, sagte einer. Hutberg war die Antwort. Die Wörter flogen hin und her, ergänzten sich zu Paaren. Waltersdorf: Lausche. Lückendorf: Hochwald, Neugersdorf: Kottmar. Görlitz: Landeskrone. Jonsdorf: Oybin. Seifhennersdorf: Burgsberg. Cunewalde: Frühlingsberg. Oderwitz: Spi
Die Göbrde
Es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Bei der ersten Begegnung zeigte die Göhrde ein Alltagsgesicht. Als wir im östlichen Zipfel der Lüneburger Heide, von Lüneburg und Dahlenburg kommend, durch ein langes Spalier von hochragenden Linden den Flecken erreichten, der wie der Wald ringsum Göhrde heiß
Die Lößnitz
Jedesmal, wenn der Zug auf der Reise nach Dresden bei Riesa die Elbe überquert, halte ich auf der linken Waggonseite Ausschau nach den Lößnitzbergen. Und wenn dann der Bahnhof Zitzschewig durchfahren wird, beginnt die Vorfreude. Um festzustellen, daß das Wort Zitzschewig slawischen Ursprungs ist, br
Die Lommatzscher Pflege
Man führe in Sachsen den Namen oft im Munde, aber man kenne sie nicht: so schrieb der unermüdliche Beschreibet seiner sächsischen Heimat, Otto Eduard Schmidt, vor Jahrzehnten über die Lommatzscher Pflege. Dabei ist es bis heute geblieben. Man kennt den Namen, aber bereist und erwandert wurde das Geb
Das West-Erzgebirge
Täler und Wälder, grün ausgebreitet, Ruhebank und Reh, die Beerenfrau und der Waldgänger mit Pfeife und Kiepe auf dem Rücken: das Bild, eine tüchtige Malerarbeit, kippte dem Zehnjährigen von der Wand der Empfangshalle des Chemnitzer Hauptbahnhofes entgegen. Aus einer Kleinstadt im sächsischen Flachl
Das Osterland
Wo liegt das Osterland? Das ist eine Frage, um Rumpelstilzchen zu spielen. Es steht auf keiner Karte und auch im Reiseführer nicht, und wer dort ansässig ist, muß es deshalb noch längst nicht wissen. Zu scheuen wären allenfalls mittelalterliche Historiker und sächsische Heimatforscher, außerdem Leut
Der Ostharz
Auf drei Dinge freute sich der auslandsdeutsche Schuljunge Jahr für Jahr, wenn die großen Ferien näherrückten und die Urlaubsreise mit den Eltern nach Deutschland bevorstand: auf frische Brötchen, Apfelsaft und Malzbier. Denn solche Dinge kannte man dort, wo er aufwuchs, noch nicht, obwohl es sonst
Das Hildesheimer Land
Die erste Begegnung mit diesem Lande ereignet sich in der Schule, und das ist lange her. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, der Inflation, sahen ausgehungerte Städter gierig auf die mächtigen Wurstbrote der »Fahrschüler«, die von den Höfen ringsum kamen. Es mußte ein fettes Land der ewig Satte
Der Ambergau
Wo die Auen der Nette beginnen, die den Ambergau durchfließt, liegt Mechtshausen am Osthang des Heber. Das Bauerndorf, so schön es ist mit behaglichen Höfen unter mächtigen Bäumen, wäre kaum der Rede wert, wenn nicht Wilhelm Busch dort, nach seinen Ausflügen in die Welt, nach Enttäuschungen und Erfo
Der Solling
Vom »wilden Solling« ist bei Wilhelm Raabe die Rede, in seiner späten Erzählung »Hastenbeck«. Sie spielt in den dunklen Zeitläuften des Sieben) ährigen Krieges. Damals lag der Solling, ein fünfhundert Quadratkilometer großes Landstück zwischen, großzügig bezeichnet, Weser und Leine, noch fern von de
Das Minden-Ravensberger Land
Bielefeld vorbei - und der Teutoburger Wald ist schon nicht mehr das »gebirgichte Westfalen« wie weiter im Süden. Auf die Fichten rechts und links der Autobahn sieht man kaum ohne Mitleid. Vielleicht auch ein unbehagliches Erinnern an die Senne: Augustdorf - Soldaten, Soldaten -: das ist ja nicht we
Das Artland
Anders ist das Artland. Dies ist der erste Eindruck. Und er stellt sich unerwartet ein; nicht jedoch überraschend. Ob man von Westen her, von Holland, oder näher, von Lingen, Meppen, Haselünne, ob man von Norden, aus dem Oldenburgischen kommt, oder von Osten, vielleicht vom Dümmersee herüber, oder o
