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Derrida: dekonstruktion, philosophie und literaturtheorie

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Derrida: Dekonstruktion, Philosophie und Literaturtheorie



Es kann nicht darum gehen, Jacques Derridas Dekonstruktion auf die Problematik der Literaturtheorie zu reduzieren oder sie als literaturwissenschaftliche Methode, die sie nie sein wollte, aufzufassen. Obwohl sie in der literaturwissenschaftlichen Diskussion eine wichtige Rolle spielt und in diesem Kontext ganz zu Recht berücksichtigt wird1, drückt sie eher den bohrenden Zweifel an jeglicher Methodologie als methodisches Bewußtsein aus. Im folgenden soll dieser Zweifel sowohl auf philosophischer als auch auf literarischer Ebene veranschaulicht und die Vorgehensweise einer kritischen und rebellischen Denkrichtung konkretisiert werden, die allzu oft aus ihrem kulturellen Zusammenhang herausgelöst und in eine Karikatur verwandelt wird.

      Folgt man den einzelnen Argumenten, die Derrida gegen den Strukturalismus und die Sprechakttheorie Austins und Searles ins Feld führt, so kann man hoffen, den hohen Abstraktionsgrad, der die meisten Diskussionen über die Dekonstruktion kennzeichnet, zu überwinden und die dekonstruktivistische Praxis sowie ihre theoretischen Voraussetzungen konkret darstellen und kritisieren zu können. Es wird sich allerdings zeigen, daß sich die Kritik an der Dekonstruktion gegen die kritisierenden Instanzen selbst wenden kann, wobei einige von Derridas Argumenten voll bestätigt werden. Ihre kritische Bestätigung scheint nur in einer dialogischen Argumentation möglich zu sein, die der eigenen theoretischen Position treu bleibt, ohne die Gegenposition auf monologisch-rationalistische oder monologisch-hegelianische Art zu vereinnahmen. In diesem dialogischen Zusammenhang wird die Dekonstruktion weder als philosophischer Irrationalismus noch als modischer Obskurantismus erscheinen, sondern als ein theoretischer Ansatz, der die im Alltagsbewußtsein allzu fest verwurzelten Vorurteile und iclees reques rationalistischer Ideologien aufweicht.
     
Die Kommentare zu Derridas literarischen Analysen werden einerseits verdeutlichen, weshalb jeder rationalistische oder hegelianische Versuch, den vieldeutigen Text auf den Begriff zu bringen, vorab zum Scheitern verurteilt ist; sie werden andererseits die Grenzen aufzeigen, an die jede konstruktivistische oder dekonstruktivistische Interpretation früher oder später stößt: Grenzen, die mit den - wie auch immer definierten - phonetischen, semantischen und syntaktischen Strukturen der Texte zusammenfallen. In dieser Hinsicht wird die Kritik an Derridas Interpretationsweise an die Problematik des ersten Kapitels anknüpfen: an die Frage der begrifflichen Definierbarkeit von Kunst und Literatur.
      Bevor dieses zentrale semiotische und ästhetische Problem angeschnitten wird, ist es allerdings notwendig, zu Derridas Kritik an der metaphysischen Tradition zurückzukehren, um darzustellen, in welchem Maße eine solche Kritik radikale Zweifel an der metaphysischen und onto-theologischen Auffassung der Sprache zum Ausdruck bringt.

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Derrida:  Dekonstruktion,  Philosophie  Literaturtheorie    





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