Das Sünteltal
Ins Sünteltal zu fahren, das ist wie die Wiederbegegnung mit einem vertrauten Freund nach langen Jahren. Ein Paradies, als das es sich dem Rußlandheimkehrer in den letzten Septembertagen des Jahres 1946 darbot, ist dieses Land zwischen den Höhenrücken des Deisters und des Süntels sicher nicht. Aber
Das Upland
Sommerabende im Upland, in den ersten Jahren nach dem Kriege — das war vollkommene Weltabgeschiedenheit. Das kleine Blockhaus, in dem die Freunde Unterschlupf gefunden hatten, wurde überragt durch den Hermannsberg, von dem die Leute glauben, er sei nach dem Cheruskerfürsten benannt worden und dess
Waldeck
Es war ein heißer Sommertag, und heiße, trockene Wochen waren schon vorausgegangen, als die Mädchen im Schullandheim ankamen. Am späten Nachmittag liefen sie durch den Wald zur vertrauten Badestelle am Edersee. Aber wie anders sah es dort aus als im Jahr vorher: Die Ufer waren weit zurückgetreten, d
Das Hinterland
Der heroisch sterbende Krieger, Hand auf dem Herzen, Pickelhaube auf dem geneigten Haupte, daneben der Kamerad, trutzig über das aufgepflanzte Seitengewehr hinwegblickend — als Mitte des belebten Marktplatzes von Biedenkopf mutet das alte Denkmal ganz und gar nicht anachronistisch an. Es fügt sich
Das Schlitzer Land
Die erste Bekanntschaft mit dem Schlitzer Land war mehr kulinarischer Art. Genauer gesagt, es waren die hausgemachten Blut- und Leberwürste, die der Ehemann statt des erwarteten Rehbocks mit nach Haus brachte. Da auch ihm die Würste ein vollwertiger Ersatz für die entgangene Jagdtrophäe zu sein schi
Das Fulder Land
Die Frankfurter, liberal, hochnäsig und schlappmäulig wie sie als Bürger einer einst freien Reichsstadt sind (». . . wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!«), benannten früher die hessischen Stammesvettern aus dem Nordosten mit einem despektierlichen Spitznamen. Dort nahe dem »hessischen Sibir
Das Marburger Land
Als man schrieb nach Gottes Geburt 1229 Jahre, da zog Sankt Elisabeth aus Thüringen und folgte dem seligen Priester Meister Curt, ihrem Beichtvater. Derselbe war aus Margburg gebürtig. So kam Sankt Elisabeth nach Hessen und gen Margburg . .. Von der Zeit an nahm Margburg sehr zu und wurde immer bess
Das Schmalkalder Land
Zwischen Donnershaugk und Inselsberg, zwischen dem sagenumwobenen Rennsteig und dem Tal der Werra, dort, wo sich am Südwesthang des Thüringer Waldes die Berge langsam in eine Hügellandschaft verwandeln, liegt das Schmalkalder Land. Der heutige »grenznahe« DDR-Kreis Schmalkalden entspricht der alten
Das Grabfeld
Wenn einmal die altehrwürdige Dorflinde umstürzt, dann wird Schlimmes über das Land kommen, er-zählten sich früher die alten Leute in Breitensee im Grabfeld. Eines Morgens, im Jahre 1939, lag sie dann am Boden, von einem orkanartigen Unwetter gefällt. Ãœber dreißig Kilometer Zonengrenze trennen heu
Die Fränkische Platte
Danach fuhren wir gen Erlabrunn da lagen wir übernacht und verzehrten 22 Pfennig.« Ganz so billig wie weiland Albrecht Dürer im Jahre 1520 waren schon wir drei Pennäler nicht davongekommen, als wir vierhundertelf Jahre später dem Maler in das fränkische Weinland folgten; mit dem Fahrrad eine gute Wo
Der Obermain
Als der gebürtige Schlesier kurz nach dem Krieg von Thüringen hinüber »in den Westen machte«, hatte er nur einen flüchtigen Blick vom Beifahrersitz eines Lastzugs aus für Vierzehnheiligen und Schloß Banz übrig. Er hatte andere Dinge im Kopf als Balthasar Neumann, Dientzenhofer oder Viktor von Scheff
Der Frankenwald
Erinnern wir uns an eine D-Zug-Fahrt vor dem Krieg von München nach Berlin. Da gab es eine Station, winzig, der Zug hielt, doch niemand stieg hier aus: Pressig-Rothenkirchen. Einzig und allein eine schwere Schublokomotive setzte sich hinter die Waggons, um dem Zug nach Steinbach am Wald, fast sechsh
Der Aischgrund
Wer nicht parierte, mußte sich über die Bank legen. Und der Rohrstock des Oberlehrers sauste auf den Hosen-boden nieder. Eine Strafgepflogenheit, die aber auch für den Strafenden ihre Tücken hatte. Etwa bei der Abendandacht, wenn der schlagfertige Schulmeister die Orgel im Kirchlein Maria Schnee bed
Das Knoblauchs land
Ein nicht unbegabter Vorläufer der wackeren Verfasser dieser Landschaftsskizzen war Carl Julius Weber, jener hohenlohische Franke, der mit Vorliebe die Grenzlinie fixierte, wo das Erhabene ans Lächerliche streift. Unseren um den Heimathumus berühmten Porträts hat er vor hundertfünfzig Jahren schon e
Die Frankenhöhe
Es ist zu unterscheiden zwischen der Frankenhöhe und der »eigentlichen« Frankenhöhe. Erstere läßt sich nicht leicht eingrenzen. Denn sie verläuft sich als Teil zwei des Fränkischen Stufenlands nach Osten hin in kaum mehr wahrnehmbaren Hügeln; sie reicht als südlicher Ausläufer der Fränkischen Platte
Das Ries
Sie haben einen Mund wie ein Schwert. Es wäre gut, wenn Sie sich in Zukunft etwas mäßigten.« Karl Heinrich Lang, damals schon der Ritter von Lang, solcherart von seinem bayerischen König vor der Rückkehr ins Ansbacher Amt eines Kreisdirektors gerügt, könnte für einen Franken gelten. Wo immer an vorg
Das Altmühltal
Streckenweise kann man den Motor abstellen. Dann rollt der Wagen über das dunkle Teerband, lautlos fast, den Windungen der Altmühl gemächlich folgend. Eng wie der Bach sind auch die Sträßchen, die ihn begleiten. Autos sind hier vergleichsweise selten, und wären nicht die hochbeladenen Erntewagen, di
Der Gäuboden
Was ist bayerisch: Das Oktoberfest zum Beispiel, das manche Leute für den Höhepunkt des Münchner Kalenders halten, ist es nicht unbedingt. Dazu ist es viel zu spezialisiert, zu sehr auf eine Störung des seelischen und körperlichen Gleichgewichts angelegt, ein Effekt, den die Faktoren Achterbahn und
Das Inntal
Der Inn ist über fünfhundert Kilometer lang, aber auf dem weiten Weg vom südlichen Graubünden bis Passau fand der Kartograph unseres Hausatlanten nur ein winziges, in der Natur elf Kilometer langes Stückchen Flußlauf, an dem er das lieblich geschwungene Wort »Inntal« anbringen konnte. Die Landschaft
Der Rupertiwinkel
Rupertiwinkel — ist das nicht da unten am Königssee?« Der so fragte, war nicht etwa ein norddeutscher Tourist, sondern die Dame im Kur- und Verkehrsverein Traunstein. Die ratlose, falsche Antwort, die sie auf unsere Erkundigung gab, ließ vermuten, daß »Rupertiwinkel« nicht zum Wortschatz der Touri
Das Isartal
Das Verhältnis des typischen Münchners zur Isar ist fast so kühl wie die Wasser, die diese führt. Die Sentimentalität jedenfalls, die sich in vielen deutschen Städten dem sie durchströmenden Gewässer gegenüber herausgebildet hat, ist den Bewohnern der bayerischen Hauptstadt fremd. Weder die historis
Der Isarwinkel
Seit dem Frühschoppen sitzen sie schon in der Wirtschaft zusammen, fünf Mannsbilder in Lederhosen, Loden und mit stolzen Gamsbärten am Hut. Mit der »Jagerei« haben sie allesamt etwas zu tun, von Berufs wegen, aus Leidenschaft oder weil es halt in der Familie seit jeher der Brauch ist. Obwohl es auf
Die Jachenau
Zwischen dem oberen Isarwinkel und dem Walchensee webt der Föhn Schleier am Himmel. Die Vogelbeere glüht mit letzter Kraft, bevor sie welkt. In der Jachenau ist ihr Purpurrot der Schmuck auf dem Gewand des frühherbstlichen Waldes. Wenn man mit dem Wagen, von Lenggries kommend, in das Hochtal einbieg
Das Tegernseer Tal
Gmünd ist erste Bahnstation am See und gleichzeitig der Eingang zum Tegernseer Tal. Hier, vom Nordrand des Tegernsees, überschaut man das Tal in seiner ganzen Weite und Geschlossenheit. Unmittelbar vor Augen liegt eine schier unübersehbare Wasserfläche. Während sich rechts und links sanft die bewald
Die Schlierseer Berge
In sechs Minuten schwebt die Gondel von der Talstation in Bayrischzell hinauf zum Wendelstein, 1840 Meter hoch. Zacken wie im Bilderbuch, eine dunkelfeuchte Grotte zum Gruseln und natürlich Kreuz, Kapelle und Bierausschank dicht beieinander. Ein echter Höhepunkt des Tourismus und der Heimatverehrung
Der Ammergau
Wären die drei berühmten Stätten in allem das geblieben, was sie ursprünglich waren, fiele dem Betrachter des Ammergaus folgendes auf: Wallfahrer biegen von der Olympiastraße ab, steigen ein Stück des dicht bewaldeten Mühlberges empor, gelangen oben in ein enges Tal und erblicken hinter einer Wegkr
Die Osterseen
Ausnahmsweise hat man es einzig und allein der Natur überlassen, für den Reiz der Landschaft zu sorgen. Die Menschheit nahm, nachdem sie das gelungene Werk gesehen hatte, davon Abstand, architektonisch ihren Senf dazuzugeben. Dabei hat die Natur nicht einmal ein Ãœbersoll erfüllt: keine tektonischen
Der Lamer Winkel
Die Kinder hatten sich bei der Wahl des Urlaubsdomizils gegen Sylt, Tirol, das Schwarze Meer und statt dessen ausgerechnet für einen Berggasthof im Bayerischen Wald entschieden, einsam gelegen auf einem 900 Meter hohen Sattel zwischen Arnbruck im Zellertal und dem Tal des Weißen Regen mit dem idylli
Das Lechfeld
Hinter Augsburg, auf der Bundesstraße 17, hält man lange Zeit vergebens Ausschau nach dem Lechfeld. Die Ebene duckt sich hinter, wie es scheint, endlosen Häuserzeilen entlang der Straße, die sich mit dem Beiwort »Romantische« schmücken darf. Wir folgen ihr ein Stück, jedoch nicht bis dahin, wo sie i
Das Donauried
Zwischen Günzburg und Donauwörth bleibt der Reiz der Landschaft im Verborgenen, wenn die Autofahrer die Bundesstraße 16 benutzen, um möglichst schnell die Autobahnen nach Stuttgart, München und Nürnberg zu erreichen. Im Herbst aber, wenn Rauch aus den Feldern aufsteigt, muß sich der Zauber der Lands
Das Donaumoos
Flach, eintönig, zum Radeln geeignet. Das Donaumoos zwischen Neuburg und Ingolstadt besitzt zwar keine touristischen und kunsthistorischen Höhepunkte, wohl aber die eigenartigen Reize des ewigen Einerleis: Zusammenspiel von Ebene und hohem Himmel, unendliche Perspektiven, birkengesäumte Straßen und
Der Linzgau
Man geniert sich fast, über eine Gegend zu schreiben, wo alles Honigschleckerei ist, wo weder die Verfasser der Tourismusprospekte noch der Herr Joseph Victor von Scheffel einer Lüge überführt werden können, wenn sie von den blumenfrohen Gärten, dem silbrigen Wasser und seinen baumumsäumten Gestaden
Der Hegau
Für die meisten Menschen ist der Hegau ein Durchreiseländchen auf dem Weg zwischen Nordsee und Mittelmeer, oder auch nur vom Schwarzwald zum Bodensee. Zwar kann der Hegau selbst auch mit Ufer- und Badeleben dienen, denn Radolfzell mit seinem am Untersee gelegenen Bahnhof, dem »schönsten Wartesaal Eu
Der Klettgau
Er erwarte uns, sagte der Freund am Telefon, am nächsten Zischtig beim Suser in Waldshut. So trafen wir uns denn am nächsten Dienstag beim frisch gepreßten Wein in Waldshut, wie auch zur Erläuterung für jene vermerkt werden soll, die die hochalemannische Sprache nicht beherrschen, in der sich die Le
Der Breisgau
Ursprünglich reichte der Breisgau von der Ortenau bis nach Basel. Im 16. Jahrhundert ist sein südlicher Teil in den Besitz der Markgrafen von Baden-Durlach übergegangen; der Religion des Landesherrn entsprechend wurde das »Markgräfler Land« protestantisch, während der alte Breisgau katholisch blieb.
Der Heuberg
Schuld ist der Schwarzwald. Weil er sich bei der Revolution im Erdinnern vor Jahrmillionen besonders aufbäumen zu müssen glaubte, brachte er die Juratafel der Schwäbischen Alb auf die schiefe Bahn, indem er deren südwestlichen Teil rund zweihundert Meter in die Höhe hob und dem Heuberg zum Ruf verha
Die Urach er Alb
Es ist herrlicher als man es von außen dafür ansieht. Denn von innen ist es wie eine königliche Burg.« So hat ein älterer Autor das Schloß von Urach beschrieben, Gustav Schwab hat es zitiert, und der Reisende von heute denkt dasselbe, nur mit mehr Worten. Er denkt es auch, wenn er weiß, daß die Sch
Der Schwäbische Wald
Die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 brachte es an den Tag, was Harmonie, Zufriedenheit, Gefälligkeit und Unauffälligkeit in Verbindung mit einem auf gesunden Lungen beruhenden Flügelspiel einbringen können: den dritten Platz. Woher die Polen das alles hatten, die Publikumslieblinge, blieb nicht lange
Das Neckartal
Die knappe Stunde Zugfahrt den Neckar entlang, Tübingen, Reutlingen, Metzingen, Nürtingen, Plochingen, Esslingen und dann Stuttgart, absolviert über Jahre hinweg, sei es um an ein Funkhonorar, sei es um an die Quellen der Weisheit in der Stuttgarter Landesbibliothek heranzukommen (die dort zugänglic
Der Schönbuch
Hinter Dettenhausen, wo sich die B 27 in schönen Kurven durch den Wald schwingt, muß man langsam fahren. Erstens weil hier schlimme Verkehrsunfälle passieren, die Schwester, die auf der Röntgensta-tion in Tübingen sitzt, weiß es, zweitens weil hinter einer Biegung plötzlich Bebenhausen auftaucht. Au
Das Gäu
Was anderswo »der Gau« heißt, ist in Württemberg »das Gäu«, sächlichen Geschlechts und sogar ohne Mehrzahl. Das ist um so merkwürdiger, als es hier, westlich von Stuttgart, eine ganze Kette solcher »wasserreicher, waldfreier Auenlandschaften« gibt, wie sie Gau oder Gäu laut Lexikon sind: im Süden da
Das Unterland
Es gibt einen Weinbaubereich Unterland und in Heilbronn eine Ausstellung des Unterlandes, das Geschichtsbuch vermeldet Erschröckliches vom bauernkriegerischen » Unterländer Haufen« des Jäcklin Rohrbach, das Lied singt bewegend davon, wie schön es »drunten im Unterland« sei, und Mörike ließ den Turmh
Der Odenwald
Alles ist im Odenwald mittelmäßig, die Wälder ausgenommen«, notierte Karl Julius Weber (1767-1832.) in seinem umfangreichen Reisefeuilleton »Deutschland oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen«. Dieser Satz verlangt nach Berichtigung. Denn auf einer Anhöhe nahe dem Luftkurort Beerfelden

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